CO2-Zertifikate kaufen: Optionen für Privatanleger:innen

Geprüft von
Jessica Dzikonski
Eine Person berechnet auf einer Website der Regierung mithilfe eines Laptops ihren persönlichen CO₂-Fußabdruck, während durch das Fenster neben der Stelle, an der man CO₂-Zertifikate kaufen könnte, ein Rauch ausstoßendes Kraftwerk zu sehen ist.
CO2-Zertifikate kaufen können Sie durchaus auch als Privatperson, jedoch gibt es verschiedene Wege. Welchen Weg Sie wählen, hängt von Ihrem Beweggrund ab. Je nachdem, ob Sie in CO2-Zertifikate investieren, Ihre eigenen CO2-Fußabdruck ausgleichen oder der Industrie die Verschmutzungsrechte entziehen wollen, gibt es verschiedene Herangehensweisen und Anbieter. Wie Sie ein CO2-Zertigikat als Privatperson kaufen, erklären wir Ihnen nachfolgend im Detail.
Abbildung einer Glühbirne, in der grüne Blätter wachsen, die umweltfreundliche Ideen oder nachhaltige Energie symbolisieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Privatpersonen können CO2-Zertifikate kaufen: Je nach Ziel können Sie auf die Preisentwicklung von Emissionsrechten setzen, EU-Emissionsrechte stilllegen lassen oder Klimaschutzprojekte unterstützen.
  • CO2-ETCs ermöglichen ein Investment in den CO2-Preis: Sie sind über entsprechende Online-Broker handelbar. Ihre Wertentwicklung hängt stark von politischen Entscheidungen ab, weshalb hohe Verlustrisiken bestehen.
  • Stillgelegte EU-Emissionsrechte stehen der Industrie nicht mehr zur Verfügung: Spezialisierte Anbieter übernehmen den Kauf und die Stilllegung. Die tatsächliche Klimawirkung hängt jedoch auch von den Mechanismen des EU-Emissionshandels ab.
  • Bei Klimaschutzprojekten kommt es auf die Qualität an: Prüfen Sie den Zertifizierungsstandard, die Notwendigkeit der Finanzierung und den Nachweis der Stilllegung. Ein bekanntes Siegel allein garantiert keine wirksame Kompensation.
  • Emissionen vermeiden hat Vorrang vor dem Ausgleich: Der Kauf von Zertifikaten senkt Ihren eigenen CO2-Ausstoß nicht. Er kann ergänzend zur Unterstützung von Klimaschutzmaßnahmen beitragen.
Ein hellhäutiges Hand-Emoji, bei dem der Zeigefinger nach rechts zeigt.

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Inhaltsverzeichnis

Was ist ein CO2-Zertifikat?

Den Grundstein für den Emissionshandel hat das Kyoto-Protokoll gelegt, das 2005 in Kraft getreten ist. Im selben Jahr startete auch die EU ihr Handelssystem, das EU-ETS. Ein CO2-Zertifikat steht seitdem für eine Tonne CO2. Es gibt allerdings zwei Arten, die ganz unterschiedlich funktionieren:

  • Emissionsrechte aus dem EU-Emissionshandel: Kraftwerke und Industriebetriebe müssen für jede ausgestoßene Tonne CO2 ein Zertifikat abgeben. Die EU begrenzt die Gesamtmenge und senkt sie Jahr für Jahr. Das ist der Pflichtmarkt.
  • Zertifikate aus Klimaschutzprojekten: Hier belegt ein Zertifikat, dass ein Projekt eine Tonne CO2 eingespart oder gebunden hat, etwa durch Aufforstung. Diese Zertifikate kann jeder freiwillig kaufen.

Wichtiger Hinweis: Neben den CO2-Zertifikaten für Unternehmen werden auch Wertpapiere, die den CO2-Preis abbilden, als „CO2-Zertifikat“ betitelt.

Kann man als Privatperson CO2-Zertifikate kaufen?

Um die Frage kurz zu beantworten: Ja, Sie können ein CO2‑Zertifikat privat kaufen. Falls Sie als Privatperson CO2-Zertifikate kaufen wollen, gilt es zunächst festzulegen, welche Absicht Sie mit dem Kauf verfolgen wollen. Je nach Absicht gibt es verschiedene Wege, auf die wir nachfolgend eingehen. 

Weg 1: In CO2-Zertifikate investieren

Mittels CO2-Zertifikate haben Sie die Möglichkeit, über die Preisentwicklung von Emissionsrechten zu spekulieren. Aufgrund strenger EU-Richtlinien für Fonds gibt es jedoch keine CO2-ETFs, die dies ermöglichen, sondern nur CO2-ETCs, Anders als ein ETF investiert ein ETC (Exchange Traded Commodity) in einen einzelnen Rohstoff. 

Sie können ETCs jedoch problemlos bei Online-Brokern kaufen, halten und verkaufen. Dazu müssen Sie einen Depotanbieter auswählen, der ETCs anbietet. Da es eine Reihe an Produkten gibt, gilt es, diese auch in Bezug auf Preis, Performance und Inhalt zu kontrollieren. Nachfolgend stellen wir Ihnen drei Online-Depots vor, bei denen Sie zwei der größten CO2-ETCs, den WisdomTree Carbon (WKN A3GTR6) und den HANetf SparkChange Physical Carbon (WKN A3GSS6), handeln können.


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Seien Sie sich jedoch bewusst, dass ein Investment in CO2-Emissionen hochspekulativ und stark politikabhängig ist. Für den Einstieg an der Börse sind breit gestreute ETFs für Anfänger die ruhigere Basis, ein CO2-ETC kommt erst danach als kleine Ergänzung infrage.

Weg 2: EU-Emissionsrechte kaufen und stilllegen

Das Prinzip hinter diesem Weg ist es, der Industrie Verschmutzungsrechte wegzukaufen. Das Ganze funktioniert, indem ein spezialisierter Anbieter in deinem Auftrag Emissionsrechte aus dem EU-Emissionshandel erwirbt und diese dann dauerhaft aus dem Markt entzieht. So wird sichergestellt, dass die Industrie diese Zertifikate dann nicht mehr kaufen kann.

Anbieter für Privatpersonen sind unter anderem Compensators und ForTomorrow. Compensators arbeitet als Verein, ForTomorrow über ein monatliches Abo.

Da die EU die Zertifikatsmenge über eigene Mechanismen zur Preisstabilisierung steuert, kann es laut Öko-Institut unter Umständen dazu führen, dass eine Stilllegung den relativen Gesamtausstoß um weniger als die eine Tonne senkt, die man eigentlich gekauft hat.

Weg 3: Klimaschutzprojekte unterstützen

Wollen Sie selber Klimaschutzprojekte unterstützen und Ihren eigenen CO₂‑Fußabdruck minimieren, können Sie dies ebenfalls über spezialisierte Anbieter machen. Dazu berechnen Sie zunächst, wie viel CO2 Sie verursachen, etwa durch einen Flug oder über das ganze Jahr. Hier können Sie beispielsweise den CO2-Rechner des Umweltbundesamtes verwenden.  

Anschließend wählen Sie ein Projekt und bezahlen. Der Anbieter legt die passende Menge Zertifikate im Register still, damit niemand sie ein zweites Mal verkaufen kann. Achten Sie darauf, nach welchem Standard ein Projekt zertifiziert ist. Ein Standard legt fest, wie Einsparungen berechnet werden, und lässt Projekte von unabhängigen Stellen prüfen. Die zwei wichtigsten sind:

  • Gold Standard: 2003 vom WWF und weiteren Umweltorganisationen gegründet. Er verlangt neben dem Klimaschutz auch, dass ein Projekt den Menschen und der Umwelt vor Ort nicht schadet.
  • Verra (Verified Carbon Standard, VCS): Gemessen an der Zahl der Zertifikate der größte Standard am freiwilligen Markt. Soziale und ökologische Wirkungen weist Verra über ein eigenes Zusatzsiegel aus (CCB).

Was kostet es, ein CO2-Zertifikat zu kaufen?

Wenn Sie ein CO2-Zertifikat kaufen, hängt der Preis stark von der Art ab. Ein EU-Emissionsrecht kostete im zweiten Quartal 2026 im Schnitt 75,28 Euro pro Tonne. Das zeigt der Durchschnitt der Auktionspreise, den die EU-Kommission veröffentlicht. Zertifikate aus Klimaschutzprojekten gibt es schon für wenige Euro, technische Verfahren wie Direct Air Capture kosten dagegen über 500 Euro pro Tonne. 

Ein Beispiel: Für einen Hin- und Rückflug von Düsseldorf nach Tokio berechnet Atmosfair 4.791 kg CO2 und 144 Euro, also rund 30 Euro pro Tonne. 

Infografik zum Vergleich der CO₂-Emissionen und Kosten eines Fluges von Düsseldorf nach Tokio – einschließlich der Möglichkeit, CO₂-Zertifikate zu kaufen – mit den Emissionen beim Autofahren, den Klimabudgets und den Emissionen in Äthiopien.
Quelle: Emissionsrechner von atmosfair.de, Abruf am 06.10.2026 · Preis pro Tonne: eigene Berechnung (144 € ÷ 4,791 t)

CO2-Zertifikat privat kaufen: Checkliste

Bevor Sie ein CO2-Zertifikat privat kaufen, sollten Sie diese fünf Punkte prüfen.

Checkliste: CO2-Zertifikat privat kaufen

Checkliste

Gut zu wissen

Seit dem 27. September 2026 gelten in der EU strengere Regeln für Umweltaussagen. Seriöse Anbieter sprechen deshalb von einem „Klimaschutzbeitrag“ statt von „klimaneutral“.

Fazit: So können Sie CO2 Zertifikate kaufen

Als Privatperson haben Sie die Möglichkeit, CO2-Zertifikate zu kaufen. Die Art und Weise hängt davon aber von Ihrer Absicht ab. Zum einen können Sie mittels ETCs in CO2-Zertifikate investieren. Dazu benötigen Sie ein Konto bei einem Online-Broker, der den Handel anbietet. Zum anderen können Sie CO2-Zertifkate kaufen und aus dem Verkehr ziehen, damit diese nicht mehr für die Industrie verfügbar sind.

Falls Sie Ihren Fußabdruck ausgleichen wollen, können Sie ebenfalls in Projekte investieren, die das Geld zur Kompensation einsetzen. Die Preise für CO2-Zertifikate schwanken dabei je nach Anwendung zwischen wenigen Euro und teils dreistelligen Beträgen.

Eine Investition ist immer mit einem Risiko verbunden. Daher raten wir dazu, solche ETCs nur als Beimischung der ETF-Strategie zu sehen.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich CO2-Zertifikate direkt an der Börse kaufen?

Der direkte Handel mit Emissionsrechten an Energiebörsen wie der EEX ist Unternehmen und professionellen Investoren vorbehalten. Als Privatperson kaufen Sie stattdessen einen ETC über Ihr Wertpapierdepot oder beauftragen einen Anbieter mit der Stilllegung.

Wie viele Zertifikate brauche ich pro Jahr?

Ein Zertifikat steht für eine Tonne CO2. In Deutschland verursacht jeder Mensch im Schnitt rund zehn bis elf Tonnen pro Jahr. Ihren persönlichen Wert ermitteln Sie mit dem CO2-Rechner des Umweltbundesamts.

Ein Zertifikat steht für eine Tonne CO2. In Deutschland verursacht jeder Mensch im Schnitt rund zehn bis elf Tonnen pro Jahr. Ihren persönlichen Wert ermitteln Sie mit dem CO2-Rechner des Umweltbundesamts. 

Das hängt vom Anbieter ab. Zahlungen an gemeinnützige Organisationen wie Atmosfair gelten als Spende und lassen sich in der Steuererklärung angeben. Käufe bei gewerblichen Anbietern und Geldanlagen in ETCs sind dagegen nicht absetzbar.

Wie funktioniert das Emissionshandelssystem der EU?

Die EU erlaubt Sektoren wie Energie und Industrie nur eine bestimmte Menge an Emissionen und gibt dafür Zertifikate aus. Jedes Jahr kommen weniger Zertifikate auf den Markt. Wer mehr ausstößt, muss zusätzliche Zertifikate kaufen. Das schafft einen Anreiz, den CO2-Ausstoß zu senken und in saubere Technologie zu investieren. Die Klimaziele der EU verlangen bis 2030 eine Reduktion der Treibhausgase um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990.

Sind CO2-ETCs für Privatanleger:innen sinnvoll?

Für erfahrene Anleger:innen können sie eine kleine Beimischung im Portfolio sein. Anders als eine Aktie hängt der CO2-Preis nicht an Unternehmensgewinnen, sondern an der Klimapolitik. Reine CO2-ETFs gibt es in der EU nicht, und manche ETCs bilden den Preis nur über Futures ab. Ein langfristig steigender Kurs ist nicht garantiert, rechnen Sie mit starken Schwankungen.

Lars Hartog
Lars Hartog hat Betriebswirtschaftslehre studiert und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Wirtschaft, Nachhaltigkeit und Geldanlage. In verschiedenen Unternehmen hat er Projekte kennengelernt, die auf erneuerbare Energien und faire, transparente Wertschöpfung setzen. Besonderes Interesse hat er an langfristigen Investments mit Schwerpunkt auf grünen ETFs und verantwortungsvollen Strategien. Bei Erneuerbare Energien Aktuell bringt er diese Expertise ein und zeigt auf, wie sich Rendite und Nachhaltigkeit sinnvoll miteinander verbinden lassen.

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