Ist ein Blitzschutz für die PV-Anlage nötig?

Ein Blitz schlägt während eines Gewitters in die mit Blitzschutz für PV-Anlagen bestückten Solarmodule auf einem modernen Hausdach ein, über dem sich dunkle Wolken abzeichnen und im Hintergrund eine schwache Stadtkulisse zu sehen ist.
Photovoltaikanlagen befinden sich auf dem Dach an einer der exponiertesten Positionen am Gebäude und bieten somit Angriffsfläche für einen Blitzeinschlag. Bei einem Gewitter stellt sich für Hausbesitzer:innen daher die Frage, ob die Anlage ausreichend geschützt ist oder ob ein Blitzschutz für PV-Anlagen notwendig ist, um die Anlage zu schützen.
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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Blitzschutz für PV-Anlagen ist in Deutschland für private Wohngebäude gesetzlich nicht verpflichtend, aus technischer und finanzieller Sicht aber dennoch empfohlen.
  • Blitze müssen nicht direkt einschlagen, um Schäden zu verursachen. Auch nahe Einschläge erzeugen elektromagnetische Felder, die Überspannungen im System auslösen können und der Anlage schaden
  • Der Blitzschutz gliedert sich in zwei Bereiche: den äußeren Blitzschutz mit Fangstangen, Ableitungen und Erdung sowie den inneren Überspannungsschutz mit Surge Protective Devices.
  • Kosten für einen vollständigen Blitzschutz liegen je nach Umfang zwischen 500 € und 3.000 €.
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Inhaltsverzeichnis

Braucht man einen Blitzschutz für die PV-Anlage?

Für private Wohngebäude besteht in Deutschland keine gesetzliche Pflicht zur Installation eines Blitzschutzsystems für PV-Anlagen. Anders verhält es sich bei gewerblichen Bauten oder Gebäuden mit erhöhtem Risikopotenzial. 

Die Normen DIN EN 62305 und VDE 0185 schreiben eine verpflichtende Vorrichtung für Wohngebäude nicht explizit vor. Aus wirtschaftlicher Sicht ist ein Schutz dennoch sinnvoll, da bereits ein einziger Blitzschlag Schäden im fünfstelligen Bereich verursachen kann und das selbst, wenn der Blitz nicht direkt in die Anlage einschlägt.

📌 Good-To-Know: Wer ein Gebäude mit bestehendem Blitzschutzsystem mit einer PV-Anlage nachrüstet, muss die Solaranlage zwingend in das vorhandene System integrieren. Andernfalls kann die Wirksamkeit des gesamten Blitzschutzes beeinträchtigt werden.

Welche Risiken bestehen, wenn der Blitzschutz nicht installiert wird?

Wer keinen Blitzschutz für die Solaranlage vorrichtet, muss im schlimmsten Fall mit der Zerstörung der Anlage rechnen. Je nach Auslegung kann das schnell bis in die fünfstelligen Bereiche gehen. Ein Blitzschutz hingegen ist meist mit weniger als 3.000 € installiert und sichert das Gebäude und die Anlage ab.

  • Direkter Blitzeinschlag: Ein direkter Einschlag in die Anlage führt in der Regel zur vollständigen Zerstörung der betroffenen Module, des Wechselrichters und unter Umständen der gesamten Hausinstallation. Neben der Anlage sind also auch angebundene Geräte wie der Solarspeicher oder Wechselrichter in Gefahr.
  • Überspannung durch Induktion: Selbst wenn ein Blitz nur in der Nähe des Gebäudes einschlägt, erzeugen die magnetischen Felder des Blitzstroms Spannungsspitzen im DC- und AC-Leitungsnetz. Wechselrichter und Leistungselektronik sind besonders anfällig für solche Überspannungen und können beschädigt werden.
  • Brandgefahr: Überspannungen können Lichtbögen in der DC-Verkabelung auslösen. Da DC-Leitungen unter Spannung stehen, solange die Module belichtet sind, besteht eine erhöhte Brandgefahr. Hier ist besondere Vorsicht geboten, da durch einen Brand nicht nur die Technik, sondern das gesamte Gebäude zerstört werden kann.
  • Versicherungsrisiko: Viele Gebäudeversicherungen schließen Blitzschäden ohne Nachweis eines ausreichenden Blitzschutzes aus oder kürzen die Entschädigung. Prüfen Sie daher bitte unbedingt die Richtlinien in Ihren Versicherungen.

Dran gedacht? Prüfen Sie vor dem Abschluss einer Photovoltaik-Versicherung, ob Blitzschäden und Überspannungsschäden explizit im Vertrag abgedeckt sind. Manche Policen decken nur den direkten Blitzeinschlag ab, nicht aber Folgeschäden durch Induktion.

Fakten rund um Blitzschläge bei PV-Anlagen

Wie wahrscheinlich ist ein Blitzeinschlag?

In Deutschland schlagen im Durchschnitt rund 2-4 Blitze pro Quadratkilometer und Jahr ein. Für ein Einfamilienhaus mit einer Dachfläche von 100-150 Quadratmetern ist ein direkter Treffer statistisch gesehen sehr selten. Das Risiko indirekter Schäden durch Induktion liegt jedoch deutlich höher und wird von vielen Hausbesitzer:innen unterschätzt.

Zieht eine PV-Anlage Blitze an?

Photovoltaikanlagen ziehen Blitze nicht aktiv an. Blitzeinschläge orientieren sich an der Höhe und der elektrischen Leitfähigkeit von Objekten. Allerdings sind Module auf dem Dach freigelegt und damit potenziell stärker exponiert als tiefer liegende Gebäudebereiche.

Können nur direkte Einschläge der Anlage schaden?

Nein. Schlägt ein Blitz in 50-100 Metern Entfernung ein, entstehen durch das elektromagnetische Feld des Blitzstroms Induktionsspannungen in den Leitungen der PV-Anlage. Solche Überspannungen erreichen Werte von mehreren tausend Volt und können Wechselrichter sowie Leistungselektronik dauerhaft schädigen.

Rechtliche Vorgaben für den Blitzschutz bei PV-Anlagen

Auch wenn der Blitzschutz nicht direkt verpflichtend ist, so ist es jedoch der Überspannungsschutz von PV-Anlagen. Dieser ist seit 2018 Pflicht, laut den Normen DIN VDE 0100-443 und DIN VDE 0100-534

Der Überspannungsschutz sollte bei jeder neu geplanten oder auch erweiterten Anlage mit integriert werden. In der Regel übernimmt das der Installateur und richtet den Schutz fachgerecht für Sie ein.

📌 Wichtig: Wenn Sie eine Anlage vor 2018 installiert haben, sollten Sie auf Überspannungsschutz prüfen lassen. Auch wer die Anlage erweitert oder selber zusammenstellt, ist zur Integration des Schutzes verpflichtet.

Welche Normen gibt es für den Blitzschutz einer PV-Anlage?

Folgende Normen sind im Bereich des Blitzschutzes für PV-Anlagen relevant.

NormWirkungsbereichBedeutung für PV-Besitzer:innen
DIN VDE 0100-443 (2016/2018)Schutz bei Überspannungen durch atmosphärische Ereignisse (Blitze)In welchen Fällen Überspannungsschutz eingebaut werden muss
DIN VDE 0100-534 (2016/2018)Auswahl und Installation von Überspannungsschutzgeräten (SPD)Welche Gerätetypen wo installiert werden müssen
DIN VDE 0100-712 (2016)Handhabung von elektrischen Anlagen in Photovoltaik-SystemenKonkrete Anforderungen an den Überspannungsschutz auf DC- und AC-Seite von PV-Anlagen
DIN EN IEC 62305-2 (2026)BlitzschutzrisikoanalyseOb ein äußeres Blitzschutzsystem (Blitzableiter) erforderlich ist

Unterschied zwischen äußerem Blitzschutz und innerem Überspannungsschutz

Der gesamte Blitzschutz für PV-Anlagen wird auf die beiden Bereiche des äußeren Blitzschutz (Blitzableiter) und den inneren Blitzschutz (Überspannungsschutz) getrennt.

Äußerer Blitzschutz

Der äußere Blitzschutz hat die Aufgabe, einen direkten Blitzeinschlag gefahrlos in die Erde abzuleiten. Die Ableitungen führen den Blitzstrom vom Dach in die Erdungsanlage. Ein ausreichender Trennungsabstand zwischen Blitzschutzanlage und PV-Verkabelung ist dabei entscheidend, da andernfalls Blitzteilströme auf die Anlage überspringen können. Berechnungsgrundlage ist die DIN EN 62305. Kann der erforderliche Trennungsabstand nicht eingehalten werden, muss ein Potentialausgleich hergestellt werden.

Innerer Blitzschutz und Überspannungsschutz

Der innere Blitzschutz schützt die Elektronik vor Überspannungen, die durch Induktion oder über das Stromnetz eindringen. Surge Protective Devices (SPDs) werden auf der DC-Seite zwischen Modulen und Wechselrichter sowie auf der AC-Seite zwischen Wechselrichter und Hausinstallation eingebaut.

Die Norm VDE-AR-N 4105 empfiehlt SPDs der Kategorien Typ 1 und Typ 2. Besonders wichtig ist dabei die Abstimmung der Schutzgeräte auf die Nennspannung des Systems. Auch der Wechselrichter selbst sollte laut DIN VDE 0100-443 durch einen koordinierten Überspannungsschutz abgesichert werden.

Was kostet ein Blitzschutz?

Ein vollständiges äußeres Blitzschutzsystem kostet für ein Einfamilienhaus je nach Dachgröße und Aufwand zwischen 1.500 € und 3.000 €. Die ergänzenden Surge Protective Devices kosten zusätzlich 200-500 €, zuzüglich Installationskosten.

📌 Unsere Empfehlung: Wer auf maximale Sicherheit setzen möchte, sollte beide Systeme installieren. Die wirtschaftlichere Entscheidung ist jedoch nur die Installation der Surge Protective Devices, um gegen Überspannungen abgesichert zu sein.

Lohnt sich eine Blitzschutzversicherung für die Solaranlage?

Viele Hausrat- und Gebäudeversicherungen decken Blitzschäden an PV-Anlagen nur eingeschränkt ab. Prüfen Sie vor dem Abschluss einer Versicherung also unbedingt, ob diese nur den direkten Einschlag absichert, oder ob auch passive Schäden durch einen nahen Blitzschlag mitversichert sind.

Spezialisierte Photovoltaik-Versicherungen bieten häufig umfassenden Schutz, der auch Überspannungsschäden durch Induktion einschließt. Angesichts eines typischen Anlagenwertes von 10.000 € bis 25.000 € ist ein solcher Versicherungsschutz aus unserer Sicht eine sinnvolle Ergänzung zu den technischen Schutzmaßnahmen.

Fazit

Ein gesetzlicher Zwang zum Blitzschutz für PV-Anlagen auf Wohngebäuden besteht in Deutschland nicht. Das Schadensrisiko durch direkte Blitzeinschläge und Überspannungen ist jedoch real und kann teuer werden. Zumindest ein innerer Überspannungsschutz nach VDE 0100-443 ist für jede Photovoltaikanlage empfehlenswert.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich meine:n Installateur:in über ein vorhandenes Blitzschutzsystem informieren?

Wer ein Gebäude mit bestehendem Blitzschutzsystem hat, sollte das dem/der Installateur:in vor der PV-Installation mitteilen. Nur so kann die Anlage korrekt in das vorhandene System integriert werden. Eine nachträgliche Anpassung ist deutlich aufwendiger und teurer.

Welche Normen gelten für den Blitzschutz von PV-Anlagen?

Maßgeblich sind die DIN EN 62305 für das äußere Blitzschutzsystem sowie die VDE 0100-443 für den Schutz elektrischer Anlagen vor Überspannungen. Zusätzlich gibt die VDE-AR-N 4105 Empfehlungen für den Anschluss von Erzeugungsanlagen ans Niederspannungsnetz.

Reicht ein Überspannungsschutz am Wechselrichter aus?

Ein SPD am Wechselrichter schützt die Leistungselektronik, sichert aber nicht die gesamte Hausinstallation ab. Für einen umfassenden Schutz sollten SPDs sowohl auf der DC- als auch auf der AC-Seite installiert werden.

Schützt eine Erdung die PV-Anlage vor Blitzen?

Eine Erdungsanlage ist ein wesentlicher Bestandteil des äußeren Blitzschutzes, reicht allein jedoch nicht aus. Schutz vor Überspannungen durch Induktion bietet sie nicht. Erst in Kombination mit SPDs entsteht ein wirksames Gesamtsystem.

Wie oft sollte der Blitzschutz geprüft werden?

Laut DIN EN 62305 sollte ein äußeres Blitzschutzsystem alle 1-4 Jahre durch eine Fachkraft geprüft werden. Den Überspannungsschutz empfiehlt es sich, nach jedem bekannten Blitzereignis in der Nähe des Gebäudes kontrollieren zu lassen.

Gilt der Blitzschutz auch für Balkonkraftwerke?

Balkonkraftwerke sind aufgrund ihrer geringen Leistung und Größe weniger gefährdet als große Dachanlagen. Dennoch empfiehlt sich auch hier ein SPD auf der AC-Seite des Mikro-Wechselrichters. Ein äußeres Blitzschutzsystem ist bei Balkonkraftwerken in der Regel nicht erforderlich.

Richard Roth
Richard Roth vereint seine Leidenschaft als Autor mit einer tiefen Begeisterung für die Natur und der Verwendung erneuerbarer Energien. Engagiert in Projekten zur Förderung von Nachhaltigkeit im Alltag, fokussiert er sich besonders auf die Anwendung erneuerbarer Energien in privaten Haushalten. Dabei möchte er besondere Aufmerksamkeit im Bereich der nachhaltigen Investment-Möglichkeiten schaffen und mehr Menschen dazu motivieren Rentabilität mit einem umweltbewussten Lebensstil zu vereinen.

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