ETF verkaufen: Worauf Sie unbedingt achten müssen

Geprüft von
Jessica Dzikonski
Ein Mann sitzt an einem Tisch und legt nachdenklich die Hand auf sein Kinn. Vor ihm zeigt ein Tablet eine Tabelle von ETF verkaufen an, daneben eine Brille und eine Tasse Kaffee. Im Hintergrund ist ein gemütliches Wohnzimmer zu sehen.
Der technische Verkauf von ETF-Anteilen gestaltet sich sehr einfach und ist innerhalb von wenigen Minuten abgewickelt. Deutlich langfristiger können die Folgen sein, wenn Dinge, wie der richtige Zeitpunkt, die Kosten, Steuern oder auch die optimale Entnahmestrategie nicht beachtet werden. Erfahren Sie, wann der beste Zeitpunkt für den Verkauf ist und welche Optionen es gibt, um Steuern und Kosten zu senken. 
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Das Wichtigste in Kürze

  • ETF-Verkäufe sollten strategisch erfolgen: Ein Verkauf ist sinnvoll, wenn ein Anlageziel erreicht wurde, Liquidität benötigt wird oder ein Rebalancing ansteht. Kurzfristige Kursschwankungen allein sind meist kein guter Verkaufsgrund.
  • Zeitpunkt, Kosten und Steuern machen einen großen Unterschied: Verkäufe während der Xetra-Handelszeiten sind oft günstiger, weil die Spreads geringer ausfallen. Zusätzlich sollten Ordergebühren, Freistellungsauftrag und der Sparerpauschbetrag beachtet werden.
  • Teilverkäufe und Entnahmepläne sind oft sinnvoller als ein Komplettverkauf: Wenn Sie nicht die gesamte Summe sofort brauchen, können Sie Steuern und Kosten besser steuern. Gleichzeitig bleibt ein Teil des Kapitals investiert und kann weiter Rendite erwirtschaften.
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Inhaltsverzeichnis

Die häufigsten Gründe für den ETF-Verkauf

Es gibt eine Vielzahl an Gründen für einen Verkauf von ETFs. Beispielsweise kann das eigene Sparziel für die Altersvorsorge oder die Ausbildung der Kinder erreicht worden sein. Wenn das Kapital in diesem Fall gebraucht wird, hat das Investment seinen Zweck erfüllt und dem Verkauf steht nichts im Wege. 

Ein weiterer Grund kann auch das ETF-Rebalancing sein, bei dem die gewünschte Gewichtung des Portfolios wiederhergestellt wird. Ein solches Rebalancing findet im besten Fall in jährlichen Intervallen statt. Aber auch die Schließung oder Zusammenführung zweier ETFs kann einen Verkaufsgrund darstellen. Wird Ihr gehaltener ETF in einen anderen ETF überführt, gleicht dies einem Verkauf, weshalb Steuern auf die Gewinne anfallen. Ein Verkauf einiger ETF-Anteile kann dann dazu genutzt werden, die Steuern zu decken. 

Weitere Gründe für den ETF-Verkauf sind folgende: 

  • Gewinnmitnahme
  • Stop-Loss, um weitere Verluste zu minimieren
  • Umschichtung in andere Investmentklassen
  • Liquiditätsbedarf

Dabei gilt es, den Unterschied zwischen emotionalem und strategischem Verkaufen klar zu trennen. Während ein emotionaler Verkauf häufig impulsiv auf kurzfristige Kursschwankungen oder negative Schlagzeilen reagiert und langfristig oft zu Renditeeinbußen führt, basiert der strategische Verkauf auf klar definierten Zielen, festen Regeln und einer durchdachten Planung.

ETF verkaufen oder halten?

Die Entscheidung für oder gegen den Verkauf von ETF-Anteilen sollte gut überlegt sein. Kurzfristige Kursschwankungen sind beispielsweise kein Verkaufsgrund, da der Verlust erst beim Verkauf real wird. Zudem gehören kleinere Kursschwankungen zum Alltag. 

Ob Sie Ihren ETF verkaufen oder halten, liegt an Ihren Anlagezielen. Haben Sie diese bereits erreicht, können Sie ETF-Anteile verkaufen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Haben Sie Ihre Ziele noch nicht erreicht, sollten Sie sich fragen, ob ein Verkauf tatsächlich die richtige Entscheidung ist. 

Zwar lautet die Grundregel, dass Sie nur Geld in ETFs investieren sollten, das langfristig nicht benötigt wird, jedoch kann eine Änderung der Lebenssituation durchaus zu einem kurzzeitig erhöhten Kapitalbedarf führen. In einem solchen Fall kann ein Teilverkauf sinnvoller sein, als ein Komplettausstieg. 

So funktioniert der ETF-Verkauf Schritt-für-Schritt

Falls Sie darüber nachdenken, ETFs zu verkaufen, sind Sie vermutlich bereits Kunde bei einem Broker und wissen, wie Sie ETFs kaufen. Der Verkauf von ETFs funktioniert ähnlich. Wir führen Sie nun Schritt-für-Schritt durch den Prozess:

Login

Sie loggen sich in Ihr Depot ein und wählen den ETF aus, den Sie verkaufen wollen. 

ETF auswählen

Sobald Sie den jeweiligen ETF aufgerufen haben, werden Sie dort die Option für den Verkauf finden.

Anzahl oder Summe auswählen

Wählen Sie entweder den Betrag oder die ETF-Anteile aus, die verkauft werden sollen. 

Prüfung

Prüfen Sie die Verkaufsorder genau und bestätigen Sie diese.

Der Verkauf wird nur während der Handelszeiten durchgeführt. Möchten Sie den Verkauf außerhalb der Handelszeiten durchführen, werden Sie gebeten, einen Kurswert anzugeben, zu welchem Sie bereit sind, die Anteile zu verkaufen. Ist der Kurswert bei Eröffnung des Marktes innerhalb Ihrer Spanne, wird der Verkauf automatisch durchgeführt. 

Wann ist der beste Moment für den ETF-Verkauf?

Der Moment für den ETF-Verkauf spielt eine besonders wichtige Rolle und nimmt einen direkten Einfluss auf den Kurs. Die besten Handelszeiten sind wochentags zwischen 9:00 und 17:30 Uhr, wenn die Xetra geöffnet ist. In diesem Zeitfenster sind die Kurse an allen Handelsplätzen am engsten beieinander, wodurch der Spread minimiert wird. Beim Spread handelt es sich um die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs.

Orders außerhalb der Handelszeiten werden erst am nächsten Börsenhandelstag ausgeführt und können schlechtere Kurse bedeuten. Zudem spielt das Timing in Bezug auf den Sparerpauschbetrag ebenfalls eine wichtige Rolle. Ist der Sparerpauschbetrag von 1.000 € vor Jahresende noch nicht ausgereizt, können steuerfreie Verkäufe getätigt werden, um Gewinne zu realisieren. 

Wichtig: Zwar gibt es gute Zeitpunkte für den Verkauf von ETFs, was nicht gleichzeitig bedeutet, dass der Kauf von ETFs getimed werden sollte. Selbst Börsen-Profis wie Warren Buffett sind sich einig, dass Zeit im Markt das Timing des Marktes schlägt. 

Diese Kosten fallen beim Verkaufen von ETFs wirklich an

Für den Verkauf von ETFs fallen unterschiedliche Arten von Gebühren an. Zum einen können Ordergebühren vom Depotanbieter erhoben werden. Die zweite Kostenkomponente ist wie beim Kauf von ETFs der Spread. Bei sehr großen und liquiden ETFs ist der Spread oftmals eher gering, während er bei Branchen-ETFs höher ausfällt.  

Tipps, um Kosten zu minimieren:

  • Neobroker nutzen: Anbieter wie Scalable Capital erheben keine oder sehr geringe Ordergebühren, was besonders bei Teilverkäufen den Unterschied macht.
  • Nur während der Xetra-Handelszeiten verkaufen: Zwischen 9:00 und 17:30 Uhr sind die Spreads am geringsten, da das Handelsvolumen am höchsten ist.
  • Große und liquide ETFs bevorzugen: ETFs mit hohem Handelsvolumen, wie dem MSCI World SRI, haben in der Regel sehr enge Spreads.
  • Zu viele Teilverkäufe vermeiden: Häufige kleine Verkäufe summieren die Ordergebühren. Das Bündeln der Verkäufe minimiert die Ordergebühren. 
  • Limit Order setzen: So vermeiden Sie, zu einem ungünstigen Kurs zu verkaufen und haben mehr Kontrolle über den tatsächlichen Verkaufspreis.

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Das müssen Sie rund um Steuern beim ETF-Verkauf wissen

Zusätzlich zu den reinen Gebühren, fallen beim ETF-Verkauf Steuern an, die auf den Kapitalertrag erhoben werden. Dabei gilt es zu wissen, dass die Steuern nicht auf den Verkaufspreis, sondern lediglich auf den Gewinn anfallen. Der Steuersatz setzt sich aus der Abgeltungssteuer von 25 %, dem Solidaritätszuschlag von 5,5 % sowie gegebenenfalls der Kirchensteuer von 8 und 9 % (je nach Bundesland) zusammen. Die Gesamtbelastung beträgt damit zwischen 26,375 und 28 %.

Bevor Sie ETFs verkaufen, sollten Sie unbedingt den Freistellungsauftrag bei Ihrem Depot hinterlegen, um so vom Sparerpauschbetrag von 1.000 € zu profitieren. Für zusammen veranlagte Ehepaare beträgt der Pauschbetrag 2.000 €. Dadurch stellen Sie sicher, dass die Steuerbelastung bis zu diesem Betrag reduziert wird. Auch deswegen ist ein Teilverkauf einem Komplettverkauf vorzuziehen, da Sie jährlich von dem Sparerpauschbetrag Gebrauch machen können. 

Hinweis: Haben Sie in thesaurierende ETFs investiert, haben wir während der Phase der Geldanlage bereits die Vorabpauschale gezahlt. Diese wird beim Verkauf angerechnet, sodass keine Doppelbesteuerung stattfindet. 

Die Steuern werden automatisch von der Depotbank abgezogen, sodass Sie sich nicht aktiv darum kümmern müssen. Es entsteht kein manueller Mehraufwand, sofern Sie den Freistellungsauftrag eingerichtet haben. Ist der Freistellungsauftrag nicht hinterlegt, kann die zu viel gezahlte Steuer über die Steuererklärung zurückerstattet werden. 

Das FIFO-Prinzip beim ETF-Verkauf – und wie es Ihre Steuerlast beeinflusst

FIFO steht für „First In, First Out“ und bedeutet, dass immer die ältesten Anteile Ihres Portfolios zuerst verkauft werden. Es spielt keine Rolle, wann Sie diese tatsächlich erworben haben. Das kann steuerlich nachteilig sein. Ältere Wertpapiere wurden oft zu deutlich niedrigeren Kursen gekauft, wodurch der realisierte Gewinn und damit die Steuerlast entsprechend höher ausfällt.

Für ETF-Sparplaner:innen gibt es einen praktischen Ausweg. Das Aufteilen des ETF-Sparplans auf zwei ähnliche, aber unterschiedliche ETFs erzeugt zwei separate FIFO-Reihenfolgen. Möchten Sie neuere Anteile verkaufen, verkaufen Sie einfach aus dem ETF, den Sie später bespart haben. Mit dieser Herangehensweise lassen sich ältere, günstig gekaufte Anteile im Portfolio belassen und die Steuerlast beim Verkauf gezielt reduzieren.

ETF-Entnahmeplan als Alternative zum einmaligen Verkauf

Der ETF-Verkauf muss nicht in gesamter Höhe stattfinden, sondern kann auch mithilfe eines ETF-Entnahmeplans strategisch gestaltet werden. Hier handelt es sich um einen automatisierten Teilverkauf über einen definierten Zeitraum. 

Der große Vorteil dieser ETF-Strategie ist, dass das Restkapital weiterhin investiert bleibt und der Zinseszins weiterarbeiten kann. Zudem wird die steuerliche Last gestreckt, da diese nicht auf den gesamten Gewinn auf einmal anfällt. 

Wenn Sie also nicht die gesamte Summe auf einmal benötigen, empfiehlt sich ein durchdachter Entnahmeplan. Gerade beim Renteneintritt hat sich diese Strategie bewährt, um die Rente privat aufzubessern. 

Berechnen Sie Ihren persönlichen Entnahmeplan

Tätigen Sie Angaben zu Ihrem Startkapital, der gewünschten Laufzeit und der erwarteten Rendite, um einen individuellen Entnahmeplan zu erstellen. Ermitteln Sie so die optimale monatliche Auszahlung. 

Ein Taschenrechner mit Münzen, einer Lupe und einem Display mit der Anzeige „Angebot mit -17% gefunden“. Neben dem Rechner befinden sich zwei funkelnde Symbole, die auf einen Wert oder eine Ersparnis hinweisen.

Fazit: ETF-Anteile mit Strategie verkaufen

Der Verkauf von ETF-Anteilen sollte nie spontan erfolgen, sondern Teil einer klaren Strategie sein. Entscheidend sind Ihre Ziele, der richtige Verkaufszeitpunkt, die Handelskosten und die steuerlichen Folgen. Teilverkäufe können sinnvoll sein, wenn Sie Liquidität benötigen oder den Sparerpauschbetrag gezielt nutzen möchten. Auch ein ETF-Entnahmeplan kann eine gute Alternative zum vollständigen Ausstieg sein, weil investiertes Kapital weiter für Sie arbeitet. Prüfen Sie vor jedem Verkauf Spread, Ordergebühren, Freistellungsauftrag und die Auswirkungen des FIFO-Prinzips. Dadurch vermeiden Sie unnötige Kosten, senken die Steuerlast und stellen sicher, dass Ihr ETF-Verkauf zu Ihrer persönlichen Finanzplanung passt.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist der beste Zeitpunkt, um ETFs zu verkaufen?

Am günstigsten ist der Verkauf in der Regel während der Xetra-Handelszeiten zwischen 9:00 und 17:30 Uhr. Dann sind die Spreads meist enger und die Preisunterschiede zwischen den Handelsplätzen kleiner. Für die langfristige Entscheidung zählt jedoch nicht nur der Tageszeitpunkt, sondern vor allem, ob der Verkauf zu Ihrem Anlageziel passt.

Welche Steuern fallen beim ETF-Verkauf an?

Versteuert wird nur der Gewinn, nicht der gesamte Verkaufserlös. In Deutschland fällt auf Kapitalerträge die Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an. Mit einem hinterlegten Freistellungsauftrag können Sie den Sparerpauschbetrag nutzen und damit einen Teil Ihrer Gewinne steuerfrei realisieren.

Ist ein Teilverkauf sinnvoller als ein Komplettverkauf?

In vielen Fällen ja. Ein Teilverkauf bietet mehr Flexibilität, wenn Sie nur einen bestimmten Betrag benötigen. Gleichzeitig bleibt ein Teil Ihres Kapitals weiter investiert. Zudem kann ein gestaffelter Verkauf helfen, den Sparerpauschbetrag besser auszunutzen und die steuerliche Belastung auf mehrere Jahre zu verteilen.

Was bedeutet das FIFO-Prinzip beim ETF-Verkauf?

FIFO steht für First In, First Out. Das bedeutet, dass steuerlich zuerst die ältesten ETF-Anteile als verkauft gelten. Da diese oft zu günstigeren Kursen gekauft wurden, kann der steuerpflichtige Gewinn höher ausfallen. Gerade bei langfristigen Sparplänen sollten Sie diesen Effekt kennen und den Verkauf entsprechend planen.

Lars Hartog
Lars Hartog hat Betriebswirtschaftslehre studiert und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Wirtschaft, Nachhaltigkeit und Geldanlage. In verschiedenen Unternehmen hat er Projekte kennengelernt, die auf erneuerbare Energien und faire, transparente Wertschöpfung setzen. Besonderes Interesse hat er an langfristigen Investments mit Schwerpunkt auf grünen ETFs und verantwortungsvollen Strategien. Bei Erneuerbare Energien Aktuell bringt er diese Expertise ein und zeigt auf, wie sich Rendite und Nachhaltigkeit sinnvoll miteinander verbinden lassen.

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