Bastian Elsner ist Geschäftsführer von Elsner Elektronik, einem Familienunternehmen, das seit Jahrzehnten Komponenten für Gebäudeautomation und intelligentes Energiemanagement entwickelt. Im Interview sprechen wir darüber, wie smarte Gebäudetechnik hilft, Energie zu sparen, Komfort zu erhöhen und Gebäude fit für die Energiewende zu machen. Im Fokus stehen reale Anwendungsfälle, Grenzen der Technik und die Frage, was Nutzer:innen wirklich brauchen.
EEAktuell: Herr Elsner, Elsner Elektronik beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Gebäudeautomation. Wie hat sich das Verständnis von „smartem Gebäude“ in dieser Zeit verändert?
Bastian Elsner: Früher wurde ein smartes Gebäude oft über einzelne Funktionen definiert. Rollläden fahren automatisch, das Licht reagiert auf Bewegung, vielleicht gibt es noch eine App. Heute hat sich der Blick deutlich verschoben. Ein Gebäude gilt nicht mehr als smart, weil es viele Funktionen hat, sondern weil es Zusammenhänge versteht. Es geht darum, Sensorik, Energieflüsse und Nutzerverhalten sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Ein wirklich smartes Gebäude reagiert nicht nur, es denkt mit. Und vor allem arbeitet es dauerhaft effizient, auch dann, wenn niemand aktiv eingreift.
EEAktuell: Viele Menschen verbinden smarte Technik vor allem mit Komfortfunktionen. Welche Rolle spielt Energiemanagement heute tatsächlich im Gebäudebereich?
Bastian Elsner: Komfort war lange der Einstieg, aber Energiemanagement ist heute der eigentliche Kern. Gebäude sind einer der größten Energieverbraucher überhaupt. Wenn wir über Energiewende sprechen, kommen wir an Gebäuden nicht vorbei. Smarte Technik sorgt dafür, dass Energie nicht pauschal, sondern bedarfsgerecht eingesetzt wird. Heizung, Kühlung, Lüftung und Verschattung arbeiten nur dann, wenn es wirklich nötig ist. Das spart Energie, senkt Kosten und erhöht gleichzeitig den Komfort. Beides schließt sich nicht aus, im Gegenteil, es bedingt sich.
EEAktuell: Wo liegen aus Ihrer Erfahrung die größten Energieverluste in Wohn- und Zweckgebäuden, die sich technisch vergleichsweise einfach vermeiden lassen?
Bastian Elsner: Sehr häufig entstehen Energieverluste durch fehlende oder falsch genutzte Informationen. Räume werden beheizt, obwohl niemand anwesend ist. Beschattung reagiert nicht auf Sonneneinstrahlung. Lüftung läuft unabhängig von Luftqualität oder Nutzung. Technisch sind das keine komplexen Probleme. Oft fehlen schlicht geeignete Sensoren oder eine saubere Verknüpfung der Daten. Sobald ein Gebäude weiß, ob ein Raum genutzt wird, wie warm es ist oder wie hoch die CO₂-Konzentration ist, lassen sich viele dieser Verluste mit überschaubarem Aufwand vermeiden.
EEAktuell: Sie entwickeln Sensorik und Steuerungslösungen. Welche Messdaten sind für ein sinnvolles Energiemanagement entscheidend und welche werden häufig überschätzt?
Bastian Elsner: Entscheidend sind Messwerte, die direkt mit Nutzung und Energiebedarf zusammenhängen. Temperatur, Anwesenheit, Luftqualität, Sonneneinstrahlung oder auch Feuchte liefern eine sehr solide Basis. Diese Daten sind verlässlich und gut interpretierbar. Überschätzt werden dagegen oft sehr komplexe oder stark aggregierte Werte, bei denen nicht mehr klar ist, wie sie zustande kommen. Wenn niemand versteht, warum ein System entscheidet, wird es im Zweifel abgeschaltet. Transparenz ist für Akzeptanz mindestens genauso wichtig wie technische Präzision.
EEAktuell: Viele Haushalte investieren in Photovoltaik, Wärmepumpen oder Speicher. Welche Rolle spielt Gebäudeautomation dabei, damit diese Technologien ihr Potenzial ausschöpfen können?
Bastian Elsner: Diese Technologien funktionieren isoliert nicht optimal. Ihr volles Potenzial entfalten sie erst im Zusammenspiel. Gebäudeautomation sorgt dafür, dass Strom dann genutzt wird, wenn er verfügbar ist, und Wärme dann erzeugt wird, wenn sie sinnvoll gespeichert oder verteilt werden kann. Eine Wärmepumpe profitiert enorm davon, wenn sie mit PV-Ertrag, Wetterdaten und Gebäudeträgheit abgestimmt arbeitet. Ohne intelligente Steuerung bleiben viele dieser Systeme technisch hochwertig, aber energetisch unter ihren Möglichkeiten.
EEAktuell: Energiemanagement wird oft als Thema für Neubauten gesehen. Welche Möglichkeiten gibt es realistisch für Bestandsgebäude?
Bastian Elsner: Bestandsgebäude bieten mehr Möglichkeiten, als oft angenommen wird. Niemand muss alles neu bauen oder komplett umbauen. Viele Lösungen lassen sich schrittweise integrieren, zum Beispiel über nachrüstbare Sensorik oder modulare Steuerungskonzepte. Wichtig ist ein realistischer Ansatz. Nicht jedes Gebäude braucht maximale Automatisierung. Aber fast jedes Gebäude profitiert davon, zumindest die größten Energieverbraucher intelligent zu steuern. Gerade im Bestand liegt enormes Einsparpotenzial, wenn man pragmatisch vorgeht.
EEAktuell: Wenn Sie einen Blick in die nächsten fünf bis zehn Jahre werfen. Welche Entwicklungen im Energiemanagement von Gebäuden werden aus Ihrer Sicht entscheidend?
Bastian Elsner: Entscheidend wird sein, wie gut Gebäude in übergeordnete Energiesysteme eingebunden werden. Flexibilität wird wichtiger als reine Effizienz. Gebäude werden künftig stärker auf Netzsituationen reagieren, Lasten verschieben und Energie speichern oder abgeben. Gleichzeitig wird die Frage der Offenheit immer relevanter. Systeme müssen herstellerunabhängig zusammenarbeiten können, sonst bremsen sie Innovation. Technisch ist vieles möglich, die Herausforderung liegt in Standards, Schnittstellen und langfristiger Nutzbarkeit.
EEAktuell: Zum Abschluss. Welchen ersten Schritt würden Sie Eigentümer:innen empfehlen, die ihr Gebäude energetisch smarter machen möchten, ohne gleich alles neu zu bauen?
Bastian Elsner: Der wichtigste erste Schritt ist, das eigene Gebäude zu verstehen. Wer weiß, wo Energie verbraucht wird und warum, trifft bessere Entscheidungen. Das beginnt oft mit überschaubarer Sensorik und einer einfachen Visualisierung. Darauf lässt sich aufbauen. Smarte Gebäudetechnik ist kein Projekt, das man einmal abschließt. Sie ist ein Prozess. Wer klein anfängt, aber strukturiert denkt, erreicht langfristig die größten Effekte.
Fazit
Das Gespräch mit Bastian Elsner rückt smarte Gebäudetechnik weg von Spielereien und hin zu dem, was sie heute leisten muss. Energieflüsse verstehen, Nutzung erkennen und Technik so einsetzen, dass sie im Hintergrund zuverlässig arbeitet. Viele Einsparpotenziale scheitern weniger an fehlender Technik, sondern eher an fehlender Vernetzung und Transparenz. Gebäude, die Daten sinnvoll nutzen und Systeme aufeinander abstimmen, kommen mit weniger Energie aus und bieten gleichzeitig mehr Komfort. Die Energiewende im Gebäudebereich entsteht also durch durchdachte Steuerung und realistische Schritte, gerade im Bestand.