Solar, Speicher und Strompreise – Wie sich der Markt gerade verändert

Ein Interview mit Cornelia Lichner von pv magazine

24. 03. 2026

Cornelia Lichner

  • Redakteurin
  • pv magazine

Cornelia Lichner schreibt seit 2008 für das pv magazine Deutschland und berichtet regelmäßig über eine breite Themenpalette mit Fokus auf innovativen Konzepten zur Sektorenkopplung. Darüber hinaus organisiert sie Webinare und verfasst Podcasts.

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Cornelia Lichner berichtet seit vielen Jahren für pv magazine über Photovoltaik, Energiespeicher und innovative Anwendungen rund um Solarenergie. Sie begleitet Marktbewegungen, technologische Entwicklungen und regulatorische Veränderungen aus journalistischer Distanz. Im Gespräch geht es um aktuelle Trends im Solarmarkt, Preisentwicklungen, Speicherstrategien und die Frage, welche Entscheidungen Endkund:innen heute mit klarem Blick treffen sollten.

EEAktuell: Frau Lichner, Sie beobachten den Solarmarkt seit vielen Jahren aus journalistischer Perspektive. Was hat Sie persönlich an diesem Themenfeld fasziniert und langfristig gebunden?

Cornelia Lichner: Mich haben wissenschaftlich-technische Themen immer am meisten interessiert. Bei einem Photovoltaik-Fachmagazin habe ich mich beworben, weil mir die Energiewende und der Klimaschutz wichtig sind. Was ich an der Branche schätze, ist eine sehr optimistische Grundhaltung, die Aufbruchsstimmung und der Wunsch, etwas zu verändern. Das Innovationstempo ist enorm hoch und man kann oft über Erfolgsgeschichten berichten. Das motiviert mich. Meine anfängliche Befürchtung, dass es vielleicht irgendwann langweilig werden könnte, hat sich nicht bewahrheitet. Auch die Politik hält uns immer auf Trab.

EEAktuell: Der PV-Markt hat zuletzt extreme Schwankungen erlebt. Wie würden Sie die aktuelle Phase einordnen. Stabilisierung, Überkapazitäten oder struktureller Umbruch?

Cornelia Lichner: Das kommt sicherlich darauf an, wohin man schaut. Die Hersteller vor allem aus China haben deutliche Überkapazitäten und liefern sich einen harten Preiskampf. Ich staune oft über das Entwicklungstempo, mit dem sie neue Produkte auf den Markt werfen. Viele europäische Hersteller waren dem nicht gewachsen und mussten aufgeben. Für den Zubau an Erzeugungskapazitäten hier in Deutschland war das gleichzeitig sehr hilfreich, der hat richtig Fahrt aufgenommen. Allerdings kann nun der Netzausbau nicht Schritt halten und die Regulatorik hinkt noch hinterher. Viele gute Ideen, wie man erneuerbaren Strom zwischenspeichert, in Großspeichern, Heimbatterien oder E-Autos und ihn später ins Netz zurückspeist, lassen sich damit leider nicht so einfach umsetzen, wie es nötig wäre.

EEAktuell: Batteriespeicher werden immer häufiger verbaut. Sehen Sie diesen Boom als technisch und wirtschaftlich sinnvoll oder teilweise als emotional getrieben durch Autarkiewünsche?

Cornelia Lichner: Der Boom ist tatsächlich bemerkenswert. Wie schon bei der Photovoltaik sind die Privatkunden vorangegangen und jetzt ziehen die Großanlagen nach. Ich denke, der Trend zum Speicher ist sehr wichtig, weil der Netzumbau noch Zeit braucht. Im Privatbereich war der Speicher früher noch ein Statement: „Wenn ich schon viel Geld in die eigene Energieerzeugung stecke, dann möchte ich auch möglichst viel selbst nutzen und bei Stromausfall nicht im Dunkeln sitzen.“ Darüber sind wir heute hinaus. Fast jede Anlage wird mit einem Speicher ausgestattet, denn die Batterien sind viel günstiger geworden. Das ist sowohl technisch als auch wirtschaftlich sinnvoll. Dadurch wird mehr Strom vor Ort verbraucht und muss nicht durch die Netze geschickt werden. Mit einer guten Steuerung kann die Erzeugungsspitze am Mittag gekappt werden und die Lastspitze am Abend fällt weg. Der Strombezug sinkt oft um 70 oder 80 Prozent.

EEAktuell: Themen wie dynamische Strompreise und intelligente Steuerung gewinnen an Aufmerksamkeit. Ist das aus Ihrer Sicht ein echter Wendepunkt oder noch Zukunftsmusik?

Cornelia Lichner: Das ist der nächste wichtige Schritt. Heute sorgen Solaranlagen dafür, dass Strom mittags fast umsonst zu haben ist, weil sehr viel erzeugt wird. Dafür ist er abends teuer, wenn die Gaskraftwerke anspringen. Das bemerken aber nur die Kunden mit dynamischen Tarifen und nur die können mit einem Batteriespeicher dagegen arbeiten und die teuren Stunden einfach auslassen. Das spart nicht nur Geld, sondern hilft auch dem Klima. Dafür ist ein Energiemanagement, also die intelligente Steuerung notwendig. Die dynamischen Strompreise, die sich aufgrund von Angebot und Nachfrage bilden, geben dem Energiemanager das Signal, wann er laden und entladen sollte. Das ist auch gut für das Gesamtsystem. Wenn ich einen starken Verbraucher besitze wie ein E-Auto und dazu einen Standardtarif, dann spielt es für mich keine Rolle, wann ich lade. Dadurch besteht die Gefahr, dass ich die Nachfrage in teuren Stunden noch verstärke. Inzwischen ist es auch viel einfacher einen Smartmeter zu bekommen, den man für diese Konzepte benötigt.

EEAktuell: Welche typischen Missverständnisse begegnen Ihnen immer wieder in der öffentlichen Debatte über Photovoltaik?

Cornelia Lichner: Die Solarenergie hat insgesamt einen sehr guten Ruf. Fast jeder kann mitmachen, mit einem eigenen Dach, einem Balkon, einem Stück Fassade. In Umfragen ist es regelmäßig die beliebteste Energieform. Früher hieß es noch, dass Solarstrom zu teuer wäre oder in Deutschland zu wenig die Sonne scheint, das hat sich zum Glück erledigt. In der öffentlichen Diskussion wird manchmal der angeblich zu hohe Flächenbedarf auf Kosten der Landwirtschaft thematisiert. Wer sich den absoluten Flächenbedarf mal anschaut, sieht, dass das Quatsch ist. Das Problem ist eher, dass die Nachfrage die Pacht- und Kaufpreise in die Höhe treibt und das ist dann ein wirtschaftliches Problem für die Landwirte. Es gibt auch den Vorwurf, die Prosumer würden sich entsolidarisieren, weil sie Solarstrom ins Netz einspeisen, dadurch Netzausbau verursachen und sich gleichzeitig durch den Eigenverbrauch die Netzgebühren sparen. Ich denke aber, das ist kein Missverständnis, sondern ein Argument, das gezielt eingesetzt wird, um die Betreiber von Solaranlagen zu diskreditieren. Klar sparen sie Geld. Aber doch nur, weil sie selbst investiert haben, in dem Rahmen, der von der Politik vorgegeben wurde und für eine gute Sache, nämlich um den Klimawandel zu stoppen. Anstatt den privaten Zubau nun auszubremsen, sollte die Politik lieber mehr Möglichkeiten zur Teilhabe eröffnen, sei es über Energiegemeinschaften oder Quartierspeicher. Da wird mir manchmal zu sehr an bestehenden Strukturen geflickt, anstatt Dinge neu zu denken.

EEAktuell: Wenn Sie drei Entwicklungen nennen müssten, die Endkund:innen in den nächsten zwei bis drei Jahren besonders im Blick behalten sollten. Welche wären das?

Cornelia Lichner: Das ist zum einen die weltpolitische Lage. Ja, hier rutscht der Klimawandel in der Prioritätenliste immer weiter nach unten. Aber gleichzeitig sind es nicht mehr nur die ökologischen Argumente, die uns zu einer schnellen Energiewende raten. Unsere Sicherheit und unsere Wirtschaftskraft hängen daran, dass wir günstige Energiepreise haben und uns im Notfall auch selbst versorgen können. Endkunden und Kundinnen stehen damit vor der schwierigen Frage, vertrauen wir unserem Stromsystem und elektrifizieren alles – Fahrzeug, Heizung, Industrie oder suchen wir Sicherheit in der alten fossilen Energiewelt? Wer wie ich zur ersten Lösung neigt, muss über Anschaffungen entscheiden und Geld für Wärmepumpe, E-Auto oder PV einplanen, die sich erst längerfristig amortisieren. Leider halten die Kunden in Anbetracht der generell steigenden Preise ihr Geld zusammen. Auf der anderen Seite steigen Gas- und Ölpreise gerade wieder massiv. Hauseigentümer können sich davon unabhängiger machen. Dennoch würde ich raten, nicht auf das billigste Angebot zu setzen, sondern ein Gesamtkonzept mit intelligenter Steuerung im Blick zu behalten, eines, das sich auch später gut erweitern lässt. Beim Energiemanagement hält die künstliche Intelligenz Einzug. Auch Kunden, die sich mit Energiethemen nicht so gut auskennen, können dadurch viel sparen. Hier stehen demnächst regulatorische Änderungen an, die es erlauben werden, mit Strom aus dem Batteriespeicher zu handeln. Das wird auf jeden Fall sehr spannend, selbst wenn, wie jetzt diskutiert wird, die starre EEG-Vergütung entfällt.

EEAktuell: Sie analysieren regelmäßig Markt- und Projektdaten. Was ist die interessanteste oder überraschendste Zahl, die Sie in den letzten Monaten im PV-Markt gesehen haben?

Cornelia Lichner: Interessant und überraschend fand ich persönlich eine Zahl, die ein Gewerbebetrieb in einem Interview geäußert hat. Das energieintensive Unternehmen hatte analysieren lassen, wie sich Energie und Stromkosten einsparen lassen. Dabei stellte sich heraus, dass durch verschiedene Effizienzmaßnahmen, durch den Bau einer Photovoltaik und eines Batteriespeichers sowie durch dynamische Tarife die Hälfte der Kosten gespart werden könnte. Die Hälfte! Die Anschaffungen würden sich innerhalb von drei bis vier Jahren amortisieren. Die Berater waren der Meinung, das wäre nicht mal ungewöhnlich. Es lohnt sich also wirklich, sich mit seiner Energierechnung gründlich zu beschäftigen und zu schauen, was an Alternativen existiert.

EEAktuell: Zum Abschluss: Wenn Sie beobachten, wie sich der Markt entwickelt. Welche Entscheidung bereuen Betreiber:innen Ihrer Erfahrung nach am häufigsten und was kann man daraus lernen?

Cornelia Lichner: Erstaunlicherweise höre ich sehr selten, dass jemand die Anschaffung einer Photovoltaik oder des Speichers im Nachhinein bereut. Selbst Betreiber, die objektiv betrachtet eine unwirtschaftliche Anlage haben oder große technische Probleme, stellen die grundsätzliche Entscheidung nicht mehr infrage. Das größte Problem ist meines Erachtens, wenn Interessenten auf übertriebene Versprechen und Pfusch hereinfallen. Wenn sie übergroße und überteuerte Anlagen kaufen, sich auf Jahre hinaus an einen Anbieter binden oder wenn nach der Installation das Dach undicht ist oder andere Schäden auftreten. Deshalb empfiehlt es sich immer nach Referenzen zu fragen, Angebote zu vergleichen und sich vielleicht auch von einem Solarverein oder der Verbraucherzentrale beraten zu lassen. Suchen Sie nach Qualität, dann müssen Sie hinterher nichts bereuen.

Fazit

Der Solarmarkt wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Einerseits fallen Preise, der Ausbau wächst weiter und Speicher werden zum Standard. Andererseits zeigen Überkapazitäten, Netzausbau und Regulierung, dass sich das System noch im Umbau befindet. Genau darin liegt die aktuelle Phase. Wir entwickeln uns derzeit vom schnellen Wachstum hin zur Integration ins Gesamtsystem.

Für Endkund:innen wird die Entscheidung dadurch nicht einfacher, aber klarer strukturierbar. Photovoltaik allein reicht nicht mehr aus. Man sollte auf das Zusammenspiel aus Erzeugung, Speicherung und intelligenter Steuerung achten. Dynamische Strompreise und Energiemanagement werden dabei zunehmend relevant. Wenn man sich mit seinem Energieverbrauch auseinandersetzt und auf ein durchdachtes Gesamtkonzept setzt, kann man Kosten deutlich senken und sich unabhängiger vom Markt machen.