Wie entlüftet man die Solaranlage?

Ein Arbeiter in Schutzkleidung führt unter blauem Himmel Wartungsarbeiten an einer Solaranlage auf einem Schrägdach durch und stellt dabei sorgfältig ein Ventil ein, das mit schwarzen Rohren und Glasröhren der Solarthermieanlage verbunden ist.
Ihre Solarthermie gluckert, der Ertrag lässt nach oder die Pumpe rauscht auffällig laut? Dann hat sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Luft im Solarkreis gesammelt. Wie Sie diese Luft wieder herausbekommen, zeigen wir Ihnen hier Schritt für Schritt.
Abbildung einer Glühbirne, in der grüne Blätter wachsen, die umweltfreundliche Ideen oder nachhaltige Energie symbolisieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Luft im System senkt den Wirkungsgrad und kann die Kollektoren überhitzen lassen.
  • Entlüftet wird am höchsten Punkt der Anlage sowie an der Solarstation im Technikraum.
  • Arbeiten Sie nur bei kalter Anlage, sonst droht Verbrühung durch heißen Dampf.
  • Nach dem Entlüften prüfen Sie den Anlagendruck und füllen bei Bedarf nach.
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Inhaltsverzeichnis

Warum sammelt sich überhaupt Luft in der Solaranlage?

Eine Solarthermieanlage ist ein geschlossenes System. Trotzdem gelangt mit der Zeit Luft hinein, zum Beispiel beim ersten Befüllen, nach einem Flüssigkeitswechsel oder wenn sich gelöste Gase aus der Solarflüssigkeit lösen. Das passiert ganz normal und ist erstmal kein Grund zur Sorge.

📌 Quick-Tipp: Wir sprechen absichtlich von Solarthermieanlagen. Der Begriff Solaranlage kann sich auch auf PV-Anlagen beziehen. In diesen sammelt sich jedoch keine Luft an, da keine Flüssigkeiten zum Einsatz kommen, wie bei einer Solarthermieanlage.

Problematisch wird es erst, wenn sich die Luftblasen sammeln. Sie stellen sich das am besten wie eine Luftblase in einem Trinkhalm vor. Sobald sie im Weg ist, fließt kaum noch etwas durch. Genauso bricht in der Anlage der Durchfluss ein, die Wärme vom Dach kommt nicht mehr richtig unten am Speicher an und der Ertrag sinkt spürbar.

Bleibt die Luft dauerhaft im System, wird es mit der Zeit teuer. Die Solarpumpe arbeitet gegen die Blasen an und verschleißt schneller. Im schlimmsten Fall überhitzen einzelne Kollektoren, weil die Wärme nicht abtransportiert wird. Das nennt sich Stagnation und setzt der Solarflüssigkeit auf Dauer zu.

Woran erkennen Sie Luft in der Anlage?

Luft im Solarkreis lässt sich meist gut erkennen. Sie müssen dafür kein Profi sein, denn meist meldet sich die Anlage von selbst. Die häufigsten Anzeichen sind:

  • Gluckern oder Rauschen in den Leitungen oder an der Solarstation.
  • Ein sinkender Durchfluss am Durchflussmesser, obwohl die Sonne scheint.
  • Der Ertrag fällt, ohne dass sich am Wetter etwas geändert hat.
  • Die Kollektoren werden ungewöhnlich heiß und gehen öfter in Stagnation.

👉🏼 EEAktuell empfiehlt: Werfen Sie nach jeder Wartung und nach dem Nachfüllen von Solarflüssigkeit einen Blick auf den Durchfluss. So erkennen Sie Luft im System, bevor sie richtig Ertrag kostet.

Schritt für Schritt: So entlüften Sie die Solaranlage

Für die manuelle Entlüftung brauchen Sie nicht viel: einen passenden Schlüssel oder Schraubendreher für das Ventil, ein hitzebeständiges Auffanggefäß und Handschuhe.

1. Anlage abschalten und abkühlen lassen

Schalten Sie zuerst die Solarregelung aus und warten Sie, bis die Anlage abgekühlt ist. Das ist der wichtigste Punkt überhaupt. Bei laufender Anlage kann die Solarflüssigkeit über 100 °C heiß sein und beim Öffnen als Dampf austreten. Am besten arbeiten Sie deshalb früh morgens, bevor die Sonne die Kollektoren aufheizt.

2. Druck und Füllstand kontrollieren

Schauen Sie auf das Manometer an der Solarstation. Notieren Sie sich den Wert. Ist der Druck stark abgefallen, steckt oft mehr dahinter als nur Luft, etwa ein Leck oder ein defektes Ausdehnungsgefäß. In dem Fall sollten Sie erst die Ursache klären, bevor Sie weitermachen.

3. Entlüftungsventil öffnen

Setzen Sie am Entlüftungsventil an. Es sitzt am höchsten Punkt der Anlage, also meist am Kollektorfeld auf dem Dach, oder als Luftabscheider direkt an der Solarstation. Öffnen Sie das Ventil vorsichtig und halten Sie das Auffanggefäß darunter. Zuerst zischt Luft heraus, danach kommt Flüssigkeit. Sobald ein gleichmäßiger Strahl ohne Blasen läuft, ist die Luft raus und Sie schließen das Ventil wieder.

📌 Quick-Tipp: Viele Anlagen haben einen automatischen Entlüfter am Dach. Der wird nach der Einfahrphase oft abgesperrt, damit keine Solarflüssigkeit entweicht. Prüfen Sie, ob das Absperrventil für die Entlüftung geöffnet ist.

4. Druck nachfüllen

Durch das Entlüften sinkt der Druck. Füllen Sie jetzt mit der passenden Solarflüssigkeit nach, bis der vorgeschriebene Betriebsdruck wieder erreicht ist. Nutzen Sie dafür eine Füllpumpe und niemals einfach Wasser, denn die Flüssigkeit enthält Frostschutzmittel, das die Solarthermie im Winter schützt.

5. Nachentlüften und testen

In den nächsten Tagen sammelt sich oft noch etwas Restluft. Entlüften Sie deshalb im kalten Zustand noch einmal kurz nach. Schalten Sie danach die Regelung wieder ein und prüfen Sie Durchfluss, Temperatur und Geräusche. Läuft alles ruhig, war die Entlüftung erfolgreich.

Wie hoch muss der Druck in der Solaranlage sein?

Der richtige Druck hängt von der Höhe Ihres Gebäudes ab. Als Faustregel gilt: Der Betriebsdruck sollte mindestens 1 bar über der statischen Höhe liegen. Bei einem normalen Einfamilienhaus landen Sie damit meist bei einem Betriebsdruck von 2 bis 3 bar im kalten Zustand.

Wichtig ist auch das Ausdehnungsgefäß. Sein Vordruck liegt bei vielen Ein- und Zweifamilienhäusern bei rund 2,5 bar. Stimmt dieser Wert nicht, schwankt der Druck stark und die Anlage zieht immer wieder Luft. Die genauen Werte für Ihre Anlage finden Sie in der Planungs- oder Bedienungsanleitung des Herstellers.

Selber machen oder lieber den Fachbetrieb rufen?

Ein Ventil kurz öffnen und nachentlüften, das trauen sich viele selbst zu. Und das ist auch in Ordnung, solange Sie Ihre Anlage kennen und die Gefahr durch heißen Dampf ernst nehmen. Ein sicherer Dachzugang gehört ebenso dazu.

Sobald es aber um Spülen, Neubefüllen oder einen Flüssigkeitswechsel geht, wird ein Fachbetrieb sinnvoll. Dafür braucht es eine Füllstation, das richtige Frostschutzgemisch und etwas Erfahrung mit dem Druck. Auch bei ständigem Druckverlust oder häufiger Stagnation sollten Sie einen Profi ranlassen. Das Gebäudeenergiegesetz verpflichtet Betreiber:innen sogar dazu, wirkungsgradrelevante Bauteile regelmäßig warten zu lassen.

👉🏼 EEAktuell empfiehlt: Lassen Sie Ihre Solarthermie einmal im Jahr fachlich prüfen, größere Wartungen etwa alle 3 bis 5 Jahre. Viele Hersteller koppeln ihre Garantie an eine regelmäßige Wartung, das lohnt sich also gleich doppelt.

Fazit

Luft im Solarkreis kostet Ertrag und kann teure Schäden verursachen, lässt sich mit etwas Vorsicht aber gut selbst beheben. Wichtig sind eine kalte Anlage, das Entlüften am höchsten Punkt und der richtige Druck danach. Bei größeren Arbeiten holen Sie sich lieber einen Fachbetrieb dazu.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich meine Solaranlage auch ohne Dachzugang entlüften?

Oft ja, denn viele Anlagen haben einen Luftabscheider an der Solarstation im Technikraum, über den sich ein Großteil der Luft bequem im Haus entfernen lässt. Sitzt die Luft hartnäckig im Kollektorfeld, führt am Ventil auf dem Dach allerdings kein Weg vorbei.

Wie lange dauert das Entlüften einer Solaranlage?

Das reine Öffnen des Ventils dauert nur wenige Minuten. Rechnen Sie mit dem Abkühlen, dem Nachfüllen und einer Kontrolle aber lieber eine bis zwei Stunden ein. Das Nachentlüften in den Folgetagen kommt noch dazu.

Was passiert, wenn ich die Solaranlage nie entlüfte?

Bleibt die Luft im System, sinkt der Ertrag dauerhaft und die Pumpe verschleißt schneller. Langfristig drohen Überhitzung und Korrosion, was die Lebensdauer der Anlage deutlich verkürzt.

Welche Flüssigkeit gehört in die Solaranlage?

In den Solarkreis kommt eine spezielle Wärmeträgerflüssigkeit aus Wasser und Frostschutzmittel. Füllen Sie niemals reines Wasser nach, sonst fehlt der Frostschutz und die Leitungen können im Winter platzen.

Richard Roth
Richard Roth vereint seine Leidenschaft als Autor mit einer tiefen Begeisterung für die Natur und der Verwendung erneuerbarer Energien. Engagiert in Projekten zur Förderung von Nachhaltigkeit im Alltag, fokussiert er sich besonders auf die Anwendung erneuerbarer Energien in privaten Haushalten. Dabei möchte er besondere Aufmerksamkeit im Bereich der nachhaltigen Investment-Möglichkeiten schaffen und mehr Menschen dazu motivieren Rentabilität mit einem umweltbewussten Lebensstil zu vereinen.

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