Zwischen Erdgas und Wasserstoff: Welche Zukunft haben Blockheizkraftwerke?

Ein Interview mit Stefan Liesner von 2G Energy AG
Ein großer grüner Industriegenerator mit der Aufschrift „Jenbacher“, der Teil einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage ist, steht in einer Fabrikumgebung mit freiliegenden Rohrleitungen und Schalttafeln. Zwei Arbeiter in Schutzkleidung unterstreichen den Fokus auf nachhaltige Energie.

Im Interview mit

Stefan Liesner

Leitung Politik & Marketing

2G Energy AG

Stefan Liesner verantwortet seit 2020 Politik & Marketing bei der 2G Energy AG, einem der führenden Hersteller von Blockheizkraftwerken. Als Vizepräsident des Bundesverbands Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) und Vorstandsmitglied beim Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) gestaltet er die energiepolitische Debatte aktiv mit.

Im Interview mit

Stefan Liesner

Leitung Politik & Marketing

2G Energy AG

Stefan Liesner verantwortet seit 2020 Politik & Marketing bei der 2G Energy AG, einem der führenden Hersteller von Blockheizkraftwerken. Als Vizepräsident des Bundesverbands Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) und Vorstandsmitglied beim Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) gestaltet er die energiepolitische Debatte aktiv mit.

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Blockheizkraftwerke und Kraft-Wärme-Kopplung gelten als effizient, stehen gleichzeitig aber in der Kritik, weil sie häufig noch mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Stefan Liesner von der 2G Energy AG beschäftigt sich seit Jahren mit genau diesen Systemen. Im Gespräch geht es darum, unter welchen Bedingungen KWK tatsächlich nachhaltig sein kann, welche Rolle Wasserstoff und alternative Gase spielen und wie sich die Technologie in ein zukünftiges Energiesystem einfügt.

Herr Liesner, Blockheizkraftwerke gelten als besonders effizient, stehen gleichzeitig aber auch in der Kritik, weil sie oft mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Wie nehmen Sie diese Diskussion aktuell wahr?

Sprecher

Wenn ein Blockheizkraftwerk dauerhaft mit fossilem Erdgas betrieben wird und dabei keine Perspektive zur Dekarbonisierung hat, dann kann das sicherlich nicht das Zielbild eines klimaneutralen Energiesystems sein.

Was in der Diskussion aber häufig zu kurz kommt, ist die Unterscheidung zwischen Technologie und Brennstoff sowie die Rolle im Gesamtsystem. Kraft-Wärme-Kopplung ist zunächst eine sehr effiziente Form der Energieumwandlung. Während bei getrennter Strom- und Wärmeerzeugung erhebliche Verluste entstehen, erreichen KWK Anlagen sehr hohe Gesamtnutzungsgrade.

Entscheidend ist daher nicht allein die heutige Brennstoffbasis, sondern die Systemfunktion: KWK kann flexibel genau dann Leistung bereitstellen, wenn Wind- und Solarenergie nicht ausreichend verfügbar sind. In dieser Rolle ist sie ein wichtiger Baustein eines erneuerbaren Gesamtsystems.

Sprecher

Wenn wir die Frage zuspitzen: Unter welchen Bedingungen ist Kraft-Wärme-Kopplung aus Ihrer Sicht wirklich nachhaltig?

Sprecher

Nachhaltigkeit entsteht in der KWK durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Zunächst ist die Effizienz ein technischer Vorteil, der der KWK grundsätzlich innewohnt. Entscheidend sind jedoch zwei weitere Aspekte: der eingesetzte Brennstoff und die Betriebsweise. Nachhaltig wird KWK dann, wenn erneuerbare oder klimaneutrale Gase wie Biomethan, Biogas oder perspektivisch Wasserstoff eingesetzt werden. Ebenso wichtig ist die Einbindung in ein flexibles Energiesystem. KWK-Anlagen werden in zunehmendem Maße nicht mehr als Grundlasttechnologie betrieben, sondern als flexible, systemdienliche Kapazität. Das bedeutet: Sie erzeugen Strom und Wärme genau dann, wenn das Energiesystem sie benötigt (insbesondere in Zeiten geringer erneuerbarer Einspeisung). Nachhaltigkeit heißt hier also nicht nur Emissionsarmut, sondern auch Systemstabilität.

Sprecher

Sie haben es angesprochen. Der Brennstoff spielt eine zentrale Rolle. Welche Alternativen zu Erdgas sind heute realistisch einsetzbar?

Sprecher

Es gibt heute bereits mehrere praxiserprobte Alternativen. Biomethan und Biogas sind seit vielen Jahren im Einsatz und insbesondere in Landwirtschaft, Abfallwirtschaft und kommunalen Strukturen etabliert. Und auch wenn der Wasserstoffhochlauf weniger dynamisch verläuft, als wir es uns alle wünschen, wird die Bedeutung perspektivisch stark wachsen. Wir beweisen seit vielen Jahren erfolgreich, dass stationäre Motoren problemlos Wasserstoff aus unterschiedlichsten verarbeiten können. Rund um den Globus werden schon heute Anlagen aus deutscher Herkunft erfolgreich betrieben. Die Herausforderung liegt daher weniger in der Technik als in der Verfügbarkeit und Infrastruktur. Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass wir erneuerbare Energieträger dort einsetzen, wo sie den größten systemischen Nutzen entfalten.

Sprecher

Wie verändert sich die Wirtschaftlichkeit von Blockheizkraftwerken, wenn man stärker in Richtung grüner Gase denkt?

Sprecher

Kurzfristig sind grüne Gase in der Regel teurer als fossiles Erdgas. Das ist eine Realität, die man nicht ignorieren kann. Gleichzeitig greift eine reine Brennstoffkostenbetrachtung zu kurz. Wir müssen stärker die Gesamtsystemkosten betrachten. Dazu gehören CO₂-Kosten, die zunehmend auf fossile Energien wirken, ebenso wie die Systemdienlichkeit flexibler Anlagen. KWK kann wirtschaftlich besonders attraktiv sein, wenn sie dann Strom liefert, wenn die Preise hoch sind, und gleichzeitig Wärme bereitstellt. Langfristig wird die Fähigkeit, erneuerbare Gase zu nutzen, zunehmend zu einem wirtschaftlichen Vorteil, weil fossile Alternativen strukturell teurer werden.

Sprecher

Viele Kritiker:innen sagen, KWK verlängert die Nutzung fossiler Energien. Ist das eine berechtigte Sorge oder greift diese Sicht zu kurz?

Sprecher

Die Sorge greift definitiv zu kurz, da sie nicht zwischen kurzfristiger Realität und langfristiger Perspektive unterscheidet. Die eigentliche Herausforderung der Energiewende ist nicht die Frage, ob wir weniger fossile Energien brauchen – das ist unstrittig –, sondern wie wir Versorgungssicherheit während der Transformation gewährleisten und gleichzeitig die Energiekosten in einem sozialverträglichen wie wettbewerbsfähigen Rahmen halten. Ein Scheitern dieses Vorhabens birgt enorme Gefahren für die gesellschaftliche und politische Stabilität in Deutschland.

Die zentrale Frage ist daher: wie können wir das in den kommenden Jahren weiterhin benötigte fossile Gas möglichst effizient und infrastrukturell am sinnvollsten nutzen. Da nimmt die KWK sicherlich eine Vorreiterrolle ein, da sie Flexibilität und Effizienz wie keine zweite Technologie miteinander verbindet. Was hier wichtig zu betonen ist: abseits der bereits erwähnten unmittelbaren H2- bzw. Biogasnutzbarkeit können auch aktuell mit fossilem Erdgas betriebene BHKW zu einem späteren Zeitpunkt für den Betrieb mit grünen Gasen umgerüstet werden. Die Angst vor einem fossilen Lock-In ist daher definitiv unbegründet.

Sprecher

Wie müssen KWK-Anlagen künftig in Energiesysteme integriert werden, damit sie optimal mit erneuerbaren Energien zusammenarbeiten?

Sprecher

Die Zukunft liegt klar in vernetzten, hybriden Energiesystemen. KWK wird dabei Teil eines Gesamtsystems aus Photovoltaik, Windenergie, Wärmepumpen, Speichern und intelligentem Energiemanagement. Jede Technologie übernimmt eine spezifische Funktion: erneuerbare Erzeugung liefert günstigen Strom bei Verfügbarkeit, Wärmepumpen nutzen diesen effizient, Speicher verschieben Energie zeitlich, und KWK liefert flexible Leistung in Engpasssituationen. Entscheidend ist die intelligente Orchestrierung dieser Komponenten. Nicht die einzelne Technologie steht im Mittelpunkt, sondern ihr Zusammenspiel. Gerade deswegen ist es so wichtig, dass die aktuell in Diskussion befindlichen Gesetzesvorhaben – egal ob EEG, StromVKG, GModG oder KWKG – sinnvoll aufeinander abgestimmt sind.

Sprecher

Unsere Leser:innen beschäftigen sich oft mit Photovoltaik, Wärmepumpen und Energiemanagement im eigenen Haushalt. Was können sie aus der Diskussion rund um KWK für ihr eigenes Energiesystem mitnehmen?

Sprecher

Die zentrale Erkenntnis ist, dass Energiesysteme selten durch eine einzelne Technologie optimal werden. Es geht immer um Kombination und intelligente Steuerung. Im privaten Eigenheimsektor werden Photovoltaik und Wärmepumpe in Kombination mit Elektromobilität und Heimspeichern in vielen Fällen die zentrale Rolle spielen. Mit den gleichen Themen setzen sich auch Vermieter auseinander. Egal ob privat oder große Immobilienfirmen: die Attraktivität eines Mietobjekts erhöht sich mit smarten Energielösungen. Bei vorhandener bzw. geplanter Fernwärme profitieren angeschlossene Haushalte oftmals zudem unmittelbar von den Vorzügen der Kraft-Wärme-Kopplung. Gleichzeitig zeigt die Diskussion um KWK sehr deutlich, wie wichtig Flexibilität und Systemintegration werden. Wer heute in Energiesysteme investiert, sollte daher weniger nur auf Einzelwirkungsgrade schauen, sondern darauf, wie gut die Komponenten zusammenspielen und wie sie sich in ein sich veränderndes Energiesystem einfügen.

Sprecher

Wenn Sie eine Sache nennen müssten, die in der öffentlichen Diskussion über KWK aktuell falsch verstanden wird. Welche wäre das?

Sprecher

Das größte Missverständnis ist die Annahme, dass KWK primär eine Konkurrenz zu erneuerbaren Energien ist. Tatsächlich verändert sich ihre Rolle bereits seit vielen Jahren grundlegend. Die KWK der Zukunft ist keine Grundlasttechnologie, sondern eine flexible Ergänzung in einem überwiegend erneuerbaren Energiesystem. Sie produziert nicht möglichst viele Betriebsstunden, sondern gezielt wertvolle Betriebsstunden – genau dann, wenn das System sie braucht. Ihre Aufgabe ist es nicht, Wind- und Solarenergie zu ersetzen, sondern sie abzusichern.

Sprecher

Stephan Liesner räumt mit dem wohl hartnäckigsten Missverständnis rund um Blockheizkraftwerke auf: KWK ist kein Fossil-Weitermacher, sondern ein Systemintegrator. Wer die Technologie allein am heutigen Brennstoffmix misst, verkennt ihre Funktion im Übergang zu einem erneuerbaren Energiesystem. Biomethan und Wasserstoff machen sie bereits heute zu einer klimaverträglichen Option, die sich zudem nachrüsten lässt. Entscheidend bleibt, was Liesner konsequent betont: Nicht die Einzeltechnologie zählt, sondern das Zusammenspiel aller Komponenten.

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