Stefan Kainz ist Geschäftsführer und „Chief Listener“ der Crowdinvesting-Plattform klimja, die nachhaltige und regenerative Projekte für Privatpersonen zugänglich machen will. Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der Finanzbranche stellt er Finanzinteressen neu auf Wirkung um. Im Interview sprechen wir darüber, wie klimja Projekte auswählt, wie das Zusammenspiel von ökologischer, sozialer und finanzieller Rendite funktioniert und worauf Verbraucher:innen achten sollten, wenn sie mit ihrem Geld echten Wandel bewirken möchten.
EEAktuell: Herr Kainz, Sie tragen den Titel „Chief Listener“ bei klimja. Was steckt hinter dieser Bezeichnung?
Stefan Kainz: Viele von uns leben heute in einer schnellen, lauten Welt. Ich habe es immer wieder auch am eigenen Leibe erlebt, was es heißt, da mitzuspielen. Mir zieht sich bei dem Gedanken heute der Bauch zusammen. Deshalb möchte ich hier auch in meinem beruflichen Wirken mit meinem Jobtitel ein Signal setzen. Ein Signal, dass wir da mal bewusst stehen bleiben und zuhören dürfen. Den anderen Menschen zuhören, der Welt zuhören. Das ist der erste Schritt, wie wir unser In-der-Welt-Sein neu gestalten können.
EEAktuell: klimja legt Wert auf dreifache Rendite: finanziell, ökologisch und sozial. Können Sie ein Projekt nennen, bei dem diese Kombination in der Praxis besonders gut gelungen ist und wie Sie das messen?
Stefan Kainz: Wir achten bei jedem einzelnen unserer Projekte auf die soziale, ökologische und finanzielle Rendite, deshalb fällt es mir schwer, da eines rauszunehmen. Deshalb nehme ich einfach unser aktuellstes Projekt: die Errichtung von Mobilfunkmasten und solarer Infrastruktur in Ghana. Das Münchner Unternehmen EWIA hat viel Erfahrung in Projekten mit Erneuerbarer Energie in Afrika und ist aus unserer Sicht finanziell solide aufgestellt. Mit dem von unserer Gemeinschaft finanzierten Projekt schaffen sie 15 zusätzliche, lokale Arbeitsplätze vor Ort in Ghana und statten viele Mobilfunkmasten mit Solarpanelen aus, sodass sie mit erneuerbarer Energie betrieben werden können. Ein schönes Beispiel für die dreifache Rendite.
EEAktuell: Für viele Interessierte ist das Risiko eine Hürde. Welche Mechanismen (Due Diligence, Sicherheiten, Rückstellungen) nutzt klimja, um Verlustgefahren zu minimieren?
Stefan Kainz: Ja, wir sind uns der Sorgen unserer Anleger*innen zum Risiko bewusst. Wir führen eine eingehende Plausibilitätsprüfung jedes einzelnen Projekts durch, bei der wir die soziale, ökologische und finanzielle Komponente bewerten und nur passende Projekte zulassen. Dabei ist uns wichtig zu betonen: jede*r Anleger*in muss für sich selbst entscheiden, ob das jeweilige Projekt zu ihr*ihm auch passt – diese Entscheidung können und wollen wir unseren Anleger*innen nicht abnehmen.
EEAktuell: Crowdinvesting-Plattformen stehen oft in Konkurrenz mit klassischen nachhaltigen Fonds. Wie ordnet klimja sich in das Gesamtportfolio von Privatanleger:innen ein und welche Anteile halten Sie für sinnvoll?
Stefan Kainz: Ich sehe uns da nicht in Konkurrenz, sondern eine sinnvolle Ergänzung. Das österreichische Alternativfinanzierungsgesetz sieht einen Anteil für Crowdinvesting von bis zu 10% am Gesamtvermögen vor – und das halte ich persönlich für eine gute Richtgröße. Inwieweit das für das persönliche Portfolio passt, muss jede*r Anlege*in für sich entscheiden.
EEAktuell: Growth und Nachhaltigkeit stehen oft im Spannungsfeld. Wenn ein Projekt wirtschaftlich scheitert, aber ökologische Ziele erfüllt – wie geht klimja mit solchen Zielkonflikten um?
Stefan Kainz: Ja, dieser Zielkonflikt ist im Finanzbereich sehr präsent. Extraktive Projekte, die Menschen oder die Natur ausbeuten sind oft sehr profitabel. Das wollen wir nicht. Deshalb ist es uns wichtig, jene Projekte auszuwählen, bei denen die erwartete finanzielle Rendite in einem guten Verhältnis zur ökologischen und sozialen Wirkung steht. Und wenn ein Projekt nicht wirtschaftlich ist, dann kommt es für uns bei klimja auch nicht in Frage. Diese Projekte benötigen andere Finanzierungsformen, wie zum Beispiel Förderungen oder Spenden.
EEAktuell: Zum Schluss: Wenn Sie eine zentrale Entscheidungsmöglichkeit nennen könnten, die jede:r Anleger:in heute hat, um die Wirkung seines Kapitals sofort zu steigern – welche wäre das?
Stefan Kainz: Der erste Schritt ist ganz einfach und wirkt über Jahrzehnte: Wechseln Sie zu einem grünen Konto bei Ihrer bestehenden Bank – oder noch besser gleich direkt zu einer grünen Bank. Denn dann investiert die Bank ihre Einlagen (Girokonten, Sparkonten etc.) auch in grüne Projekte und dies kann mehrere Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr vermeiden. Ein zweiter Schritt darf dann auch ein Investment bei klimja sein.
Das Gespräch mit Stefan Kainz gibt Einblick in eine Form des Investierens, die bewusst langsamer denkt und Verantwortung nicht auslagert. klimja versteht Kapital als Mittel, um konkrete Projekte möglich zu machen, ohne ökologische und soziale Fragen dem Renditeziel unterzuordnen. Für Privatanleger:innen bedeutet das vor allem eines: sich aktiv mit Wirkung, Risiko und persönlicher Haltung auseinanderzusetzen. Wer investieren möchte, findet hier keinen schnellen Heilsversprechen, sondern einen Ansatz, der Entscheidungsspielräume eröffnet und Transparenz einfordert.