Balkonkraftwerke gelten als einfachster Einstieg in die eigene Stromproduktion. Julian Böer ist Geschäftsführer der Solakon GmbH, einem Anbieter von Plug-and-Play-Solaranlagen. Im Gespräch geht es um den Boom der Balkonkraftwerke, die tatsächliche Wirtschaftlichkeit kleiner Solaranlagen und die Frage, woran man heutzutage noch wirklich gute Balkonkraftwerke erkennt.
EEAktuell: Herr Böer, Sie sind Geschäftsführer von Solakon und beschäftigen sich intensiv mit Balkonkraftwerken. Was hat Sie persönlich an diesem Bereich der Solarenergie besonders gereizt?
Julian Böer: Mich hat als gelernter Elektriker schon lange gestört, wie kompliziert Solartechnik für Privatanwender:innen oft ist. Technisch ist vieles längst möglich – aber in der Praxis scheitert es häufig an der Umsetzung oder an der Bedienbarkeit. Mein Mitgründer Marc Scheurer ist über seinen Vater, der Landwirt ist, schon früh mit Photovoltaik in Berührung gekommen. Für ihn war Solarenergie auf dem Hof ganz selbstverständlich. Uns beiden war relativ schnell klar: Die Technik kann noch so gut sein – wenn sie für Menschen im Alltag zu kompliziert ist, wird sie sich nicht durchsetzen. Unser Ansatz war deshalb von Anfang an, Solartechnik möglichst einfach und zugänglich zu machen. Im Idealfall so unkompliziert, dass man sie anschließen kann und sie einfach läuft.
EEAktuell: Viele Menschen interessieren sich für Solarenergie, haben aber kein eigenes Dach. Welche Rolle spielen Balkonkraftwerke aus Ihrer Sicht für die Energiewende?
Julian Böer: Balkonkraftwerke senken die Einstiegshürde enorm. Eine große Dachanlage ist für viele Menschen eine größere Investition und mit Planung verbunden. Ein Balkonkraftwerk dagegen ermöglicht es sehr vielen Haushalten – auch Mieter:innen –, relativ unkompliziert selbst Strom zu erzeugen.
Genau darin liegt ihre Stärke: Viele kleine Anlagen können zusammen einen großen Beitrag leisten. Gleichzeitig sehen die Menschen direkt im eigenen Haushalt, was sie erzeugen und sparen. Das macht die Energiewende greifbarer.
EEAktuell: Eine der häufigsten Fragen lautet: Lohnt sich ein Balkonkraftwerk finanziell wirklich? Wie schnell amortisiert sich eine typische Anlage heute?
Julian Böer: Die Antwort ist hier ganz klar: Ja. Natürlich hängt das immer vom Standort, vom Verbrauch und vom System ab. In der Praxis sehen wir aber häufig Amortisationszeiten von ungefähr ein bis vier Jahren. Danach produziert das System weiterhin Strom, der direkt im Haushalt genutzt wird. Da die Komponenten auf eine lange Lebensdauer ausgelegt sind, entsteht über die Jahre eine spürbare Ersparnis. Für viele unserer Kund:innen ist es deshalb nicht nur eine ökologische Entscheidung, sondern auch eine wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung.
EEAktuell: Balkonkraftwerke werden zunehmend auch mit kleinen Batteriespeichern kombiniert. Ist das aus Ihrer Sicht ein sinnvoller nächster Schritt oder wirtschaftlich noch schwer darstellbar?
Julian Böer: Der größte Vorteil eines Speichers ist, dass man den Strom deutlich flexibler nutzen kann. Ein Balkonkraftwerk produziert oft mittags am meisten Strom – genau dann, wenn viele Menschen nicht zuhause sind. Mit einem Speicher kann dieser Strom später, zum Beispiel abends, genutzt werden. Darüber hinaus fungiert er als wichtiger Puffer: Er erlaubt es, die gesetzlich mögliche Modulleistung von bis zu 2000 Watt voll auszuschöpfen, indem er die überschüssige Energie zwischenspeichert und gleichzeitig die Einspeisung normkonform auf 800 Watt begrenzt.
Mit unserem System Solakon ONE versuchen wir genau diesen Ansatz möglichst einfach umzusetzen. Das System wurde in Deutschland entwickelt und ist darauf ausgelegt, möglichst intuitiv zu funktionieren. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch unsere eigene App, die ebenfalls von unserem Team entwickelt wurde und auf Servern in Deutschland läuft. Nutzer:innen sehen dort jederzeit transparent, wie viel Strom produziert, gespeichert und verbraucht wird. Das hilft dabei, das eigene Energieverhalten besser zu verstehen.
Für viele Nutzer:innen spielt außerdem die Notstromfunktion eine wichtige Rolle. Im Alltag ist sie vielleicht nicht immer im Fokus, aber wenn es zu einem Stromausfall kommt, kann sie einen echten Mehrwert bieten.
EEAktuell: Der Markt für Balkonkraftwerke ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Treiber dieser Entwicklung?
Julian Böer: Mehrere Faktoren sind zusammengekommen. Zum einen natürlich die gestiegenen Strompreise. Zum anderen haben gesetzliche Änderungen vieles einfacher gemacht. Dadurch sind Balkonkraftwerke für deutlich mehr Menschen interessant geworden. Ein ganz entscheidender Punkt ist zudem, dass die Preise für Solarmodule und Speicher massiv gesunken sind. Dadurch wurde der Einstieg noch einfacher und die Amortisation deutlich beschleunigt. Für uns als Anbieter ist es dabei das oberste Ziel, immer ein bestmögliches Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten, damit sich die Investition für unsere Kund:innen so schnell wie möglich rechnet. Wir merken außerdem, dass viele Nutzer:innen Freude daran haben, ihre eigene Energie zu erzeugen. Wenn man in der App sieht, was die Anlage gerade produziert oder wie viel Strom man spart, wird das Thema Energie plötzlich sehr greifbar.
EEAktuell: Zum Abschluss: Mit dem Boom sind viele neue Anbieter entstanden. Woran können Verbraucherinnen und Verbraucher erkennen, ob ein Balkonkraftwerk qualitativ hochwertig ist?
Julian Böer: Man muss sich den Markt für Balkonkraftwerke aktuell etwas genauer anschauen. Auf der einen Seite gibt es große internationale Hersteller, die ihre Produkte weltweit verkaufen. Die Softwareentwicklung findet dabei oft weit entfernt vom eigentlichen Markt statt, und auch die Daten der Nutzer:innen werden teilweise auf internationalen Servern verarbeitet.
Auf der anderen Seite stehen viele Händler, die diese Systeme in Deutschland lediglich weiterverkaufen. Sie übernehmen Vertrieb und Beratung, haben technisch aber wenig Einfluss auf Hardware oder Software. Wenn etwa eine App Probleme macht oder ein Update fehlerhaft ist, sind sie auf den Hersteller angewiesen.
Unser Ansatz bei Solakon ist bewusst ein anderer. Wir entwickeln zentrale Teile unseres Systems selbst – insbesondere die Steuerung der Hardware und unsere App, die von unserem Team in Deutschland entwickelt wird. Dadurch können wir Funktionen und Updates direkt steuern und schneller weiterentwickeln.
Für unsere Kund:innen bedeutet das vor allem ein abgestimmtes System: Balkonkraftwerk, Speicher, App und Energiemanagement greifen ineinander. Gleichzeitig bleiben Themen wie Datensicherheit transparent – unsere Server stehen beispielsweise in Deutschland.
Am Ende geht es darum, dass die Technik zuverlässig miteinander funktioniert und für Nutzer:innen möglichst unkompliziert bleibt.
Fazit
Die Energiewende hat sich inzwischen auch in privaten Haushalten etabliert, denn Balkonkraftwerke boomen. Was früher oft als technische Nische galt, entwickelt sich zunehmend zu einem alltäglichen Baustein der Stromversorgung. Wichtig ist vor allem die Zugänglichkeit der Systeme. Systeme, die sich einfach installieren lassen und im Alltag zuverlässig funktionieren, senken die Einstiegshürde für viele Menschen.
Kleine Anlagen können durchaus einen messbaren Beitrag leisten, wenn viele Haushalte mitmachen. Sinkende Modulpreise, vereinfachte Regulierung und neue Speicherlösungen haben diesen Trend zusätzlich beschleunigt. Für Verbraucher:innen bleibt dennoch wichtig, nicht nur auf den Preis zu achten, sondern auf ein stimmiges Gesamtsystem aus Hardware, Steuerung und Software. Wer hier sorgfältig auswählt, kann mit einem Balkonkraftwerk über viele Jahre hinweg eigenen Strom nutzen und unabhängiger von steigenden Energiepreisen werden.