Wärmepumpe mit Photovoltaik kombinieren: Wann sich die PV-Anlage für die Heizung lohnt

Ein modernes weißes Haus mit Wärmepumpe und Photovoltaikanlage, mit Solarmodulen auf dem Dach und einer Terrasse, die zum Essen eingerichtet ist.
Die Kombination aus Wärmepumpe und PV-Anlage gilt ja als regelrechtes Traumpaar der Energiewende: Der Strom kommt direkt vom eigenen Dach und treibt über die Wärmepumpe die Heizung an. Doch ganz so einfach ist es nicht. Schließlich benötigt die Wärmepumpe den meisten Strom im Winter, während die Solaranlage vor allem im Sommer Energie liefert. Wir erklären Ihnen, wie viel Solarstrom realistischerweise bei der Heizung ankommt, wie groß eine PV-Anlage für eine Wärmepumpe sein sollte und was das Ganze kostet.
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Kombination lohnt sich in den meisten Fällen, denn eigener Solarstrom kostet etwa 6 bis 14 ct/kWh, Netzstrom aktuell rund 37 ct/kWh.
  • Im Rechenbeispiel spart dieselbe PV-Anlage mit Wärmepumpe rund 350 € mehr pro Jahr und hat sich etwa drei Jahre früher bezahlt gemacht.
  • Ohne Speicher deckt eine PV-Anlage etwa 20 bis 30 % des Wärmepumpenstroms ab, mit Speicher bis zu 40 %.
  • Pro 1.000 kWh Gesamtstrombedarf ist es sinnvoll, mindestens 1 kWp Solarleistung zu installieren.
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Inhaltsverzeichnis

Lohnt sich eine Wärmepumpe mit Photovoltaik?

Ja, für die meisten Eigenheime kann sich die Kombination aus Wärmepumpe und PV-Anlage lohnen. Schließlich kostet Solarstrom vom eigenen Dach laut Fraunhofer ISE je nach Standort etwa 6 bis 14 ct/kWh, Netzstrom laut BDEW-Strompreisanalyse dagegen durchschnittlich 37 ct/kWh. Jede selbst erzeugte und genutzte Kilowattstunde spart also meist rund 25 Cent.  

Neben dem E-Auto ist die Wärmepumpe oft der größte zusätzliche Stromverbraucher. Im Einfamilienhaus verdoppelt sie den Strombedarf ungefähr, und entsprechend mehr Solarstrom lässt sich selbst nutzen. Der Winter stellt dabei die größte Einschränkung dar, da der Stromverbrauch der Wärmepumpe hier am höchsten ist, während die Photovoltaikanlage im Winter nur wenig Strom liefert. Die Kombination von Wärmepumpe und Photovoltaik ist dementsprechend sinnvoll und senkt die Stromkosten spürbar, autark macht sie einen Haushalt aber nicht. 

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So arbeiten Wärmepumpen und PV-Anlagen zusammen

Die PV-Anlage erzeugt Gleichstrom, den der Wechselrichter widerum in Wechselstrom für das Hausnetz umwandelt. Der Solarstrom geht dann zuerst an die Verbraucher im Haus, inklusive der Wärmepumpe. Überschüsse die nicht vom Eigenverbrauch gedeckt werden, speichert der Stromspeicher zwischen, oder sie fließen ins Stromnetz ab. Die Wärmepumpe nutzt den Strom derweil, um Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser auf Heiztemperatur zu bringen. Pro Kilowattstunde Strom werden so je nach Jahresarbeitszahl drei bis vier Kilowattstunden Wärme erzeugt.

Schematische Darstellung eines Hausenergiesystems mit einer Wärmepumpe mit Photovoltaik, einem Batteriespeicher und einem Wasserspeicher, die an das Stromnetz und den Heizkreis angeschlossen sind.
Zusammenspiel von PV-Anlage, Batteriespeicher und Wärmepumpe im Einfamilienhaus (vereinfachte Darstellung).

Puffer- und Warmwasserspeicher wirken zudem wie eine Wärmebatterie: Scheint mittags die Sonne, heizt die Wärmepumpe sie mit Solarstrom auf, und am Abend steht die gespeicherte Wärme zur Verfügung. Damit das klappt, muss die Wärmepumpe aber wissen, wann die PV-Anlage mehr Strom erzeugt, als im Haus gerade verbraucht wird. Das funktioniert über die Schnittstelle SG Ready, entweder direkt vom Wechselrichter oder von einem Energiemanagementsystem. Wer eine neue Wärmepumpe kauft, sollte also auf das SG-Ready-Label achten.

ZeitraumAnteil am PV-JahresertragStrombedarf WärmepumpeSolare Deckung
Winter (Dez - Feb)ca. 10 %sehr hochgering
Frühling (Mär - Mai)ca. 30 %mittelhoch
Sommer (Jun - Aug)ca. 40 %niedrig (nur Warmwasser)sehr hoch
Herbst (Sep - Nov)ca. 20 %mittelmittel

Wie groß muss die PV-Anlage mit einer Wärmepumpe sein?

Als grobe Orientierung für die Planung der PV-Anlage können Sie sich merken, dass der Gesamtstrombedarf Ihres Haushalts geteilt durch 1.000 die Mindestgröße Ihrer passenden PV-Anlage in kWp ergibt. Abhängig von der Region liefert 1 kWp in Deutschland etwa 900 bis 1.000 kWh pro Jahr. Den Strombedarf Ihrer Wärmepumpe können Sie ebenfalls grob abschätzen, indem Sie den Heizwärmebedarf durch die Jahresarbeitszahl teilen. So ergiben 14.000 kWh Wärme geteilt durch eine JAZ von 3,5 beispielsweise einen Strombedarf von 4.000 kWh pro Jahr für Ihre Wärmepumpe. 

Arun Niemann
REDAKTIONSTIPP
Arun Niemann · Redakteur

Wenn es Ihr Dach zulässt, würde ich eher größer planen als zu klein. Module sind inzwischen vergleichsweise günstig. Zudem können Ost-West-Dächer auch morgens und abends Strom liefern, also genau dann, wenn die Wärmepumpe ihn braucht.

HaushaltsstromWärmepumpeGesamtbedarfMindestgrößeEmpfehlung
3.000 kWh3.000 kWh6.000 kWh6 kWp8 - 10 kWp
3.500 kWh4.500 kWh8.000 kWh8 kWp10 - 12 kWp
4.500 kWh6.000 kWh10.500 kWh11 kWp12 - 15 kWp

Was kosten Wärmepumpe und PV-Anlage, und welche Förderung gibt es?

Die Kosten für Wärmepumpe und Photovoltaikanlage setzen sich im Großen und Ganzen aus den folgenden Posten zusammen: 

PostenKosten
PV-Anlage 8 - 12 kWpca. 1.000 - 1.400 €/kWp, also ca. 8.000 - 17.000 €
Batteriespeicher 10 kWhca. 4.000 - 8.000 €
Luft-Wasser-Wärmepumpe inkl. Einbauca. 25.000 - 35.000 € vor Förderung
Energiemanagementsystemca. 500 - 1.500 € (oft schon im Wechselrichter enthalten)
Gesamt vor Förderungca. 40.000 - 60.000 €

Die Kosten müssen Sie meist jedoch nicht im vollen Umfang tragen. Schließlich gibt es eine Wärmepumpen-Förderung über die KfW-Heizungsförderung und auch die PV-Anlage kann über verschiedene Photovoltaik-Förderungen bezuschusst werden. 

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Rechenbeispiel: Was bringt die Kombination aus Wärmepumpe und Photovoltaik im Einfamilienhaus?

Das folgende Beispiel zeigt dieselbe PV-Anlage in drei Situationen: ohne Wärmepumpe, mit Wärmepumpe und zusätzlich mit Batteriespeicher. So können Sie für jeden Fall die potenzielle jährliche Ersparnis, die Investitionskosten und die mögliche Amortisationszeit ableiten. 

Ausgegangen wird von einem Einfamilienhaus mit 3.500 kWh Haushaltsstrom und einer Luft-Wasser-Wärmepumpe, die bei einer Jahresarbeitszahl von 3,5 rund 4.000 kWh Strom pro Jahr benötigt. Die PV-Anlage hat 10 kWp und erzeugt etwa 9.500 kWh im Jahr. Gerechnet wird mit dem durchschnittlichen Strompreis von 37 ct/kWh und der aktuellen Einspeisevergütung von 7,70 ct/kWh für Anlagen bis 10 kWp.

PV ohne WärmepumpePV + WärmepumpePV + Wärmepumpe + 10-kWh-Speicher
Strombedarf3.500 kWh7.500 kWh7.500 kWh
Selbst genutzter Solarstrom (Autarkie)ca. 1.050 kWh (30 %)ca. 2.250 kWh (30 %)ca. 3.000 kWh (40 %)
Eingespeistca. 8.450 kWhca. 7.250 kWhca. 6.500 kWh
Ersparnis Netzstrom (× 37 ct)ca. 390 €ca. 830 €ca. 1.110 €
Einspeisevergütung (× 7,70 ct)ca. 650 €ca. 560 €ca. 500 €
Vorteil der PV-Anlage pro Jahrca. 1.040 €ca. 1.390 €ca. 1.610 €
Investitionssummeca. 12.000 - 14.000 €ca. 37.000 - 49.000 €ca. 42.000 - 55.000 €
Amortisation der PV-Anlageca. 12 - 13 Jahreca. 9 - 10 Jahreca. 11 - 12 Jahre

Mit einer Wärmepumpe kann dieselbe PV-Anlage im Beispiel also pro Jahr rund 350 € mehr an Stromkosten einsparen. Schließlich landen rund 1.200 kWh Solarstrom in der Heizung, statt für 7,70 ct eingespeist zu werden. Mit einem Speicher kann der Anteil des selbst genutzten Solarstroms zudem deutlich gesteigert werden und der jährliche Vorteil steigt um weitere rund 220 €. Da der Speicher aber zusätzliche 5.000 bis 6.000 € kostet, dauert es länger, bis sich die Anlage bezahlt gemacht hat.

❗Wichtige Einordnung: Das Beispiel ist bewusst vereinfacht gewählt. Wartung, Wechselrichtertausch und andere Kostenfaktoren sind ausgeklammert. Die Rechnung dient daher nur als Orientierung. 

Wie groß sollte der Stromspeicher für die Photovoltaikanlage sein?

Grundsätzlich sollte der Speicher ausreichen, um Ihren Strombedarf für eine Nacht abzudecken. Im Einfamilienhaus sind das meist nicht mehr als 1 kWh pro kWp. Größere Speicher werden im Winter kaum voll und haben daher wesentlich längere Amortisationszeiten. Es lohnt daher durchaus, verschiedene PV Speicher zu vergleichen und das beste Modell für die eigene Situation zu finden.

Lohnt sich eine Wärmepumpe auch ohne Photovoltaik?

Ja, denn die Wärmepumpe rechnet sich vor allem über ihre Effizienz: Sie macht aus 1 kWh Strom 3 bis 4 kWh Wärme. Die Kombination aus Wärmepumpe und Photovoltaik kann die Wirtschaftlichkeit zwar verbessern, ist aber keine Voraussetzung für eine Wärmepumpe.

Gerade wenn das Dach durch Verschattung oder eine Nordlage eher ungeeignet ist, sollte der tatsächliche Nutzen der Kombination einer Wärmepumpe mit Photovoltaik abgewogen werden. Zudem lässt sich die Kombination von Photovoltaik auch später nachrüsten. Falls dies infrage kommt, sollten beim Wärmepumpen-Einbau aber auch gleich SG Ready und das Zählerkonzept mitgedacht werden. 

❗Wichtig für Altbau-Bewohner:innen: Wie wirtschaftlich eine Wärmepumpe tatsächlich läuft, hängt stark vom Haus ab. In einem schlecht gedämmten Altbau mit kleinen Heizkörpern braucht sie viel höhere Vorlauftemperaturen, arbeitet weniger effizient und verbraucht um einiges mehr Strom als im Rechenbeispiel. Lassen Sie vor dem Kauf deshalb die Heizlast berechnen und prüfen, ob größere Heizkörper oder einzelne Dämmmaßnahmen nötig sind, um eine Wärmepumpe wirtschaftlich betreiben zu können.

Fazit

Es lässt sich also klar sagen, dass sich eine Anlage mit Photovoltaik und Wärmepumpe gut ergänzt. Im vereinfachten Beispiel konnte der genutzte Solarstromanteil deutlich erhöht werden und die PV-Anlage mit Wärmepumpe sparte pro Jahr durch den Stromverbrauch letzterer zusätzlich 350 Euro an Stromkosten.

Den größten Effekt erreicht die Wärmepumpe mit Solarstrom in der Übergangszeit, wenn die Wärmepumpe noch heizt und die PV-Anlage bereits ausreichend Strom liefert. Im Winter läuft der Betrieb einer Wärmepumpe hingegen auch mit PV überwiegend über den Netzstrom. Über das ganze Jahr kann der Haushalt so laut Verbraucherzentrale realistisch 20 bis 30 % seines gesamten Strombedarfs selbst decken, mit Speicher sogar bis zu 40 %. Mit einer totalen Unabhängigkeit vom Netz sollten Sie aber nicht rechnen. Die richtige Dimensionierung der PV-Anlage und Wärmepumpe sowie eine intelligente Steuerung sind entscheidend, um die Anlage so effizient wie möglich laufen zu lassen.

Häufig gestellte Fragen

Kann eine Wärmepumpe im Winter mit Solarstrom laufen?

Nur zu einem kleinen Anteil, denn von Dezember bis Februar liefern PV-Anlagen meist nur circa 10 % ihres Jahresertrags, während der Strombedarf der Wärmepumpe am höchsten ist. Mittags klappt die Abdeckung mit Solar an einem warmen Wintertag vielleicht, doch der Großteil wird ansonsten vom Netz abgedeckt.

Brauche ich einen eigenen Stromzähler für die Wärmepumpe, wenn ich eine PV-Anlage habe?

Nein, denn die Wärmepumpe kann über den normalen Hauszähler mitlaufen und den Solarstrom direkt nutzen. Ein separater Zähler lohnt sich nur, wenn Sie einen günstigeren Wärmepumpentarif nutzen wollen. Auch wenn Sie nach § 14a EnWG von 60 % niedrigeren Netzentgelten profitieren wollen, wird ein eigener Stromzähler benötigt.

Photovoltaik oder Solarthermie: Was passt besser zur Wärmepumpe?

In den meisten Fällen ist Solar der bessere Fit, da der Strom flexibel für Wärmepumpe, Haushalt oder E-Auto nutzbar ist. Solarthermie liefert hingegen nur Wärme für Warmwasser und die Heizung.

Sollte ich Wärmepumpe und PV-Anlage aus einer Hand kaufen?

Das Wärmepumpe und PV-Anlage aus einer Hand kaufen, kann sich lohnen, wenn Sie wert auf einen Ansprechpartner und genau aufeinander abgestimmte Komponenten legen. Doch es ist oft teurer als einzeln vergebene Gewerke und Sie binden sich in vielen Fällen an ein Herstellerökosystem. Daher lohnt es sich in jedem Fall, mindestens zwei bis drei Angebote zu vergleichen.

Reicht ein Balkonkraftwerk für die Wärmepumpe?

Nein, nur für einen sehr kleinen Teil des benötigten Stroms. Ein Balkonkraftwerk erzeugt je nach Ausrichtung einige hundert Kilowattstunden pro Jahr, und diese überwiegend im Sommer. Das ist nur ein Bruchteil der mehreren tausend Kilowattstunden, die die Wärmepumpe, vor allem im Winter, benötigt.

Arun Niemann
Arun Niemann schreibt über nachhaltige Geldanlage und erneuerbare Energien, zwei Themen, die er zusammendenkt. Als aktiver Investor in grüne Projekte kennt er die Fragen, die Anleger:innen bewegen, aus eigener Erfahrung. Bei EEAktuell schreibt er über Investmentstrategien und Technologien wie Wärmepumpen, die den Energiewandel im Alltag greifbar machen.

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