Nachhaltig investieren ohne Greenwashing: Interview mit Philipp Achenbach

Eine Hand legt grüne Efeuranken über eine rauchende Industrielandschaft, Symbolbild für Greenwashing

Im Interview mit

Philipp Achenbach

Finanzdienstleister

Fachberater für Nachhaltige Geldanlage

Philipp Achenbach hat im zweiten Semester seines Jura Studiums in Hamburg seine ersten beruflichen Erfahrungen in der Finanzbranche gesammelt. Der examinierte Jurist ist mittlerweile selbst Gesellschafter, Mitglied des Anlageausschusses und Verantwortlicher für die nachhaltige Strategie in der Geldanlage der TauRes GmbH, bei der er vor mehr als 23 Jahren seine Karriere als Finanzdienstleister begann. Neben seiner Arbeit beim mehrfach als bester Arbeitgeber der Finanzbranche ausgezeichneten Makler für Versicherungen und Finanzen engagiert er sich als Fachberater für Nachhaltige Geldanlage (Ecoberater) unter anderem im „Ausschuss für Nachhaltigkeit“ der IHK Frankfurt und Verantwortet das Projekt „Finanzoptimist“ mit Videos, Podcasts und Vorträgen zu nachhaltiger Geldanlage.

Im Interview mit

Philipp Achenbach

Finanzdienstleister

Fachberater für Nachhaltige Geldanlage

Philipp Achenbach hat im zweiten Semester seines Jura Studiums in Hamburg seine ersten beruflichen Erfahrungen in der Finanzbranche gesammelt. Der examinierte Jurist ist mittlerweile selbst Gesellschafter, Mitglied des Anlageausschusses und Verantwortlicher für die nachhaltige Strategie in der Geldanlage der TauRes GmbH, bei der er vor mehr als 23 Jahren seine Karriere als Finanzdienstleister begann. Neben seiner Arbeit beim mehrfach als bester Arbeitgeber der Finanzbranche ausgezeichneten Makler für Versicherungen und Finanzen engagiert er sich als Fachberater für Nachhaltige Geldanlage (Ecoberater) unter anderem im „Ausschuss für Nachhaltigkeit“ der IHK Frankfurt und Verantwortet das Projekt „Finanzoptimist“ mit Videos, Podcasts und Vorträgen zu nachhaltiger Geldanlage.

Zum Interview

Philipp Achenbach berät als “Fachberater für Nachhaltige Geldanlage” bei der TauRes Gesellschaft für Investmentberatung mbH im Tower One in Frankfurt Privatkund:innen, Organisationen und Fachbereiche Universitäten zu nachhaltiger Geldanlage. Unter dem Namen Der Finanzoptimist betreibt er seit 2017 einen Podcast mit mittlerweile über 150 Folgen zu nachhaltigen Investmentstrategien. Er ist im Ausschuss Nachhaltigkeit der IHK Frankfurt und über Jahre hinweg in mehreren Arbeitsgruppen des Forum Nachhaltige Geldanlage engagiert. Im Interview spricht er über Greenwashing-Fallen, regulatorische Entwicklungen und die Kostenfaktoren, die Privatanleger:innen am meisten Rendite kosten.

Sie haben Jura studiert und sind heute als Finanzoptimist bekannt. Was war der konkrete Moment, in dem Sie sich entschieden haben, Ihre Karriere der nachhaltigen Geldanlage zu widmen?

Sprecher

Vor allem meine Zeit beim Schüleraustausch in Chile Ende der 90er Jahre hat mich stark für soziale Aspekte sensibilisiert. Wie stark der Unterschied zwischen Arm und Reich dort sichtbar wurde, hat mich schockiert und meine Sicht auf viele Aspekte verändert. Mit dem Jurastudium wurde auch mein Sinn für Gerechtigkeit weiter geschärft.

Sprecher

Der Begriff Nachhaltigkeit ist in der Finanzbranche unscharf definiert. Woran erkennen Anleger:innen aus Ihrer Sicht, ob ein Fonds tatsächlich hält, was er verspricht, und wo beginnt reines Greenwashing?

Sprecher

Die wichtigsten Aspekte sind aus meiner Sicht, ob sich die Fondsgesellschaften – wie zum Beispiel bei Shareholders for Change – organisieren und ob sie eigenes Research machen: Einige Fondsgesellschaften geben regelmäßig Einblicke zu aktuellen Themen. Wenn diese Dinge gegeben sind, ist es aus meiner Sicht relativ unwahrscheinlich, dass Greenwashing betrieben wird. Dazu empfinde ich es für wichtig, dass Dialogbereitschaft mit uns Anlageberater:Innen besteht – wir sind sehr regelmäßig im Austausch mit Kooperationsparnter:Innen aus der Finanzbranche. Dadurch entsteht kontinuierlicher Informationsfluss, so dass es für die Produktanbieter sehr schwierig ist uns Dinge zu verheimlichen.

Sprecher

Sie sind Fachberater für nachhaltige Geldanlage und im Ausschuss Nachhaltigkeit der IHK Frankfurt. Welche regulatorische Entwicklung betrifft Privatanleger:innen 2026 am unmittelbarsten?

Sprecher

Faktisch wurden viele schöne Regeln für die Beratung zu nachhaltigen Geldanlage in den 2010er Jahren durch die EU eingeführt. Leider gibt es jetzt die Tendenz viele dieser Regeln zu entschärfen oder ganz rückgängig zu machen. Dass für nachhaltige Geldanlagen Gas und Atomstrom zulässig sind und beispielsweise Waffenindustrielle aufgenommen werden dürfen, können viele meiner Kund:innen nicht nachvollziehen. Es kommt daher mehr und mehr auf die Seriosität der Berater:innen und der Produktanbieter selbst an.

Sprecher

Über TauRes beraten Sie sowohl Privatkund:innen als auch Organisationen aus dem Nachhaltigkeitsspektrum. Unterscheiden sich die Ansprüche institutioneller und privater Anleger:innen an nachhaltige Geldanlagen in der Praxis?

Sprecher

Es gibt Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Viele der Verantwortlichen sind selbst nicht so stark in der Thematik Geldanlage, aber viele Menschen, die ich berate haben ein sehr klares Bild, was ihren Maßstab an nachhaltige Geldanlagen angeht. Institutionelle Anleger haben häufig mehr als einen Ansprechpartner, das macht es für mich meisten einfacher, weil die Institutionellen Anleger dann unsere Qualität im Vergleich zum Marktstandard einzuschätzen wissen. Ansonsten ist der Ablauf aber häufig sehr vergleichbar. Auch im institutionellen Bereich wird von Mensch zu Mensch beraten, daher kommen häufig ähnliche Fragen auf.

Sprecher

In Ihrem Podcast sprechen Sie mit Fondsmanager:innen, mit nachhaltigen Banken wie Triodos und GLS und mit Start-Ups wie Africa GreenTec. Welches dieser Gespräche hat Ihre eigene Einschätzung am stärksten verändert?

Sprecher

Ich spreche immer gern von meinem Podcast mit der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit Brasilien. Hier habe ich viel über den Tellerrand schauen dürfen. Urgewald war auch eine der prägendsten Erfahrungen – Die Einblicke auch in das Verhalten auf Jahreshauptversammlung hat mich sehr beeindruckt. Auch Africa Green Tec war allein deswegen schon extrem spannend, weil ich das Privileg hatte, einen der Solar-Container von innen zu sehen. Echte Highlights sind für mich die Gespräche mit Ethius gewesen: Es ist wirklich beeindruckend, wie viel Herzblut von den dortigen Verantwortlichen in die Analysen der Geschäftspraktiken und die Hot-Spot-Analyse gesteckt wird.

Sprecher

Ausgabeaufschlag, Depotkosten, Steuerlast: Sie betonen diese Faktoren immer wieder. Wo verlieren Privatanleger:innen aus Ihrer Erfahrung am meisten Rendite, ohne es zu bemerken?

Sprecher

Tatsächlich ist ein professioneller Blick auf das Thema Steuern einer der entscheidenden Faktoren. Wer hier unbedarft an die Sache geht, kann wirklich starke Einschnitte erwarten. Wir haben das Thema Ausgabeaufschlag komplett aus dem Spiel genommen, weil wir es bei TauRes unfair finden, dass der Kunde im Minus startet während die Berater:innen schon ihre Schäfchen im Trockenen haben.

Sprecher

Welchen konkreten ersten Schritt empfehlen Sie Leser:innen, die zum ersten Mal ein nachhaltiges Depot eröffnen wollen?

Sprecher

Ich würde mir immer kompetente Berater:innen an die Seite holen. Die erste Auswahl der Investments ist häufig nicht die ganz große Herausforderung, die Kontrolle der Anlagen und das kontinuierliche Monitoren ist die eigentliche Hürde, an denen häufig die Performance scheitert. Häufig ist es dann aber auch so, dass wir die Kund:innen mit Fachwissen versorgen, so dass immer mehr Verständnis für die Materie entsteht. Es bringt dann richtig Spaß sich auf immer gehobenerem Niveau mit den Kund:innen zu unterhalten. Wir bekommen eben die Informationen aus gut versorgten Informationsquellen. Wichtig ist mir immer, dass die AnlegerInnen einen guten Einblick bekommen kann, was das eigene Geld bewirkt. Da erfahre ich viel Dankbarkeit – deswegen macht es auch so viel Spaß in diesem Segment mit Wirkung zu arbeiten.

Sprecher

Philipp Achenbach gibt Anleger:innen konkrete Prüfsteine gegen Greenwashing an die Hand: Engagement in Netzwerken wie Shareholders for Change, eigenes Research der Fondsgesellschaft und Offenheit im Dialog mit Berater:innen. Zugleich benennt er eine unbequeme Entwicklung: Die EU entschärft nach seiner Darstellung Regeln, die nachhaltige Geldanlage lange klar abgrenzten, und öffnet das Segment für Gas, Atomstrom und Rüstung. Labels allein reichen damit als Orientierung nicht mehr aus, die Seriosität von Anbietern und Berater:innen rückt in den Vordergrund. Für die Rendite lenkt er den Blick auf Steuern und Ausgabeaufschläge, zwei Kostenfaktoren, die Privatanleger:innen leicht übersehen.

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