Repowering von Windkraftanlagen: Wie sich der Windmarkt verändert

Bernd Weidmann von wind-turbine.com im Interview
Ein Kran hilft beim Repowering von Windkraftanlagen bei der Installation einer neuen Windturbine in einer ländlichen Landschaft mit bestehenden Turbinen, grünen Feldern und einem kleinen Dorf unter einem teilweise bewölkten Himmel.

Im Interview mit

Bernd Weidmann

Betreiber

wind-turbine.com

Bernd Weidmann ist seit 1996 im Online Marketing tätig. Von 1999 bis 2010 war er für den Betrieb und die Vermarktung von pferde.de verantwortlich. Anschließend gründete er die internationale Plattform wind-turbine.com, die sich auf die Windenergiebranche spezialisiert hat und bis heute erfolgreich betrieben und vermarktet wird. Durch seine langjährige Erfahrung gilt er als Experte für digitales Marketing und Online Plattformen im Bereich Windenergie.

Im Interview mit

Bernd Weidmann

Betreiber

wind-turbine.com

Bernd Weidmann ist seit 1996 im Online Marketing tätig. Von 1999 bis 2010 war er für den Betrieb und die Vermarktung von pferde.de verantwortlich. Anschließend gründete er die internationale Plattform wind-turbine.com, die sich auf die Windenergiebranche spezialisiert hat und bis heute erfolgreich betrieben und vermarktet wird. Durch seine langjährige Erfahrung gilt er als Experte für digitales Marketing und Online Plattformen im Bereich Windenergie.

Zum Interview

Bernd Weidmann gründete 1999 zunächst die Online-Marketing-Agentur WIV GmbH in Gelnhausen und brachte Mitte 2016 mit wind-turbine.com den heute weltweit größten B2B-Marktplatz der Windbranche an den Start. Über 18.000 registrierte Marktteilnehmer aus mehr als 150 Ländern werden dort Windparks, Windflächen, Projektrechte, gebrauchte Windkraftanlagen, Komponenten und Services handeln. Im Gespräch mit EEAktuell erklärt Weidmann, warum der Gebrauchtmarkt für Windturbinen strategisch unterschätzt wird, wie Repowering den Markt gerade neu sortiert und weshalb die Digitalisierung der Branche über Plattformen wie seine entschieden wird.

Herr Weidmann, Sie haben 1999 pferde.de aufgebaut, das Portal 2010 erfolgreich verkauft und sind dann in die Windbranche gewechselt. Was hat Sie von Pferden zu Windkraftanlagen geführt?

Sprecher

Das Atomunglück in Japan 2011. Damals entschied die Bundesregierung, die Atomkraft in Deutschland herunterzufahren und die Erneuerbaren Energien zu pushen. Nach dem Verkauf von pferde.de wollte ich unbedingt eine B2B Plattform bzw. einen Marktplatz etablieren, im besten Fall mit einem nachhaltigen Fußabdruck. Nach 1-2 Wochen Nachdenken und Eintauchen in die Energiebranche habe ich mich dazu entschieden, den entstehenden Zweitmarkt der Windbranche über einen zentralen Online-Marktplatz zu orchestrieren. Das erklärte Ziel war es, den Turbinen ein zweites Leben zu ermöglichen, Schwellenländern den Einstieg in die Erneuerbaren zu erleichtern und es der deutschen Windbranche zu ermöglichen, neue Märkte zu erschließen.

Sprecher

wind-turbine.com ist heute nach eigenen Angaben der weltweit größte B2B-Marktplatz für gebrauchte Windkraftanlagen. Was unterscheidet Ihre Plattform von einem klassischen Branchenverzeichnis?

Sprecher

Unsere Plattform unterscheidet sich von einem klassischen Branchenverzeichnis, wie man es von “Gelbe Seiten” oder “Wer liefert was” kennt, vor allem durch die klare Transaktionsorientierung. Während starre Verzeichnisse oft lediglich Unternehmensprofile listen, ermöglichen wir auf wind-turbine.com den aktiven Handel mit konkreten Windassets. Nutzer:innen finden bei uns nicht nur Anbieter, sondern direkt verfügbare Angebote mit detaillierten technischen Informationen. Dadurch schaffen wir echten Mehrwert, indem wir Angebot und Nachfrage möglichst effizient zusammenbringen und den gesamten Handelsprozess unterstützen.

Sprecher

Repowering ist 2025 und 2026 eines der bestimmenden Themen der deutschen Windbranche. Knapp die Hälfte aller deutschen Anlagen ist über 15 Jahre alt. Wie verändert das Repowering-Geschehen Ihre Plattform?

Sprecher

Das zunehmende Repowering verändert unsere Plattform deutlich, da aktuell viele Bestandsanlagen durch neue, leistungsstärkere Turbinen ersetzt werden. Dadurch gelangen vermehrt gebrauchte Windkraftanlagen auf unseren Marktplatz. Gleichzeitig beobachten wir, dass die Verkaufspreise in vielen Fällen auf Grund des größer werdenden Angebots fallen. Da in Ländern wie Spanien oder Frankreich in wenigen Jahren auch eine Rückbauwelle losgetreten wird, bleibt es weiter spannend wie sich Angebot und Nachfrage weiter entwickeln.

Sprecher

Sie positionieren wind-turbine.com als Treiber der digitalen Transformation der Windbranche und arbeiten mit innovativen Partnern zusammen. Wie digital ist die Windbranche aus Ihrer Sicht heute tatsächlich?

Sprecher

Aus meiner Sicht ist die Windbranche heute deutlich digitaler als noch vor einigen Jahren, aber es gibt weiterhin klar Luft nach oben. Dass sich etwas bewegt, zeigt sich unter anderem daran, dass die Husum Wind 2025 erstmals eine eigene Halle für digitale Transformation geschaffen hat und das Thema zur Husum Wind 2028 sogar als Schwerpunktthema weiter ausbauen will. Das sind starke Signale in die richtige Richtung, wie wir finden. Gleichzeitig sehen wir im Alltag noch viele analoge Prozesse und ungenutzte Effizienzpotenziale.

Wir treiben diese Entwicklung proaktiv voran, indem wir unsere Vision eines digitalen Ökosystems konsequent weiterentwickeln. Innerhalb unserer Plattform integrieren wir kontinuierlich neue, praxisnahe Lösungen. Wir nennen sie Apps, so wie auf dem Handy. Sie schaffen einen konkreten Nutzen für alle Marktteilnehmer im täglichen Arbeitsprozess. So schaffen wir mehr Transparenz, Effizienz und Geschwindigkeit im Markt und leisten gleichzeitig unseren Beitrag, die Energiewende weiter zu beschleunigen.

Sprecher

In Deutschland fallen zunehmend Anlagen aus der EEG-Förderung. Was geschieht mit diesen Post-EEG-Turbinen, und welche Möglichkeiten sehen Sie dort?

Sprecher

Mit dem Auslaufen der EEG-Förderung stehen viele Betreiber:innen vor einer strategischen Entscheidung. Wenn für die Anlagen ein positives Weiterbetriebsgutachten vorliegt und im Idealfall sogar Repowering-Potenzial am Standort besteht, können sowohl Altbetreiber als auch Verpächter weiterhin sehr attraktive Erlöse erzielen. In den letzten 12 Monaten konnten wir über unsere Plattform 43 Windkraftanlagen erfolgreich für den Weiterbetrieb vermarkten. Das zeigt, dass hier ein funktionierender Markt vorhanden ist, der den grünen Fußabdruck der Turbinen erhöht.

Ist ein Weiterbetrieb am Standort nicht möglich, eröffnen sich alternative Optionen: Der Verkauf ins Ausland ist oft eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung, ebenso wie die Nutzung im wachsenden Ersatzteilmarkt innerhalb Deutschlands. Im ungünstigsten Fall bleibt jedoch nur der Rückbau und die fachgerechte Entsorgung der Anlage.

Um Betreiber:innen in dieser Phase mehr Transparenz und Sicherheit zu geben, haben wir zwei neue Apps entwickelt: einen Wertermittlungs-Rechner sowie einen Rückbaukosten-Rechner. Diese Tools helfen dabei, fundierte Entscheidungen zu treffen und die wirtschaftlich beste Option für jede einzelne Anlage zu identifizieren.

Wertermittlung: https://wind-turbine.com/wertermittlung

Rückbaukosten: https://wind-turbine.com/tool/rueckbaukosten-ermitteln

Sprecher

Das Jahr 2025 war mit über 3.300 Neugenehmigungen ein Rekordjahr in Deutschland. Gleichzeitig sprechen Marktteilnehmer von Preisdruck und Unsicherheit. Wie bewerten Sie die Lage des Windmarkts 2026?

Sprecher

Das Rekordjahr 2025 mit über 3.300 Neugenehmigungen zeigt zwar eine starke Pipeline, aber 2026 wird deutlich, dass diese allein nicht mehr trägt. Steigende Kosten, sinkende Zuschlagswerte und unsichere Erlösmodelle führen dazu, dass viele Projekte wirtschaftlich neu bewertet werden müssen. Der Markt steht dadurch unter enormem Druck.

Gleichzeitig sehen wir eine klare Verschiebung der Perspektive hin zum Betreiber: Während Neuprojekte an Attraktivität verlieren, rücken Bestandswindparks als stabile, planbare Assets zunehmend in den Fokus von Investoren. Entscheidend ist heute nicht mehr das maximale Potenzial, sondern die Verlässlichkeit der Cashflows und die tatsächliche wirtschaftliche Substanz einer Anlage.

Aus meiner Sicht befindet sich der Windmarkt 2026 damit in einem strukturellen Wandel, in dem Kapital gezielt Sicherheit sucht. Betreiber, die ihre Anlagen optimieren, Transparenz schaffen und strategisch positionieren, können in diesem Umfeld sehr attraktive Werte realisieren. Genau hier sehen wir auch unsere Rolle, indem wir mehr Markttransparenz schaffen und den Handel mit Bestandsanlagen effizient unterstützen.

Sprecher

Zum Abschluss: Was ist Ihr wichtigster Rat für Windparkbetreiber:innen und Projektierer:innen, die Ihre Plattform noch nicht aktiv nutzen?

Sprecher

Mein wichtigster Rat ist: Wenn Sie unsicher sind, ob ein Ersatzteil, eine ältere Turbine oder sogar ein kompletter Windpark einen Markt hat, dann probieren Sie es einfach aus und fragen den Markt aktiv an. Genau dafür ist unsere Plattform da. Sie schafft Transparenz für alle Marktteilnehmer und macht reale Nachfrage sichtbar.

Mit über 18.000 registrierten Nutzer:innen aus mehr als 180 Ländern erreichen Käufer und Verkäufer bei uns nicht nur den deutschen, sondern direkt auch den internationalen Käufermarkt. Betreiber:innen sollten die Chance nutzen, dieses Käuferpotential offensiv abzufragen.

Sprecher

Der Windmarkt verändert sich gerade grundlegend. Während lange vor allem neue Projekte im Fokus standen, gewinnen bestehende Anlagen, Repowering und internationale Zweitmärkte zunehmend an Bedeutung. Im Interview beschreibt Bernd Weidmann, dass Digitalisierung dabei nicht nur ein Nebenthema ist, sondern zur zentralen Infrastruktur der Branche wird. Gleichzeitig sieht er auch: Der Gebrauchtmarkt für Windkraftanlagen ist deutlich relevanter, als viele bislang angenommen haben. Wer Bestandsanlagen strategisch bewertet und internationale Märkte mitdenkt, kann auch außerhalb klassischer Neubauprojekte wirtschaftliche Chancen nutzen.

Zum Thema passende Beiträge

Ein weißes elektrisches Gerät mit Kabeln, die mit EINSPEISUNG und EIGENNUTZUNG beschriftet sind, ist an einer Wand in einem Industrieraum montiert, umgeben von grauen Platten, Rohren und elektrischen Leitungen einer PV-Eigenverbrauchsanlage.
Ein grüner Robo-Advisor mit Antennen steht vor einem Hintergrund aus blauen Grafiken und Diagrammen und verkörpert Datenanalyse oder Automatisierung. Die mit Linien und Balken gefüllten Diagramme deuten auf statistische Trends oder finanzielle Erkenntnisse hin.
Greenwashing, grüne Farbe