Was ist Greenwashing?

Greenwashing, grüne Farbe
In einer Welt, in der Umweltbewusstsein zunehmend an Bedeutung gewinnt, setzen viele Unternehmen auf grünes Image und Nachhaltigkeit. Sei es im Supermarkt, wo grüne Verpackungen mit noch grüneren Slogans werben oder zu Hause vor dem Fernseher. Mittlerweile wirbt fast jeder zweite Produzent oder Hersteller mit Nachhaltigkeit und der Einsparung von Energie, Wasser oder Treibstoff. Doch verbirgt sich hinter den scheinbar umweltfreundlichen Fassaden tatsächlich eine Strategie, die mehr Schein als Sein ist? Greenwashing vs. Nachhaltigkeit? In diesem Zusammenhang fällt immer wieder der Begriff des Greenwashings. Greenwashing, was ist das eigentlich? Erfahren Sie in diesem Artikel, was sich wirklich hinter dem Begriff verbirgt, welche Unternehmen betroffen sein könnten und wie Sie als Verbraucher:in grüne Versprechen von tatsächlichem Umweltengagement unterscheiden können.
Abbildung einer Glühbirne, in der grüne Blätter wachsen, die umweltfreundliche Ideen oder nachhaltige Energie symbolisieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bedeutung von Greenwashing: Ein Unternehmen stellt sich mit vagen Begriffen, eigenen Siegeln oder halben Wahrheiten umweltfreundlicher dar, als es wirklich ist.
  • Typische Warnzeichen: Unbelegte Aussagen wie „nachhaltig“, „klimaneutral“ oder „natürlich“ sowie selbst vergebene Zertifikate und Werbung, die einen kleinen grünen Aspekt groß herausstellt.
  • Strikte Verbote durch EmpCo-Richtlinie: Pauschale Umweltversprechen, Klimaneutralität allein durch CO₂-Zertifikate können hohe Bußgelder bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes nach sich ziehen.
  • Auch bei der Geldanlage ist Greenwashing verbreitet: Die Fondsgesellschaft DWS zahlte 2025 ein Bußgeld von 25 Millionen Euro, weil sie Finanzprodukte grüner darstellte, als sie waren.
Ein hellhäutiges Hand-Emoji, bei dem der Zeigefinger nach rechts zeigt.

Direkt aktiv werden

Inhaltsverzeichnis

Greenwashing Definition und Beispiele

Der Begriff „Greenwashing“ setzt sich aus den englischen Wörtern „green“ wie grün, also nachhaltig und „whitewashing“ für beschönigen oder reinwaschen zusammen. Es bezeichnet vor allem irreführende Strategien im Marketing, die das Unternehmen nachhaltiger darstellen, als es wirklich ist. Das soll besonders das Vertrauen von umweltbewussten Kunden stärken und somit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen, ohne wirklich ökologische Maßnahmen zu ergreifen.

In der Definition handelt es sich um eine Strategie, mit der sich Akteure durch die gezielte Verbreitung von Desinformation ein Image ökologischer Verantwortung zu verschaffen suchen.

Typische Beispiele für Greenwashing sind:

  • Nicht genau definierte Begriffe auf den Produkten, wie “klimaneutral”, “grün”, “natürlich”, “nachhaltig”, “partnerschaftlich”, “CO2-neutral”, “frei von” etc. Diese Begriffe sind sehr vage und sagen eigentlich nichts Konkretes aus.
  • Eigene Zertifikate: Achten Sie auf die Aussteller der Zertifikate. Oftmals ist es so, dass die Zertifikate nicht von unabhängigen objektiven Instituten vergeben werden, sondern das Unternehmen sich selbst diese Zertifikate vergibt.
  • Versteckte Kompromisse: Es gibt Produkte, bei denen nur ein “grüner” Aspekt vorgehoben wird, beispielsweise die “neue Verpackung mit weniger Plastik.” Weitere Produkteigenschaften werden verschwiegen oder negiert.
  • Keine Richtlinien auf der Website: Schauen Sie sich die Website an. Dort sollten Richtlinien für Nachhaltigkeit vorhanden sein. Sind solche nicht vorhanden, dann sollten Sie sehr vorsichtig sein.
  • Produkte werden in die Nähe von Bio-Produkten gestellt, obwohl dies nicht bzw. nur zum Teil zutrifft. Die Unternehmen wollen gerade mit dieser “Nähe” jedoch die Eigenschaft als “Bio” vortäuschen.

📌 Good-to-know: Laut einer Studie des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) hat eine internationalen Verbraucherumfrage ergeben, dass 7 von 10 Konsumenten (also 70 Prozent) sich von Marken abwenden, die beim Greenwashing erwischt werden (NIM, 2023).

Warum ist Greenwashing problematisch?

Greenwashing hat negative Auswirkungen auf Verbraucher:innen, Umwelt und den fairen Wettbewerb.

  • Täuschung der Verbraucher:innen: Kund:innen treffen Kaufentscheidungen auf der Basis falscher Umweltaussagen.
  • Wettbewerbsverzerrung: Unternehmen mit ehrlichen Aussagen sind schnell benachteiligt.
  • Verzögerung echter Veränderungen: Unternehmen investieren in ihre Marke statt in Transformation.
  • Verlust von Vertrauen: Wiederkehrende Fälle von Greenwashing schaden dem Vertrauen in Nachhaltigkeitssiegel und -kommunikation.

📌 Good-to-know: Echte Nachhaltigkeit ist oft teurer und bringt zunächst auch einen gewissen Aufwand für die Unternehmen mit, so dass nachhaltige Produkte tendenziell auch zu einem erhöhten Preis verkauft werden.

Greenwashing in verschiedenen Branchen

Da jede Branche unterschiedliche Umweltsünden identifizieren kann, ergeben sich daraus auch verschiedene Möglichkeiten zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz beizutragen. Somit sieht auch Greenwashing in jeder Branche etwas anders aus.

  • Mode: Der neuste Trend besteht oft aus „grünen“ Kollektionen, während in Wahrheit der Großteil vom Herstellungsprozess ausbeuterisch, ressourcenintensiv und umweltschädlich bleibt.
  • Lebensmittel: Begriffe wie „regional“, „natürlich“ oder „klimaneutral“ werden häufig ohne Nachweise oder Definition verwendet. Vor allem das Design der Verpackung soll nachhaltig wirken, obwohl die Produkte weiterhin konventionell sind.
  • Tourismus und Hotellerie: Schnell verstehen sich Hotels oder Tourismusunternehmen als umweltfreundlich und nachhaltig, nur weil sie die Handtücher nicht mehr täglich erneuern. Doch Greenwashing bezieht sich auf alle ablaufenden Prozesse.
  • Energie: Überall werden „Ökostrom“-Tarife angeboten und durch dazugehörige Zertifikate entsteht ein seriöser Eindruck, obwohl es sich zu oft doch um Greenwashing handelt. In vielen Fällen wird der Strommix nicht verändert. Sogar fossile Energieunternehmen werben mit nachhaltigen Produkten, trotz umweltschädlichem Kerngeschäft.
Greenwashing, grün malen, grüne Farbe
Grafik: von Lichtblick: „dreckige“ Stromanbieter

Greenwashing bei der Geldanlage

Nicht nur herkömmliche Unternehmen zielen auf das steigende Interesse an Umweltbewusstsein ab, sondern auch Fondsanbieter. Gerade im Bereich von ETFs werden sind die Kürzel „ESG“ oder „SRI“ immer häufiger in den Fondsnamen zu finden.

ESG steht für Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Bewertet werden dabei zum Beispiel CO₂-Ausstoß und Ressourcenverbrauch, Arbeitsbedingungen, Menschenrechte in der Lieferkette oder auch Transparenz, Korruptionsprävention und Vorstandsvergütung. Entscheidend ist hier aber, dass ESG nur misst, wie ein Unternehmen mit diesen Risiken umgeht. Gemessen wird aber nicht, ob das Geschäft wirklich nachhaltig ist.

SRI (Socially Responsible Investing) geht einen Schritt weiter und schließt ganze Branchen aus, etwa Kohle, Waffen, Tabak oder Glücksspiel. Ein MSCI World SRI ETF enthält deshalb deutlich weniger Unternehmen als ein reiner ESG-Fonds.

📌 Good-to-know: Mit der geplanten SFDR 2.0 kommen drei klare Kategorien: „Sustainable“, „Transition“ und „ESG basics“. Verbraucherschützer warnen, dass gerade die dritte zur neuen Greenwashing-Falle werden könnte.

Der Fall DWS

Die Fondstochter der Deutschen Bank stellte ihre Produkte nachhaltiger dar, als sie waren. 2022 durchsuchten Staatsanwaltschaft, BKA und BaFin die Geschäftsräume, der Vorstandschef musste gehen. Im April 2025 folgte ein Bußgeld von 25 Millionen Euro.

„EmpCo-Richtlinie“ als strikte Regulierung gegen Greenwashing

Seit dem 27. September 2026 gelten in Deutschland deutlich strengere Regeln. Die EU-Richtlinie „Empowering Consumers“ (EU) 2024/825 wurde umgesetzt und am 19. Februar 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet.

Was dann verboten ist:

  • Pauschale Begriffe wie „nachhaltig“, „umweltfreundlich“, „grün“ oder „klimafreundlich“ ohne Nachweis
  • Werbung mit Klimaneutralität, die nur auf gekauften CO₂-Zertifikaten beruht
  • Selbst erfundene Siegel ohne unabhängige Zertifizierung
  • Versprechen wie „bis 2040 klimaneutral“ ohne geprüften Umsetzungsplan

Diese Verbote gelten ohne Umwege. Beim Missachten dieser Verbote drohen harte Strafen, wie Bußgelder bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes. Eine Übergangs- oder Abverkaufsfrist gibt es nicht.

📌 Good-to-know: Für Sie als Verbraucher:in heißt das, dass seit Ende September viele Nachhaltigkeitssiegel aus den Regalen verschwunden sind, weil sie den neuen Anforderungen nicht standhalten.

Praktische Tipps für Verbraucher:innen und Unternehmen

Infografik mit Tipps gegen Greenwashing: Links Tipps für Verbraucher*innen, rechts Tipps für Unternehmen. Enthält grüne Häkchen, Symbole und kurze Erläuterungen zu jedem Tipp – mit Schwerpunkt auf der Erkennung von Greenwashing. Grün-weißes Farbschema, klare Struktur.

Welche Beispiele gibt es für Greenwashing?

Greenwashing passiert viel öfter, als man denkt. Große Konzerne schmücken sich mit grünen Versprechen, die bei näherem Hinsehen gar nicht so nachhaltig sind. Hier ein paar Beispiele, die zeigen: Auch bekannte Marken können ordentlich danebenliegen und das kann böse Folgen haben.

Apple: Die „CO2-neutrale“ Uhr, die es nicht war

Apple bewarb mehrere Modelle der Apple Watch ab 2023 als erstes CO2-neutrales Produkt des Konzerns. Der verbleibende Rest an Emissionen sollte über ein Waldprojekt in Paraguay ausgeglichen werden. Die Deutsche Umwelthilfe klagte und bekam im August 2025 recht. Das Landgericht Frankfurt untersagte die Werbung als irreführend (Az. 3-06 O 8/24). Der Knackpunkt waren die Eukalyptus-Plantagen, die 2029 wieder abgeholzt werden sollten.

Katjes: Das Urteil, das alles veränderte

Der Süßwarenhersteller warb in einer Fachzeitschrift mit klimaneutral produzierten Fruchtgummis und verwies für Details auf einen QR-Code. Zwei Instanzen hielten das für zulässig, aber der Bundesgerichtshof kippte das Ergebnis im Juni 2024 wieder (Az. I ZR 98/23). Die Begründung lautet, dass klimaneutral zu mehrdeutig ist, da es sowohl Reduktion als auch nachträgliche Kompensation bedeuten könnte. Diese Aufklärung muss bereits in der Werbung selbst stehen, ein QR-Code reicht nicht. Das Urteil gilt seither als Maßstab. In der Folge stoppten Gerichte auch Lufthansas Werbung für klimaneutrale Flüge und irreführende Emissionsangaben bei Google Flights.

Netto: Wenn schon das Kuhfutter grün klingen soll

Dass Greenwashing nicht nur Weltkonzerne betrifft, zeigt ein Fall aus dem Supermarktregal. Der Edeka-Discounter Netto warb für einen Joghurt damit, dass die Kühe gutes Futter aus umweltschonendem Anbau bekommen hätten. Das Landgericht Amberg entschied im August 2026, dass das irreführend war (Az. 41 HK O 983/25).

Fazit

Greenwashing schadet vor allem der Umwelt, aber auch das Vertrauen der Konsumenten leidet darunter stark. Zudem werden längst notwendige Maßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels verzögert. Verbraucher:innen sollten daher genaustens hinschauen, Labels prüfen und falsche Versprechen hinterfragen, um Greenwashing zu erkennen. Unternehmen müssen Nachhaltigkeit transparent umsetzen, um auch langfristig von den Vorteilen profitieren zu können. Denn nur wer Verantwortung übernimmt, klare Standards einhält und konsequent an Klimaneutralität und echter Umweltfreundlichkeit arbeitet, kann glaubwürdig für eine nachhaltige Zukunft stehen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Greenwashing?

Greenwashing bezeichnet den Versuch eines Unternehmens durch Green Marketing, den Eindruck zu erwecken besonders umweltfreundlich zu sein. Dabei geben Unternehmen vor vermeintlich grüne Methoden zu nutzen, ohne eine wirkliche nachhaltige Entwicklung anzustreben.

Wie erkenne ich Greenwashing?

Achten Sie darauf, ob nur Kompensation oder Oberflächlichkeiten beworben werden, um gegenüber der Öffentlichkeit gut da zu stehen oder ob echte emissionsreduzierende Maßnahmen umgesetzt werden. Wenn Unternehmen ihre Produkte mit besonders nachhaltig wirkenden, selbst ausgedachten Symbolen verzieren, Wörter wie „natürlich“, „klimaneutral“ und „umweltfreundlich“ verwenden ohne Belege anzuführen, ist die Chance, dass Greenwashing vorliegt sehr hoch.

Was tun, wenn ich Greenwashing vermute?

Wenn Sie bei Unternehmen Greenwashing vermuten, gibt es verschiedene Möglichkeiten zu handeln:

  • Genau Hinschauen: Gibt es konkrete Daten oder nur schwammige Begriffe? Ist es extern geprüft und transparent?
  • Nachhaken: Sie können immer das Unternehmen anfragen und bitten die Belege offen zu legen. Bei seriösen Firmen ist die Chance auf eine Antwort sogar relativ hoch.
  • Organisationen einschalten: Unabhängige Stellen wie Verbraucherzentralen oder die Deutsche Umwelthilfe sind auf Greenwashing-Vorwürfe spezialisiert, können diese prüfen und rechtlich dagegen vorgehen.
  • Öffentlich machen: Bewertungen schreiben, Gedanken in sozialen Medien teilen oder Journalist:innen informieren, kann den Druck auf das Unternehmen, ehrlicher zu werden, steigen lassen.
  • Alternativen unterstützen: Indem bewusst nur bei nachhaltigen und transparenten Unternehmen eingekauft wird, werden auch nur die belohnt, die es mit ihrer Nachhaltigkeit ernst meinen.
Ist Greenwashing illegal?

Durch Unwahrheiten, gezielte Verschleierung und fehlende Transparenz entsteht ein falscher Eindruck bei den Konsumenten und in dem Fall ist Greenwashing illegal. In Deutschland gibt es Gesetze gegen irreführende Werbung und auch der Verbraucherschutz geht dagegen vor. Zudem geht die EmpCo-Richtlinie verstärkt gegen Greenwashing hervor und wird Unternehmen bestrafen, die weiterhin täuschende Angaben ohne Beweismaterial veröffentlichen.

Lars Hartog
Lars Hartog hat Betriebswirtschaftslehre studiert und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Wirtschaft, Nachhaltigkeit und Geldanlage. In verschiedenen Unternehmen hat er Projekte kennengelernt, die auf erneuerbare Energien und faire, transparente Wertschöpfung setzen. Besonderes Interesse hat er an langfristigen Investments mit Schwerpunkt auf grünen ETFs und verantwortungsvollen Strategien. Bei Erneuerbare Energien Aktuell bringt er diese Expertise ein und zeigt auf, wie sich Rendite und Nachhaltigkeit sinnvoll miteinander verbinden lassen.

Weitere Artikel:

Wärmepumpe vor Haus
Ein transparentes Sparschwein, gefüllt mit Euro-Münzen und -Banknoten, steht neben einem kleinen Spiral-Kalender mit einer grün hervorgehobenen Woche, der die Sparplanung und den Vergleich zwischen Tagesgeld und Festgeld vor einem pastellgrünen Hintergrund symbolisiert.
Eine lächelnde vierköpfige Familie steht vor einem modernen Haus mit einer 25 kWp-PV-Anlage auf dem Dach. Ein Elektroauto ist in der Einfahrt geparkt, und an der Wand neben der Garage ist eine Ladestation angebracht.