Mehr als Crowdfunding: Invesdor verbindet Investments, Wirkung und Innovation neu

18. 11. 2025

Christopher Grätz

  • Group CEO
  • Invesdor Group

Christopher Grätz ist Group CEO der Invesdor Group, einer der führenden europäischen Plattformen für nachhaltige Investments und alternative Finanzierungen. Ziel von Christopher Grätz ist es, Investieren transparenter, verantwortungsvoller und zugleich wirkungsvoller zu gestalten. Er ist überzeugt, dass Rendite und Nachhaltigkeit zusammengehören, wenn Kapital gezielt dorthin fließt, wo es echten Fortschritt ermöglicht.

Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und einem Masterabschluss an der University of St Andrews gründete er 2011 die Online-Investmentplattform Kapilendo, aus der 2021 die Invesdor Group hervorging. Seine Vision ist es, Kapital und Wirkung miteinander zu verbinden und privates wie institutionelles Investieren so zu gestalten, dass es die wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformation aktiv unterstützt.

Bevor er Invesdor aufbaute, arbeitete Christopher Grätz als Berater bei KPMG AG im Bereich Strategy & Operations für Financial Services und begleitete internationale Banken und Industrieunternehmen in strategischen Fragen. Diese Erfahrung prägt seine Arbeit bis heute. Unter seiner Leitung hat sich Invesdor von einer nationalen Crowdinvesting-Plattform zu einem europaweit agierenden Anbieter für nachhaltige Unternehmensfinanzierungen entwickelt.

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Christopher Grätz führt Invesdor als paneuropäische Plattform für Impact und alternative Investments. In der Vergangenheit war das Unternehmen vor allem für KMU und Start-up-Finanzierungen bekannt – inzwischen reicht das Spektrum über Wachstumsfirmen, Energie- und Nachhaltigkeitsprojekte bis hin zu paneuropäischen Kapitalmarktzugängen. In unserem Gespräch schauen wir hinter die Kulissen: Wie wählt Invesdor Projekte aus? Wie lässt sich Wirkung messen? Und wie können Privatanleger:innen heute bewusst in solche Chancen einsteigen?

EEAktuell: Herr Grätz, Invesdor ist durch mehrere Fusionen und Expansionen gewachsen. Wie würden Sie Ihre Rolle heute beschreiben und was haben Sie persönlich aus dieser Entwicklung gelernt?

Christopher Grätz: Meine Rolle hat sich mit dem Wachstum der Invesdor Group verändert. Heute geht es weniger um operative Themen, sondern darum, Teams aus verschiedenen Ländern zusammenzubringen und eine gemeinsame Richtung zu geben.

Aus den Fusionen habe ich gelernt, wie wichtig Transparenz, Geduld und offener Austausch sind. Unterschiedliche Kulturen zusammenzuführen braucht Zeit – aber genau daraus entsteht Stärke und Zusammenhalt. Das hat bei uns sehr gut funktioniert: Heute arbeiten wir als ein europäisches Team erfolgreich zusammen und wachsen nachhaltig weiter.

EEAktuell: Viele Interviews mit Ihnen drehen sich um Impact-Investing und Nachhaltigkeit. Welche typischen Stolperfallen sehen Sie konkret bei Investitionen in regenerative Energien oder Klimaprojekte, also bei Projekten, die Wirkung und Rendite verbinden sollen?

Christopher Grätz: Ich sehe weniger Stolperfallen als vielmehr typische Herausforderungen. Impact-Investing in erneuerbare Energien bedeutet, wirtschaftliche Ziele mit messbarer Wirkung zu verbinden. Das erfordert eine genaue Einschätzung, ob ein Geschäftsmodell langfristig tragfähig ist und die Wirkung realistisch erreicht werden kann.

Bei Invesdor nutzen wir dafür einen strukturierten Bewertungsprozess, der wirtschaftliche Kennzahlen ebenso berücksichtigt wie ökologische und soziale Kriterien. Jedes Projekt wird systematisch analysiert – von der Unternehmensstruktur über Marktpotenzial und Finanzierung bis zur Nachhaltigkeitswirkung.

Nur wenn alle zentralen Aspekte überzeugend sind, wird ein Projekt auf die Plattform
aufgenommen.

EEAktuell: Der Schwerpunkt vieler Plattformen liegt auf jungen Start-ups. Invesdor bietet aber auch Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen oder größeren Projekten. Wie unterscheiden sich Auswahlkriterien, Risikoprofile und Exit-Strategien zwischen diesen Segmenten?

Christopher Grätz: Wir verstehen uns als Plattform, die Investitionen in unterschiedliche Unternehmensphasen ermöglicht, vom innovativen Wachstumsunternehmen bis zum etablierten Mittelständler. Dabei unterscheiden sich Finanzierungsstruktur und Risikoprofil.

Bei Start-ups stehen eher Eigenkapitalbeteiligungen im Vordergrund. Hier investieren
Anleger:innen in das Wachstumspotenzial eines Unternehmens. Das Risikoprofil von
Wachstumsunternehmen ist höher, jedoch besteht auch höheres Renditepotenzial. Der Exit
erfolgt in der Regel über einen Unternehmensverkauf oder einen Börsengang. Bei derartigen Beteiligungen ist meist Geduld gefragt. Das zahlt sich für Anlegende aus. Wie zum Beispiel „Cityvarasto“ zeigt, die nach zehn Jahren an die Börse gegangen sind, Rendite: 425 %.

(Success-Story: https://www.invesdor.de/success-stories/cityvarasto#/)

Bei mittelständischen Unternehmen liegt der Schwerpunkt häufig auf Anleihen, also Fremdkapitalinstrumenten mit festen Zinsen und klar definierten Laufzeiten. Diese bieten eine planbare Rückzahlung und sprechen Anleger:innen an, die Wert auf Stabilität und regelmäßige, planbare Erträge legen.

Neben den KMU Anleihen bieten wir auch Projektfinanzierungen für Projekte im Immobilienbereich und Erneuerbaren Energien an. Diese Finanzierungen zielen meist auf lediglich ein Asset, das mit dem eingesammelten Kapital gebaut und/oder betrieben werden kann. Diese Anlageklasse bietet ebenfalls planbare Cashflows für die Rückzahlung der Anleihen, da die Umsatzgenerierung schon vor dem Bau vertraglich oder marktseitig
bestimmbar ist.

So schaffen wir auf Invesdor die Möglichkeit, das eigene Portfolio gezielt zu strukturieren, je nach gewünschtem Risiko-Rendite-Profil und Anlagehorizont.

EEAktuell: Sie haben 2024 beschrieben, wie ESG-Risikobewertung und SDG-KPI-Messung bei Invesdor umgesetzt werden. Wie setzen Sie diese Rahmenwerke heute in der Praxis um – insbesondere so, dass Privatanleger:innen die Kennzahlen verstehen und in ihre Entscheidungen einbeziehen können?

Christopher Grätz: Transparenz ist uns wichtig, und sie soll verständlich sein. Deshalb bereiten wir ESG- und SDG-Daten so auf, dass Anlegerinnen und Anleger nachvollziehen können, welche Wirkung ein Projekt tatsächlich entfaltet. Jedes Unternehmen auf unserer Plattform wird anhand fester Nachhaltigkeitskriterien bewertet, zum Beispiel in Bezug auf CO₂-Einsparung, Energieeffizienz, Ressourcennutzung oder soziale Wirkung.

Die Ergebnisse fassen wir in klaren Kategorien zusammen. Bei unseren Impact Cases – vor
allem bei Anleihen – zeigen wir, zu welchen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen ein Unternehmen beiträgt und wie es diese in seine Geschäftsstrategie integriert. Grundlage sind messbare SDG-Kennzahlen, die eine transparente und vergleichbare Darstellung ermöglichen.

So können Anlegerinnen und Anleger einschätzen, welche Investitionen am besten zu ihren
eigenen Nachhaltigkeitszielen und Renditeerwartungen passen. Unser Anspruch ist,
Wirkung sichtbar und verständlich zu machen. Damit nachhaltiges Investieren zu einer
informierten Entscheidung wird. Beispielsweise zeigen wir bei einer Freiflächen-PV-Anlage nicht nur technische Daten, sondern sind konkret: ‚Diese Anlage spart jährlich rund 3.600 Tonnen CO₂ ein, das entspricht dem Stromverbrauch von 2.300 Haushalten‘. So werden Nachhaltigkeits-KPIs greifbar und vergleichbar in der Investitionsentscheidung.

EEAktuell: Ein Thema, das selten angesprochen wird: Wie gehen Sie mit der Herausforderung um, Projekte im Übergang (etwa neue Energielösungen oder Transformationsunternehmen) zu finanzieren, die noch keine langen Erfolgsbilanzen, aber großes Potenzial haben?

Christopher Grätz: Transformationsunternehmen sind zentral für die Energiewende. Sie entwickeln Lösungen, die bestehende Strukturen verändern und brauchen Kapital, um sich zu etablieren. Solche Projekte erfordern eine besonders sorgfältige Prüfung, da historische Finanzdaten oft fehlen.

Wir betrachten in diesen Fällen vor allem die Qualität des Managements, den Innovationsgrad und die Marktposition. Unser Ziel ist es, Anlegerinnen und Anlegern Zugang zu zukunftsorientierten Geschäftsmodellen zu ermöglichen, die noch am Anfang stehen, aber eine klare Entwicklungsstrategie haben, etwa im Bereich Batteriespeicher wie BESS Remscheid oder bei Wasserstoffprojekten wie Fountain Fuel.

Dabei achten wir darauf, Chancen und Risiken realistisch einzuordnen und transparent zu kommunizieren. So können Privatanlegerinnen und -anleger bewusst entscheiden, ob sie Teil dieser frühen Wachstumsphase sein möchten.

EEAktuell: Liquidität und Haltedauer spielen bei alternativen Investments eine große Rolle. Welche Bedeutung haben Sekundärmärkte, Exit-Strategien oder neue Strukturen für mehr Flexibilität Ihrer Anleger:innen?

Christopher Grätz: Alternative Investments sind in der Regel auf einen bestimmten Zeitraum angelegt. Gleichzeitig wächst das Interesse an flexibleren Strukturen. Wir beobachten die Entwicklung digitaler Handelsplätze und Sekundärmärkte sehr genau, weil sie künftig neue Möglichkeiten eröffnen, Beteiligungen handelbar zu machen.

Bis dahin setzen wir bei vielen der Anlagenmöglichkeiten auf klare Laufzeiten und definierte Rückzahlungsmechanismen. Perspektivisch werden unsere digitalen Lösungen und tokenisierte Vermögenswerte zusätzliche Flexibilität bieten. Unser Ziel ist, diesen Wandel aktiv mitzugestalten und dabei Transparenz sowie Verlässlichkeit zu gewährleisten.

EEAktuell: Viele Investor:innen fragen sich, wie sich Beteiligungen über Invesdor strategisch in ein Gesamtportfolio integrieren lassen. Welche Rolle können alternative Investments dort langfristig spielen und worauf sollten Anleger:innen achten, um Chancen und Risiken klug zu balancieren?

Christopher Grätz: Bei Invesdor reicht die Bandbreite von kurz- und mittelfristigen Anleihen mit festen Laufzeiten bis zu langfristigen Eigenkapitalbeteiligungen. Dadurch können Anlegerinnen und Anleger gezielt entscheiden, wie stark sie sich binden und welches Risiko-Rendite-Profil sie wählen möchten.

Invesdor ermöglicht direkte Investments in KMUs, Scale-ups und Projekte, die sonst für Privatanleger:innen kaum zugänglich wären. Das eröffnet spannende Chancen für eine breitere Risikostreuung, wie sie an klassischen Handelsplätzen nicht möglich ist.

Wichtig ist eine ausgewogene Streuung über verschiedene Anlageformen, Branchen und
Laufzeiten. Wer sein Portfolio bewusst strukturiert, kann Chancen nutzen, Risiken
reduzieren und gleichzeitig in Unternehmen investieren, die zur nachhaltigen Transformation beitragen.

EEAktuell: Zum Abschluss: Können Sie uns einen Sneak Peek der Pipeline an Investitionsmöglichkeiten geben bzw. welche Projekte als nächstes auf Ihrer Plattform gelauncht und investierbar werden?

Christopher Grätz: Wir dürfen natürlich noch keine konkreten Namen nennen, aber ein Schwerpunkt unserer kommenden Pipeline liegt im Bereich Erneuerbare Energien, insbesondere bei Solarprojekten und Batteriespeicherlösungen (BESS). Gleichzeitig bleiben wir unserer breiten Aufstellung treu: Anleger:innen können sich auch weiterhin auf attraktive KMU-Anleihen und wachstumsstarke Equity-Cases aus verschiedenen europäischen Ländern freuen.

Fazit

Das Gespräch mit Christopher Grätz gibt einen präzisen Einblick in die Arbeitsweise von Invesdor und in die Besonderheiten alternativer Investments. Strukturierte Auswahlprozesse, belastbare Daten und nachvollziehbare Kriterien für Projekte sind sehr wichtig, insbesondere wenn Anleger:innen sowohl Wirkung als auch Rendite im Blick haben. Invesdor verbindet unterschiedliche Investmentansätze mit klaren Regeln für Risiko, Transparenz und Impact. Für Privatanleger:innen eröffnet dies Zugang zu Bereichen, die sonst meist institutionellen Investoren vorbehalten bleiben. Das Interview liefert damit praktische Orientierung für alle, die ihr Portfolio bewusster und breiter aufstellen möchten.