Lukas Hoffmeier ist Geschäftsführer der Eneto GmbH. Das Unternehmen positioniert moderne Klimaanlagen nicht nur als Kühlgeräte, sondern als vollwertige Heizlösung. Eneto argumentiert, dass Luft-Luft-Systeme deutlich günstiger zu installieren sind als klassische Wärmepumpen und beim CO₂-Ausstoß vergleichbar abschneiden. Im Gespräch klären wir, wo diese Technik sinnvoll ist, wo ihre Grenzen liegen und was Verbraucher:innen bei der Entscheidung beachten sollten.
EEAktuell: Herr Hoffmeier, Klimaanlagen werden in Deutschland meist mit Kühlung verbunden. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sie als ernstzunehmende Heizlösung zu positionieren?
Lukas Hoffmeier: Man muss nur einen Blick in andere Länder werfen. In Ländern wie Japan, den USA oder Norwegen ist es längst gängige Praxis, mit Klimaanlagen zu heizen, und das äußerst kostengünstig und effizient. In Deutschland hingegen wird die Klimaanlage nach wie vor hauptsächlich mit Kühlung assoziiert. Dabei bieten moderne Klimaanlagen eine attraktive und deutlich preiswertere Alternative zur klassischen Wärmepumpe und verbinden das Heizen mit dem praktischen Mehrwert der Klimatisierung im Sommer.
EEAktuell: Sie werben damit, dass Ihre Systeme deutlich günstiger sind als eine klassische Wärmepumpe, bei vergleichbarem CO₂-Ausstoß. Worin liegt der zentrale Unterschied zwischen beiden Technologien?
Lukas Hoffmeier: Im Kern handelt es sich bei beiden Systemen um denselben Wärmepumpenkreislauf, der entscheidende Unterschied liegt in der Installation. Bei unseren Klimaanlagen entfallen viele der aufwendigen Arbeitsschritte, die eine klassische Wärmepumpe mit sich bringt: kein hydraulischer Abgleich, keine Fundamentarbeiten, deutlich weniger Planungsaufwand. Diese vereinfachte Umsetzung macht sich direkt in den Installationskosten bemerkbar und ermöglicht es uns, eine echte Kostenalternative anzubieten.
EEAktuell: Handelt es sich bei Ihren Lösungen technisch betrachtet nicht ebenfalls um Wärmepumpen, nur eben als Luft-Luft-Systeme? Wo liegen die entscheidenden Unterschiede zu Luft-Wasser-Wärmepumpen?
Lukas Hoffmeier: Ja, das ist vollkommen richtig. Eine Klimaanlage ist technisch gesehen ebenfalls eine Wärmepumpe. Der wesentliche Unterschied zur klassischen Wärmepumpe liegt im Wärmeübertragungsmedium: Unsere Systeme geben die Wärme direkt an die Raumluft ab, während klassische Wärmepumpen die Energie an einen wassergeführten Kreislauf, also etwa Heizkörper oder Fußbodenheizung, übertragen.
EEAktuell: Was kostet ein typisches Eneto-System im Vergleich zu einer klassischen Wärmepumpe inklusive Installation? Für welche Gebäudetypen rechnet sich das besonders? Ist das System eher für gut gedämmte Gebäude geeignet oder kann es auch im Bestand funktionieren? Wo liegen die Grenzen?
Lukas Hoffmeier: Eine pauschale Antwort ist schwierig, da die Kosten stark von der Raumanzahl und den jeweiligen Gegebenheiten abhängen. Als Orientierung kann man sagen, dass unsere Systeme für eine Wohnung bei rund 7.000 Euro starten und je nach Umfang bis etwa 15.000 Euro vor Förderung reichen können.
Besonders wirtschaftlich sind Klimaanlagen als Heizlösung überall dort, wo bisher elektrisch oder mit Nachtspeicheröfen geheizt wurde. Denn in solchen Fällen wäre der Aufwand zur Schaffung eines wassergeführten Systems mit Heizkörpern oder Fußbodenheizung erheblich. Unsere Lösung kann dagegen sowohl im Neubau als auch im Altbau realisiert werden, und das ist ein entscheidender Vorteil.
Im Bestandsbau müssen wir uns nicht an vorhandene Heizkörper oder bestehende Heizungsinfrastruktur anpassen.
EEAktuell: Sie argumentieren mit einem ähnlich niedrigen CO₂-Ausstoß wie bei Wärmepumpen. Wie berechnen Sie das konkret? Und welche Annahmen zum Strommix liegen zugrunde?
Lukas Hoffmeier: Der entscheidende Kennwert ist der SCOP, der Seasonal Coefficient of Performance, also die saisonale Leistungszahl. Er beschreibt, wie viel Wärmeenergie eine Anlage im Jahresverlauf pro eingesetzter Kilowattstunde Strom erzeugt. Bei modernen, auf Heizen ausgelegten Klimaanlagen ist dieser Wert vergleichbar mit dem einer klassischen Luft-Wasser-Wärmepumpe. Da beide Technologien denselben Strommix nutzen, ergibt sich daraus auch ein nahezu identischer CO₂-Fußabdruck.
EEAktuell: Ein häufiger Einwand lautet, dass Klimageräte bei sehr niedrigen Außentemperaturen an Effizienz verlieren. Wie leistungsfähig sind moderne Geräte bei minus 5 oder minus 10 Grad?
Lukas Hoffmeier: Dass Klimaanlagen bei tiefen Temperaturen an Effizienz verlieren, stimmt. Entscheidend ist deshalb eine passende Dimensionierung, sodass die notwendige Leistung auch bei -5°C oder -10°C noch ausreichend ist. Und selbst dann erzielen wir immer noch eine Effizienz von rund 250 Prozent, also das 2,5-fache der eingesetzten Strommenge als Wärme. Solche Extremtemperaturen sind in Deutschland ohnehin eher selten.
EEAktuell: Wärmepumpen werden staatlich stark gefördert. Wie wirkt sich das auf Ihre Wettbewerbsfähigkeit aus? Sehen Sie eine Benachteiligung von Luft-Luft-Systemen?
Lukas Hoffmeier: Nein, wir sehen uns hier nicht benachteiligt, ganz im Gegenteil. Klimaanlagen mit Heizfunktion werden zu Recht genauso gefördert wie klassische Wärmepumpen mit Wasserkreislauf. In Kombination mit unseren ohnehin günstigeren Installationskosten bedeutet das für viele Haushalte, dass der Wechsel auf ein modernes, klimafreundliches Heizsystem für einen vergleichsweise geringen Eigenanteil möglich ist. Das ermöglicht auch Haushalten den Umstieg, die sich eine klassische Wärmepumpe bisher schlicht nicht leisten konnten.
EEAktuell: Wenn Sie Verbraucher:innen drei Kriterien nennen müssten, anhand derer sie entscheiden können, ob eine Klimaanlage als Heizlösung für sie sinnvoll ist. Welche wären das?
Lukas Hoffmeier: Wer langfristig auch kühlen möchte, profitiert von einem echten Doppelnutzen, nämlich Heizen und Kühlen mit einem System, was das Ganze wirtschaftlich besonders attraktiv macht. Darüber hinaus sind Gebäude mit bestehenden Elektroheizungen oder Nachtspeicheröfen ideale Kandidaten, denn hier wäre der Umbau auf ein wassergeführtes System mit enormem Aufwand verbunden, den unsere Lösung komplett umgeht. Schließlich kann auch, wer in einem größeren Haus lebt, aber nur noch einzelne Räume regelmäßig nutzt, etwa im Alter oder nach dem Auszug der Kinder, mit einer Klimaanlage gezielt und flexibel nur dort heizen, wo es tatsächlich gebraucht wird, und spart damit spürbar Energie und Kosten.
Fazit
Lukas Hoffmeier räumt mit einem hartnäckigen Missverständnis auf: Klimaanlagen heizen und das effizient, günstig und förderungsfähig. Wer bisher elektrisch heizt, in einem Altbau ohne Wasserkreislauf sitzt oder schlicht auch kühlen möchte, findet in Luft-Luft-Systemen eine ernsthafte Alternative zur klassischen Wärmepumpe. Dabei sollte man immer auf die richtige Dimensionierung achten und einen ehrlichen Blick auf die eigene Situation werfen. Das Label auf dem Gerät ist dabei zweitrangig, die Physik dahinter ist bei beiden Technologien dieselbe.