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Beleuchtung läuft, wenn die PV-Anlage schläft
Wärmepumpe, Spülmaschine oder Wallbox lassen sich in die Mittagsstunden verschieben, wenn das Dach Strom liefert. Licht nicht. Es wird gebraucht, wenn es draußen dunkel ist, im Winter ab 16 Uhr. In dieser Zeit versorgt entweder der Speicher das Haus oder das Netz.
Für Speicherbesitzer:innen heißt das: Der Beleuchtungsverbrauch entscheidet mit darüber, wie lange die Batterie durch die Nacht kommt. Bei 5 kWh nutzbarer Kapazität und einem Grundverbrauch von Kühlschrank, Router und Heizungspumpe bleiben für den Abend vielleicht 3 kWh übrig. Eine Halogen-Seilanlage mit 200 Watt, vier Stunden lang, nimmt davon fast ein Drittel. Dieselbe Lichtmenge aus LED-Streifen kostet rund 40 Watt, also 0,16 kWh.
Rechnet man das aufs Jahr hoch, kommen bei 1.500 Brennstunden 300 kWh gegen 60 kWh zusammen. Bei 35 Cent pro Kilowattstunde sind das rund 85 Euro Unterschied, und zwar Jahr für Jahr.
Wie viel Strom ein LED-Streifen wirklich braucht
Bei LED-Streifen steht der Verbrauch pro Meter im Datenblatt, meist zwischen 5 und 25 Watt. Das ist die Zahl, mit der Sie rechnen sollten, nicht die Lumenangabe. Seriöse Anbieter weisen beide Werte aus, gute Shops lassen sich auch direkt nach Watt pro Meter filtern, das erspart das Wühlen in PDF-Datenblättern.
Ein Wort zur Effizienzklasse: Seit der Neuskalierung des EU-Energielabels im September 2021 landen auch sehr gute LED-Produkte meist in den Klassen D bis F. Das ist kein Warnsignal. Die alten A++-Werte gibt es schlicht nicht mehr, weil die Skala nach oben Luft für künftige Technik lassen soll. Vergleichen Sie deshalb Lumen pro Watt zwischen zwei konkreten Produkten, nicht den Buchstaben allein.
💡Praxishinweis: Für indirektes Licht in einer Vouten- oder Deckenkante reichen oft 8 bis 10 Watt pro Meter. Streifen mit 20 Watt und mehr sind für Arbeitsflächen gedacht, nicht fürs Wohnzimmer.
Wo der Strom nach der LED verloren geht
Die Leuchtdiode selbst ist längst effizient. Die Verluste entstehen davor.
Das Netzteil: Wirkungsgrad und Auslastung
LED-Streifen laufen mit 12 oder 24 Volt Gleichspannung, das Netzteil wandelt den 230-Volt-Netzstrom um. Dabei geht immer etwas verloren. Markennetzteile, etwa von Mean Well, erreichen rund 88 bis 92 Prozent Wirkungsgrad. Namenlose Ware liegt oft bei 75 bis 80 Prozent. Bei einer 100-Watt-Installation sind das 10 bis 15 Watt Unterschied, die als Wärme im Schrank verpuffen.
Der Wirkungsgrad gilt allerdings nur bei sinnvoller Auslastung. Ein 300-Watt-Netzteil, das dauerhaft 30 Watt liefert, arbeitet weit unter seinem Optimum. Faustregel: Netzteil so wählen, dass die angeschlossene Last bei etwa 70 bis 80 Prozent der Nennleistung liegt. Das schont die Elektronik und hält den Wirkungsgrad hoch. Die Hersteller staffeln ihre 24-Volt-Geräte in Stufen von 30 bis 600 Watt.
Standby: klein, aber rund um die Uhr
Funkempfänger, WLAN-Controller und viele Netzteile ziehen auch dann Strom, wenn das Licht aus ist. Ein halbes Watt klingt nach nichts. Über 8.760 Stunden im Jahr sind es 4,4 kWh pro Gerät. Wer in einem Haus fünf oder sechs solcher Komponenten verbaut hat, kommt auf 20 bis 25 kWh Standby, ohne dass je eine LED geleuchtet hat.
Abhilfe: Netzteile über einen Schaltaktor oder eine schaltbare Steckdose trennen statt nur den Controller in den Aus-Zustand zu schicken. Bei DALI- und KNX-Systemen lässt sich das oft in der Steuerung selbst hinterlegen.
12 Volt oder 24 Volt
Bei gleicher Leistung fließt im 24-Volt-System halb so viel Strom wie im 12-Volt-System. Die Verluste in der Zuleitung steigen mit dem Quadrat des Stroms, sie fallen also auf ein Viertel. Bei einem kurzen Streifen unter dem Küchenschrank ist das egal. Bei acht Metern Voute mit fünf Metern Zuleitung vom Netzteil macht es einen sichtbaren Unterschied: Am Ende des Streifens bleibt bei 12 Volt oft nicht mehr genug Spannung übrig, das Licht wird zum Ende hin schwächer und die Leitung wird warm. Für alles über zwei, drei Meter ist 24 Volt die sparsamere Wahl.
Dimmen und Steuerung: die größte Stellschraube
Die meisten Wohnräume werden abends nicht mit voller Helligkeit genutzt. Eine LED, die auf 40 Prozent gedimmt läuft, braucht auch nur rund 40 Prozent des Stroms, weil die Steuerung die Diode per Pulsweitenmodulation schlicht kürzer einschaltet. Bei Halogen war das anders: Gedimmt sank die Helligkeit stärker als der Verbrauch, weil die Glühwendel bei niedriger Temperatur weniger Licht pro Watt liefert.
Rechenbeispiel Wohnzimmer: 8 Meter Voute mit 14,4 Watt pro Meter ergeben 115 Watt bei voller Leistung. Gedimmt auf 40 Prozent sind es 46 Watt. Bei vier Stunden am Abend macht das 0,18 kWh statt 0,46 kWh. Übers Jahr sind das rund 100 kWh weniger aus dem Speicher.
Dazu kommen Präsenzmelder in Flur, Keller und Hauswirtschaftsraum, wo Licht sonst gern über Stunden vergessen wird. Wer ohnehin ein Bussystem plant, kann in DALI oder KNX Zeitprofile hinterlegen, die das Licht ab 22 Uhr automatisch auf ein niedrigeres Niveau fahren
💡Praxishinweis: Dimmbare Netzteile mit Triac-Ansteuerung sind für bestehende 230-Volt-Wanddimmer gedacht. Wer neu baut oder saniert, fährt mit einem Controller auf der Niedervoltseite (0-10 V, DALI, Funk) meist effizienter und flackerfrei.
Lebensdauer ist auch eine Nachhaltigkeitsfrage
LED-Streifen sind mit 30.000 bis 50.000 Stunden angegeben. Bei 1.500 Brennstunden im Jahr sind das 20 Jahre und mehr. Entscheidend ist aber, was passiert, wenn doch etwas ausfällt. Meist ist es nicht der Streifen, sondern das Netzteil oder der Controller.
In einem System aus einzelnen Komponenten tauschen Sie das defekte Teil und der Rest bleibt. Bei fest verklebten Leuchten mit integriertem Treiber geht die komplette Leuchte in den Müll, samt Gehäuse, Diffusor und funktionierender LED. Wer beim Einbau darauf achtet, dass Netzteil und Steuerung zugänglich bleiben, etwa in einer Revisionsöffnung oder auf der Hutschiene im Verteiler, spart sich später das Aufstemmen der Decke. Ein:e Elektriker:in tauscht ein Hutschienen-Netzteil in zehn Minuten.
Ein zweiter Punkt betrifft die Wärme. LED-Streifen, die in einem Aluprofil sitzen, geben ihre Wärme ab und altern langsamer. Direkt auf Holz oder in einer geschlossenen Vouten-Ecke geklebt, verlieren sie deutlich früher an Helligkeit. Das Profil kostet ein paar Euro pro Meter und verlängert die Lebensdauer spürbar.
So prüfen Sie Ihre Beleuchtung
Dafür brauchen Sie kein Messgerät, ein Blick auf die Typenschilder reicht:
- Summieren Sie die Watt-Angaben aller Leuchtmittel, die abends gleichzeitig laufen. Alles über 150 Watt im Wohnbereich ist ein Kandidat für den Austausch.
- Suchen Sie Halogenspots und Halogenseile. Sie sind die größten Einzelverbraucher.
- Prüfen Sie, ob Netzteile und Funkempfänger nachts warm sind. Warm heißt Standby.
- Messen Sie die Leitungslänge zwischen Netzteil und Streifenende. Mehr als drei Meter bei 12 Volt: auf 24 Volt umstellen, wenn ohnehin etwas erneuert wird.
- Klären Sie, ob sich Ihr Licht dimmen lässt. Wenn nicht, ist ein Controller die günstigste Sparmaßnahme.