Inhalt des Artikels
- Warum die Anzahl der Balkonkraftwerke gar nicht so wichtig ist
- Was bedeutet das konkret für mehrere Balkonkraftwerke?
- Der Wechselrichter als Schlüsselkomponente
- Modulleistung vs. Wechselrichterleistung: Der Unterschied
- Technisch erklärt: So funktioniert die Drosselung
- Anmeldung bei mehreren Balkonkraftwerken
- Sonderfälle: Mehrere Stromzähler oder Wohnungen
- Was passiert bei Überschreitung der Grenze?
Warum die Anzahl der Balkonkraftwerke gar nicht so wichtig ist
Wenn Sie sich fragen, ob Sie zwei, drei oder sogar mehr Balkonkraftwerke betreiben dürfen, dann schauen Sie auf die falsche Kennzahl. In Deutschland gibt es nämlich keine Regelung, die sagt: „Maximal ein Balkonkraftwerk pro Haushalt“ oder ähnliches. Was der Gesetzgeber aber sehr wohl regelt, ist die maximale Einspeiseleistung.
Und hier kommt der entscheidende Punkt: Die Grenze liegt bei 800 Watt für den Wechselrichter und 2.000 Wattpeak für die Modulleistung. Ob Sie diese Leistung mit einem großen Balkonkraftwerk oder mit mehreren kleinen Anlagen erreichen, ist dem Gesetz erstmal egal.
📌 Gut-zu-wissen: Die 800-Watt-Grenze wurde 2024 durch das Solarpaket 1 von vorher 600 Watt angehoben. Falls Sie ältere Informationen finden, die noch von 600 Watt sprechen, sind diese nicht mehr aktuell.
Was bedeutet das konkret für mehrere Balkonkraftwerke?
Stellen wir uns vor, Sie haben bereits ein Balkonkraftwerk mit 400 Watt am Balkon und möchten nun ein zweites auf dem Dach installieren. Das ist grundsätzlich erlaubt, aber hier müssen Sie aufpassen: Die Leistungen werden zusammengerechnet.
Wenn Ihr zweites Balkonkraftwerk ebenfalls 400 Watt hat, kommen Sie auf genau 800 Watt Gesamtleistung. Damit bleiben Sie im erlaubten Rahmen. Ein drittes Balkonkraftwerk wäre dann aber problematisch, weil Sie die 800-Watt-Grenze überschreiten würden. Im Grunde möglich und teilweise sogar empfohlen. Jedoch muss dann der Wechselrichter die Einspeisung drosseln.
Der Wechselrichter als Schlüsselkomponente
Anknüpfend an die vorherige Aussage: Der Wechselrichter steuert, wie viel Leistung tatsächlich eingespeist wird. Denn die 800-Watt-Grenze bezieht sich nicht auf die Solarmodule selbst, sondern auf den Wechselrichter. Das ist der kleine Kasten, der den Gleichstrom aus den Modulen in nutzbaren Wechselstrom für Ihre Steckdose umwandelt.
Der Wechselrichter hat eine eingebaute Leistungsbegrenzung. Per Software wird eingestellt, dass maximal 800 Watt ins Hausnetz abgegeben werden. Alles darüber wird einfach abgeregelt. Das bedeutet: Die Module speisen nicht die gesamte erzeugte Energiemenge ins Netzwerk ein.
Warum größere Module trotzdem sinnvoll sind
Sie fragen sich vielleicht: Wenn der Wechselrichter auf 800 Watt begrenzt ist, warum sollte ich dann Module mit mehr Leistung kaufen? Damit Sie die 800 Watt häufiger und länger am Tag erreichen.
Solarmodule liefern nämlich nur unter optimalen Bedingungen ihre volle Leistung. Bei bewölktem Himmel, morgens oder abends, wenn die Sonne flach steht, erzeugen sie deutlich weniger. Mit leistungsstärkeren Modulen von beispielsweise 1.000 oder 1.200 Wp erreichen Sie die 800 Watt auch dann, wenn die Bedingungen nicht perfekt sind und können somit die 800 Watt Grenze dauerhaft ausreizen, was Ihnen letztendlich mehr Ertrag bringt.
👉🏼 EEAktuell empfiehlt: Wählen Sie Module mit einer Gesamtleistung von 1.500 bis 2.000 Wp, auch wenn der Wechselrichter auf 800 W begrenzt ist. So holen Sie mehr aus Ihrer Anlage heraus und amortisieren schneller.
Modulleistung vs. Wechselrichterleistung: Der Unterschied
Die Verwirrung rund um die erlaubte Leistung entsteht oft, weil zwei verschiedene Werte genannt werden: 800 Watt und 2.000 Wattpeak. Schauen wir uns an, was dahintersteckt.
Die 800-Watt-Grenze (Wechselrichter)
Die 800 Watt beziehen sich auf die Ausgangsleistung des Wechselrichters. Das ist die Leistung, die tatsächlich in Ihr Hausnetz eingespeist wird. Diese Grenze ist fest und darf nicht überschritten werden, wenn Ihre Anlage als Balkonkraftwerk gelten soll.
Warum genau 800 Watt? Der Gesetzgeber hat diese Grenze festgelegt, weil bis zu dieser Leistung das Hausnetz ohne Probleme mit der zusätzlichen Einspeisung zurechtkommt. Außerdem gelten für Anlagen bis 800 Watt vereinfachte Anmelderegeln.
Die 2.000-Wattpeak-Grenze (Module)
Die 2.000 Wattpeak (kurz Wp) beziehen sich auf die installierte Modulleistung. Das ist die maximale Leistung, die Ihre Solarmodule unter idealen Laborbedingungen theoretisch erzeugen könnten.
In der Praxis erreichen Sie diese Werte aber selten. Deshalb dürfen Sie Module mit bis zu 2.000 Wp installieren, obwohl der Wechselrichter nur 800 Watt durchlässt. Der Überschuss wird vom Wechselrichter automatisch begrenzt.
Technisch erklärt: So funktioniert die Drosselung
Die Begrenzung auf 800 Watt erfolgt nicht durch einen physischen Schalter, sondern per Software im Wechselrichter. Um zu verstehen, wie ein Wechselrichter technisch funktioniert, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Umwandlung von Gleich- zu Wechselstrom. Die meisten modernen Geräte haben eine App, über die Sie die maximale Ausgangsleistung einstellen können.
Viele Hersteller liefern ihre Wechselrichter bereits ab Werk auf 800 Watt gedrosselt. So können Sie sicher sein, dass Ihre Anlage die gesetzlichen Vorgaben einhält, ohne selbst etwas einstellen zu müssen.
Was passiert mit der überschüssigen Leistung? Wenn Ihre Module mehr als 800 Watt liefern könnten, der Wechselrichter aber begrenzt ist, dann wird diese Energie einfach nicht umgewandelt. Die Module arbeiten in diesem Fall nicht an ihrem Maximum. Es geht also nichts verloren, es wird einfach nicht alles genutzt.
📌 Good-To-Know: Die nicht eingespeiste Energie können Sie in einem Speicher abfangen, damit Sie nicht „verloren“ geht. Wichtig ist dabei, dass der Speicher DC-seitig, also vor dem Wechselrichter installiert wird. So kann überflüssiger DC-Strom gespeichert werden. Zu den Abendstunden oder an bewölkten Tagen kann der Wechselrichter dann den gespeicherten Strom aus dem Speicher ziehen. Da der Speicher vor dem Wechselrichter sitzt, wird die maximal erlaubte Einspeisung von 800 Watt nicht überschritten.
Anmeldung bei mehreren Balkonkraftwerken
Egal ob Sie ein oder mehrere Balkonkraftwerke betreiben: Die Anmeldung im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur ist Pflicht. Und hier kommt ein wichtiger Punkt: Wenn Sie mehrere Anlagen am selben Stromzähler betreiben, müssen Sie die Gesamtleistung angeben.
Solange Sie unter der 800-Watt-Grenze bleiben, gilt weiterhin das vereinfachte Anmeldeverfahren. Sie müssen keine:n Elektriker:in beauftragen und können die Anlage selbst anschließen.
📌 Quick-Tipp: Führen Sie die Anmeldung im Marktstammdatenregister zeitnah durch. Das geht online und dauert nur wenige Minuten.
Sonderfälle: Mehrere Stromzähler oder Wohnungen
Was ist, wenn Sie in einem Mehrfamilienhaus wohnen oder mehrere Stromzähler haben?
Die 800-Watt-Grenze gilt pro Stromzähler, nicht pro Gebäude. Wenn Sie in einem Mehrfamilienhaus wohnen und jede Wohnung einen eigenen Zähler hat, darf theoretisch jede Wohnung ein eigenes Balkonkraftwerk mit bis zu 800 Watt betreiben.
Für Eigenheimbesitzer:innen mit mehreren Zählern, etwa einem separaten Zähler für die Wärmepumpe, gilt dasselbe: An jedem Zähler könnten Sie ein separates Balkonkraftwerk anschließen. In der Praxis macht das aber selten Sinn, weil der erzeugte Strom dann nur für den jeweiligen Verbraucher genutzt werden kann.
Was passiert bei Überschreitung der Grenze?
Angenommen Sie überschreiten die 800-Watt-Grenze. Was dann? Zunächst einmal: Ihre Anlage gilt dann nicht mehr als Balkonkraftwerk im Sinne des Gesetzes, was mehrere Konsequenzen hat:
- Sie müssen die Anlage aufwendiger anmelden
- Der Netzbetreiber kann verlangen, dass Sie eine:n Elektriker:in beauftragen, um die Anlage richtig anzuschließen (keine Plug-and-Play-Lösung mehr wie bei vielen BKWs)
- Sie könnten Probleme mit Ihrer Versicherung bekommen, falls etwas passiert
🌱 Green-Fact: Auch mit der 800-Watt-Begrenzung können Sie bei guter Ausrichtung bis zu 800 kWh Strom pro Jahr erzeugen. Das entspricht etwa 20 bis 25 Prozent des durchschnittlichen Stromverbrauchs eines Zwei-Personen-Haushalts.