Inhalt des Artikels
- Warum sollte man eine PV-Anlage reinigen?
- Welche Verschmutzungen sind problematisch?
- Wann und wie oft sollte man die Photovoltaikanlage reinigen?
- Sicherheit bei der Reinigung unbedingt beachten
- Solaranlage richtig reinigen in 7 Schritten
- Unterschiede je nach Anlagentyp
- Lohnt sich die Reinigung wirtschaftlich?
- Häufige Fehler bei der Reinigung
Warum sollte man eine PV-Anlage reinigen?
Schmutz auf Solarmodulen wirkt wie eine Jalousie vor dem Fenster. Er reduziert die einfallende Sonnenstrahlung und damit die Energieausbeute der gesamten Anlage. Dabei ist der tatsächliche Leistungsverlust durch normalen Staub oft geringer als viele annehmen.
Die Forschung des DLR zeigt, dass gleichmäßiger Staubbelag den Ertrag im Durchschnitt um lediglich 2-5 % mindert, weil Regen die Oberfläche regelmäßig reinigt. Besonders kritisch wird es bei punktuellen Verschmutzungen wie Vogelkot. Ein einzelner Fleck kann durch den sogenannten Hotspot-Effekt nicht nur das betroffene Modul, sondern einen ganzen Strang in seiner Leistung drosseln und im Extremfall sogar dauerhaft schädigen. Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Verschmutzung von Solarmodulen ein häufig unterschätzter Faktor ist.
📌 Good-To-Know: In Deutschland sorgen Regenfälle und der typische Neigungswinkel von Dachanlagen (ab etwa 15 Grad) meist dafür, dass sich Schmutz von selbst löst. Flachdachanlagen oder Module mit sehr geringer Neigung sind deutlich anfälliger für hartnäckige Ablagerungen.
Das Risiko durch die Verschmutzung steigt weiterhin durch sogenannte Hot-Spots. Als Hot-Spot bezeichnet man eine lokale Überhitzung einzelner Solarzellen, die entsteht, wenn ein kleiner Bereich des Moduls verschattet ist, während der Rest weiter Strom produziert. Der verschattete Bereich wird dabei nicht zum Erzeuger, sondern zum Verbraucher und heizt sich stark auf. Im Extremfall entstehen dauerhafte Schäden an der Zelle oder der Verkapselung.
Welche Verschmutzungen sind problematisch?
Vogelkot und Moos sind die kritischsten Verschmutzungsarten. Staub hingegen wird in den meisten Fällen durch Regen abgetragen. Bei der Reinigung sollte vorher also immer geprüft werden, welche Art von Verschmutzung tatsächlich vorherrscht.
- Staub und Feinstaub: Gleichmäßiger Staubeintrag durch Luftverschmutzung oder Roststaub hat meist einen geringen Einfluss auf den Ertrag. Regen genügt in vielen Fällen, um ihn abzutragen
- Pollen: Im Frühjahr können sich Pollen großflächig auf den Modulen ablagern. Besonders in der Nähe von Wäldern oder landwirtschaftlichen Flächen ist eine saisonale Reinigung sinnvoll
- Vogelkot: Vogelkot klebt fest, trocknet schnell ein und erzeugt punktuelle Verschattung, die den gesamten Modulstrang beeinflussen kann
- Laub, Moos und Algen: In der Nähe von Wäldern oder bei flach installierten Anlagen können sich organische Materialien ansammeln. Flechten und Moose greifen zudem langfristig die Moduloberfläche an
- Schnee und Eis: Schnee reduziert den Ertrag temporär. Er rutscht bei ausreichender Neigung jedoch von selbst ab. Ein Abrutschen mit Hilfsmitteln sollte nur schonend und von sicherem Boden aus erfolgen
Wann und wie oft sollte man die Photovoltaikanlage reinigen?
Feste Reinigungsintervalle nach dem Kalender sind selten sinnvoll. Viel entscheidender ist eine regelmäßige Sichtprüfung, idealerweise ergänzt durch das Monitoring der Anlage über den Wechselrichter oder eine entsprechende App.
Balkonkraftwerke lassen sich durch ihre einfache Zugänglichkeit jederzeit beobachten und bei Bedarf schnell reinigen. Dachanlagen hingegen erfordern mehr Aufwand, weswegen eine gezielte Reinigung ein- bis zweimal jährlich, zum Beispiel nach dem Pollenflug im Frühjahr und vor dem Winter, für viele Hausbesitzer:innen ausreicht.
Konkrete Anzeichen, die auf eine notwendige Reinigung hindeuten:
- Sichtbare Verschmutzungen wie Vogelkot, Laub oder Moosbewuchs
- Unerklärlicher Rückgang des Stromertrags im Vergleich zu ähnlichen Wetterbedingungen in der Vergangenheit
- Längere Trockenperioden ohne nennenswerte Niederschläge
- Abweichende Erträge zwischen einzelnen Modulsträngen im Monitoring
Sicherheit bei der Reinigung unbedingt beachten
Wir empfehlen ganz klar immer auf Sicherheitsvorkehrungen zu achten, denn die Reinigung auf dem Dach ist nicht ganz ungefährlich.
- Absturzgefahr: Dächer sind rutschig, besonders wenn sie nass sind. Ohne professionelle Absturzsicherung ist das Betreten des Daches gefährlich
- Elektrische Gefahr: PV-Anlagen erzeugen selbst bei bewölktem Himmel Gleichspannung. Vor der Reinigung sollte die Anlage über den Wechselrichter abgeschaltet werden. Dennoch bleiben die DC-seitigen Leitungen unter Spannung und stellen ein Risiko dar
- Hitze und direkte Sonneneinstrahlung: Reinigungen bei praller Sonne sollten vermieden werden. Kaltes Wasser auf heißen Modulen kann zu Thermoschock und Mikrorissen im Glas führen. Frühe Morgenstunden oder bewölkte Tage sind deutlich besser geeignet
📌 Unsere Empfehlung: Wer unsicher ist oder kein geeignetes Werkzeug zur Absicherung besitzt, sollte im Zweifel ein Fachunternehmen beauftragen. Der Aufwand für eine professionelle Reinigung ist überschaubar, das Unfallrisiko beim Selbstversuch hingegen nicht.
Solaranlage richtig reinigen in 7 Schritten
Den richtigen Zeitpunkt wählen
Früh morgens oder an bewölkten Tagen sind die Module noch nicht aufgeheizt. Kaltes Wasser auf heißem Glas erzeugt Thermoschock und kann Mikrorisse verursachen. Direkte Sonneneinstrahlung sollte beim Reinigen grundsätzlich vermieden werden.
Anlage abschalten
Vor Beginn der Reinigung die Anlage über den Wechselrichter deaktivieren und den DC-Hauptschalter betätigen. Wichtig: Die Gleichstromleitungen stehen weiterhin unter Spannung, solange Licht auf die Module trifft. Steckverbinder und Kabel daher nicht berühren.
Sichtprüfung vom Boden aus
Vor dem Aufstieg lohnt ein Blick von unten mit dem Fernglas. Dabei gezielt auf Vogelkot, Moosbewuchs oder größere Ablagerungen achten. So lässt sich einschätzen, wo die Reinigung besonders gründlich sein muss. Aus der Ferne lassen sich häufig auch weitere Problemzonen erkennen, die bei naher Betrachtung gar nicht auffallen.
Werkzeug vorbereiten
Folgendes wird benötigt:
- Sicherheitsausrüstung bei Dachanlagen: rutschfeste Schuhe, Absturzsicherung
- Weiche Bürste oder Schwamm ohne Schleifwirkung
- Teleskopstange für schwer zugängliche Bereiche
- Eimer mit kalkarmem oder entmineralisiertem Wasser
Module einweichen
Zunächst die gesamte Modulfläche mit kalkarmem Wasser benetzen und kurz einwirken lassen. Hartnäckige Stellen wie eingetrockneter Vogelkot brauchen zwei bis drei Minuten Einweichzeit, bevor sie sich ohne Kratzer lösen lassen.
Schonend reinigen
Mit der weichen Bürste oder dem Schwamm in gleichmäßigen, kreisenden Bewegungen über die Oberfläche fahren. Dabei keinen starken Druck ausüben. Rahmen und Glasflächen separat behandeln, da sich in den Ecken oft Schmutz und Moos ansammeln.
Abspülen und trocknen lassen
Abschließend die gesamte Fläche mit sauberem, kalkarmem Wasser abspülen, um Schmutzrückstände vollständig zu entfernen. Die Module dann an der Luft trocknen lassen, nicht mit Tüchern abreiben.
✓ Dran gedacht? Niemals Hochdruckreiniger, Scheuerschwämme, Stahlwolle oder aggressive Reinigungsmittel verwenden. Leitungswasser mit hohem Kalkgehalt hinterlässt Schlieren und Ablagerungen, die die Leistung erneut mindern.
Unterschiede je nach Anlagentyp
Balkonkraftwerk reinigen
Balkonkraftwerke sind die unkomplizierteste Kategorie. Durch ihre bodennahe oder balkonnahe Montage sind die Module leicht zugänglich. Das Risiko ist gering, und eine häufigere Reinigung, etwa alle zwei bis drei Monate, ist problemlos möglich. Bereits ein feuchtes Tuch genügt für eine einfache Pflege. Dafür haben wir einen eigenen Guide. Wie Sie Ihr Balkonkraftwerk reinigen, erfahren Sie hier.
Photovoltaikanlage auf dem Dach reinigen
Dachanlagen erfordern deutlich mehr Vorsicht. Der Zugang ist schwieriger, das Unfallrisiko höher. Gleichzeitig sorgen Regen und Neigung oft selbst für ausreichende Selbstreinigung. Eine gezielte Reinigung ein- bis zweimal jährlich ist für die meisten Anlagen ausreichend. Ob Eigenleistung sinnvoll ist, hängt von der eigenen Erfahrung, dem vorhandenen Werkzeug und den Sicherheitsvorkehrungen ab.
Große oder gewerbliche PV-Anlagen
Für Gewerbe- und Großanlagen hat die Reinigung eine unmittelbare wirtschaftliche Relevanz. Selbst geringe Ertragsverluste addieren sich bei großen Flächen schnell zu signifikanten Einbußen bei der Einspeisevergütung. Hier kommen spezialisierte Reinigungsfahrzeuge und vollautomatisierte Systeme zum Einsatz. Professionelle Wartungsverträge mit Fachfirmen sind für solche Anlagen meist Standard.
Lohnt sich die Reinigung wirtschaftlich?
Ob sich die Reinigung finanziell rechnet, hängt stark von der Anlagengröße und dem Grad der Verschmutzung ab. Für eine typische 10-kWp-Anlage mit einem Jahresertrag von rund 10.000 kWh und einem passenden Speicher kann das eine mittelgroße Summe ausmachen. Bei einem Strompreis von 30 ct und einer Einspeisevergütung von 8 ct ergibt sich ein Jahresertrag von 2340 €. Gehen wir von einer groben Verschmutzung von etwa 8 % aus, sind das aufs Jahr gerechnet 187 €.
Eine professionelle Reinigung kostet je nach Anbieter und Region zwischen 5-15 € pro Quadratmeter. Bei 60 Quadratmetern Modulfläche entstehen Kosten von 300-900 €. Das rechnet sich also nur, wenn tatsächlich nennenswerte Verschmutzungen vorliegen.
Für kleinere Anlagen und Balkonkraftwerke ist die Eigenreinigung wirtschaftlich fast immer sinnvoller. Bei Großanlagen hingegen überwiegt der Nutzen professioneller Reinigung, da selbst kleine Ertragssteigerungen über große Flächen und lange Laufzeiten erhebliche Summen ausmachen.
📌 Quick-Tipp: Betrachten Sie die Reinigung nicht nur direkt finanzieller Sicht. Ein weiterer Faktor ist die Langlebigkeit der Anlage, die sich durch eine Reinigung erhöht. Wir empfehlen daher die Reinigung mit einer allgemeinen Wartung zu kombinieren.
Häufige Fehler bei der Reinigung
- Reinigung bei direkter Sonneneinstrahlung: Heißes Glas und kaltes Wasser erzeugen Temperaturspannungen. Das kann zu Mikrorissen und dauerhaften Schäden führen
- Falsche Reinigungsmittel verwenden: Handelsübliche Haushaltsreiniger enthalten oft Tenside oder Lösungsmittel, die die Beschichtung der Module angreifen
- Zu häufige Reinigung: Unnötige Reinigungszyklen erhöhen den Aufwand und das Risiko von Kratzern, ohne nennenswerten Mehrertrag zu bringen
- Sicherheitsrisiken ignorieren: Wer ohne Absicherung aufs Dach steigt, riskiert schwere Verletzungen. Gleichzeitig darf der elektrische Gefahrenbereich niemals unterschätzt werden
- Falsches Werkzeug: Harte Bürsten, Stahlwolle oder der Hochdruckreiniger beschädigen Glas und Rahmen. Solche Schäden sind oft irreversibel und können die Garantie der Module gefährden