Kreislaufwirtschaft im Alltag: Warum Recycling allein nicht ausreicht

Ein kreisförmiges Flussdiagramm mit vier grünen und blauen Pfeilen zeigt die Phasen - Pflanzenkeimung, Fabrik, Handschlag und eine Box mit Recyclingsymbolen - und veranschaulicht die Kreislaufwirtschaft und das Recycling in einer nachhaltigen oder kreisförmigen Wirtschaft.

Im Interview mit

Christine Mengelée

GreenFairWorld

Christine Mengelée von GreenFairWorld ist Betriebswirtin und Umweltwissenschaftlerin mit über 20-jähriger Erfahrung im internationalen Einkauf. Nach ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau und dem Studium zur DiplomBetriebswirtin war sie über zwei Jahrzehnte in verantwortungsvollen Einkaufs- und CategoryManagementRollen tätig. Vor zwei Jahren hat sie ihren Schwerpunkt bewusst in Richtung Kreislaufwirtschaft verlagert und diesen Weg mit einem Masterstudium der Umweltwissenschaften (M.Sc.) vertieft. Heute verbindet sie betriebswirtschaftliche Entscheidungslogik mit ökologischer Systemperspektive, mit besonderem Fokus auf Kreislaufwirtschaft und Wertstoffmanagement.

Im Interview mit

Christine Mengelée

GreenFairWorld

Christine Mengelée von GreenFairWorld ist Betriebswirtin und Umweltwissenschaftlerin mit über 20-jähriger Erfahrung im internationalen Einkauf. Nach ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau und dem Studium zur DiplomBetriebswirtin war sie über zwei Jahrzehnte in verantwortungsvollen Einkaufs- und CategoryManagementRollen tätig. Vor zwei Jahren hat sie ihren Schwerpunkt bewusst in Richtung Kreislaufwirtschaft verlagert und diesen Weg mit einem Masterstudium der Umweltwissenschaften (M.Sc.) vertieft. Heute verbindet sie betriebswirtschaftliche Entscheidungslogik mit ökologischer Systemperspektive, mit besonderem Fokus auf Kreislaufwirtschaft und Wertstoffmanagement.

Zum Interview

Kreislaufwirtschaft gilt als Schlüssel für eine nachhaltige Zukunft. Doch in der Praxis bleibt sie oft hinter den Erwartungen zurück. Christine Mengelée beschäftigt sich intensiv mit Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Wertstoffmanagement. Im Gespräch geht es darum, warum Recycling allein nicht ausreicht, wo die größten Hebel liegen und was Unternehmen und Verbraucher:innen konkret verändern müssen.

Frau Mengelée, Sie haben viele Jahre im Einkauf und Category Management gearbeitet und sich später bewusst in Richtung Kreislaufwirtschaft entwickelt. Was hat diesen Wechsel ausgelöst?

Sprecher

Nach meinem Studium zur DiplomBetriebswirtin war ich über 20 Jahre im internationalen Einkauf und Category Management tätig. Das war eine sehr prägende Zeit, in der ich viel gelernt habe über Märkte, Kostenstrukturen und Wertschöpfung. Irgendwann kam jedoch der Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass ich nicht noch weitere Jahre genau das Gleiche tun möchte, sondern bewusst etwas Neues wagen.

Ein wichtiger Einfluss liegt allerdings noch deutlich weiter zurück. Ich bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen, und mein Vater hat schon immer darauf geachtet, sorgsam mit Ressourcen umzugehen, lange bevor Begriffe wie Nachhaltigkeit oder Kreislaufwirtschaft allgegenwärtig waren. Dieses Verständnis von Verantwortung ist bei mir geblieben.

Aus diesem Zusammenspiel heraus habe ich mich entschieden, nebenberuflich Msc. Umweltwissenschaften mit dem Fokus Kreislaufwirtschaft zu studieren. Mich hat besonders gereizt, dass viele Menschen Kreislaufwirtschaft zunächst als Einschränkung oder zusätzliche Belastung wahrnehmen. Ich sehe darin jedoch vor allem ein enormes Potenzial.

Als Betriebswirtin ist es mir ein zentrales Anliegen, Ökologie und Ökonomie zusammenzubringen. Denn echte Nachhaltigkeit entsteht aus meiner Sicht nur dann, wenn sie sich wirtschaftlich trägt, unternehmerisch sinnvoll ist und gleichzeitig Schadschöpfung konsequent reduziert und genau an dieser Schnittstelle möchte ich wirken.

Sprecher

Kreislaufwirtschaft wird oft stark vereinfacht dargestellt. Was wird Ihrer Meinung nach am häufigsten missverstanden?

Sprecher

Es wird häufig unterschätzt, dass Kreislaufwirtschaft kein reines Umweltprojekt ist, sondern ein tiefgreifender wirtschaftlicher Transformationsprozess. Kreislaufwirtschaft ist nicht automatisch nachhaltig oder immer ökologisch sinnvoll. In der Realität ist sie komplex, mit Zielkonflikten behaftet und oft mit Qualitätsverlusten verbunden. Nicht jeder Kreislauf schließt sich sinnvoll, und nicht jede Recyclinglösung ist automatisch die beste Option.

Kreislaufwirtschaft betrifft Design, Einkauf, Lieferketten, Geschäftsmodelle und Investitionsentscheidungen gleichermaßen. Ohne wirtschaftliche Tragfähigkeit, klare Anreize und realistische Rahmenbedingungen bleibt sie Theorie.

Deshalb plädiere ich für einen ehrlichen, datenbasierten Blick auf Kreislaufwirtschaft, jenseits von einfachen Botschaften. Sie ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um Ressourcennutzung effizienter zu gestalten, Schadschöpfung zu reduzieren und langfristig resilientere Wirtschaftssysteme aufzubauen. Und genau an dieser Schnittstelle bringe ich meine Expertise als Betriebswirtin mit langjähriger Erfahrung in Einkauf und Wertschöpfungsketten ebenso wie als Umweltwissenschaftlerin mit Fokus auf Kreislaufwirtschaft ein. Mein Ziel ist es, ökologische Anforderungen mit ökonomischer Realität zu verbinden, damit Kreislaufwirtschaft wirksam, skalierbar und dauerhaft tragfähig wird.

Sprecher

Viele Menschen setzen Kreislaufwirtschaft mit Recycling gleich. Warum greift dieser Ansatz zu kurz?

Sprecher

Dieser Ansatz greift definitiv deutlich zu kurz, weil Recycling erst sehr spät in der Wertschöpfungskette ansetzt. Nämlich dann, wenn ein Produkt bereits Abfall geworden ist. Kreislaufwirtschaft beginnt jedoch viel früher.

Ein hilfreiches Ordnungsprinzip sind die 10 R der Kreislaufwirtschaft, die unterschiedliche Handlungsoptionen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts beschreiben von der Vermeidung bis zur Verwertung. Sie unterscheiden sich deutlich in ihrem Beitrag zur Ressourcenschonung und in der verursachten Schadschöpfung.

An oberster Stelle steht Refuse, also das bewusste Vermeiden unnötiger Produkte oder Materialien. Es verursacht die geringste Schadschöpfung, weil Ressourcen gar nicht erst eingesetzt werden. Es folgen Rethink und Reduce, bei denen Produkte smarter genutzt, leichter gestaltet oder Mengen reduziert werden. Auch Reuse und Repair spielen eine zentrale Rolle, denn je länger ein Produkt genutzt wird, desto geringer ist sein ökologischer Fußabdruck pro Nutzungseinheit.

Erst im mittleren Bereich der Hierarchie kommen Refurbish, Remanufacture und Repurpose, also die Aufarbeitung, Wiederverwendung oder die Nutzung für einen anderen Zweck. Diese Optionen erhalten Material- und Funktionswert, sind aber bereits mit zusätzlichem Energie- und Ressourceneinsatz verbunden.

Recycling folgt erst danach. Es ist wichtig und oftmals unvermeidbar, geht jedoch fast immer mit Qualitätsverlusten einher und benötigt Energie, Infrastruktur und Logistik. Deshalb ist Recycling keine Lösung für sich, sondern lediglich ein Teil des Systems.

Die energetische Verwertung – also die Verbrennung mit Energiegewinnung – stellt die höchste Form der Schadschöpfung innerhalb der Kreislaufwirtschaft dar. Sie zerstört Materialwerte unwiederbringlich. Dennoch ist sie immer noch besser als die Deponierung, bei der weder Material noch Energiepotenziale genutzt werden und Umweltbelastungen langfristig bestehen bleiben.

Kreislaufwirtschaft bedeutet daher nicht, möglichst viel zu recyceln, sondern die bestmögliche Option entlang dieser Hierarchie zu wählen. Entscheidend ist, Abfälle gar nicht erst entstehen zu lassen, Produkte langlebig zu gestalten und Materialien so einzusetzen, dass sie mehrfach und hochwertig genutzt werden können. Wer sie auf Recycling reduziert, verkennt ihr eigentliches Potenzial, Ressourcenverbrauch und Schadschöpfung bereits am Anfang der Kette konsequent zu minimieren.

Sprecher

Wo entstehen die größten Probleme heute: Beim Konsum, in der Produktion oder in den Lieferketten?

Sprecher

Die größten Probleme lassen sich nicht an einer einzigen Stelle festmachen. Sie entstehen im Zusammenspiel von Konsum, Produktion und Lieferketten, allerdings werden aus meiner Sicht die Ursachen und Hebel oft falsch verortet.

Auf der Konsumentenseite zeigt sich das Problem vor allem in hohen Mengen, kurzen Nutzungsdauern und einer geringen Wertschätzung von Produkten. Viele Kaufentscheidungen sind preisgetrieben, nicht nutzungs- oder langlebigkeitsorientiert. Gleichzeitig fehlen häufig Transparenz und einfache Alternativen, die nachhaltiges Verhalten erleichtern würden.

In der Produktion liegen große Herausforderungen in Designentscheidungen. Produkte werden noch immer so entwickelt, dass sie zwar effizient herzustellen, aber schwer zu reparieren, zu recyceln oder zu trennen sind. Materialvielfalt, Verbundstoffe und fehlende Standardisierung erschweren echte Kreisläufe erheblich. Hier wird früh festgelegt, ob Kreislaufwirtschaft später überhaupt funktionieren kann.

Besonders kritisch sind jedoch die Lieferketten. Sie sind häufig komplex, global fragmentiert und auf maximale Effizienz statt auf Resilienz oder Zirkularität ausgelegt. Fehlende Daten, mangelnde Rückverfolgbarkeit und unklare Verantwortlichkeiten erschweren es, Stoffströme sauber zu steuern oder Kreisläufe tatsächlich zu schließen.

Deshalb ist es wichtig, keinen dieser Bereiche isoliert zu betrachten. Konsum beeinflusst Nachfrage, Nachfrage beeinflusst Produktionsentscheidungen, und Lieferketten bestimmen, was überhaupt realistisch umsetzbar ist. Kreislaufwirtschaft scheitert deshalb oft nicht an fehlendem Willen, sondern an fehlender Abstimmung entlang der gesamten Wertschöpfung.

Final kann man sagen, dass die größten Hebel dort liegen, wo Design, Einkaufs- und Geschäftsmodellentscheidungen getroffen werden. Wer hier früh die richtigen Weichen stellt, reduziert Probleme im Konsum und in den Lieferketten gleich mit.

Sprecher

Wie wichtig ist das Produktdesign für funktionierende Kreislaufwirtschaft?

Sprecher

Produktdesign ist einer der entscheidendsten Hebel für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, vielleicht sogar der wichtigste. Denn bereits in der Designphase wird festgelegt, ob ein Produkt überhaupt kreislauffähig sein kann oder nicht.

Design bestimmt, welche Materialien eingesetzt werden, wie viele es sind, ob sie trennbar, reparierbar oder recyclebar sind, wie langlebig ein Produkt ist und ob es sich wirtschaftlich wieder in den Kreislauf zurückführen lässt. Schätzungen zufolge werden bis zu 80 Prozent der späteren Umweltwirkungen eines Produkts bereits im Design festgelegt.

Wenn Produkte heute noch aus komplexen Materialverbunden bestehen, verklebt statt verschraubt sind oder auf maximale Kosteneffizienz in der Erstproduktion optimiert werden, scheitert Kreislaufwirtschaft oft zwangsläufig, egal, wie gut die Recyclinginfrastruktur ist.

Ein kreislauffähiges Design ist kein rein ökologisches Ideal, sondern eine strategische und wirtschaftliche Entscheidung. Unternehmen, die früh auf langlebige, modulare und materialeffiziente Produkte setzen, reduzieren langfristig Risiken in Lieferketten, Abhängigkeiten von Primärrohstoffen und regulatorische Kosten.

Ohne konsequentes Produktdesign bleibt Kreislaufwirtschaft weiterhin ein Stückwerk. Mit dem richtigen Design hingegen wird sie skalierbar, wirtschaftlich tragfähig und vom Anspruch zur Realität.

Sprecher

Wie groß ist der Einfluss von Unternehmen im Vergleich zu Verbrauchern?

Sprecher

Unternehmen haben insgesamt den größeren Hebel, deutlich größer als der einzelner Verbraucher. Denn Unternehmen entscheiden über Produktdesign, Materialwahl, Lieferketten, Preise und darüber, was überhaupt am Markt verfügbar ist. In vielen Fällen können Verbraucher nur zwischen den Optionen wählen, die ihnen angeboten werden.

Bereits heute werden zentrale Weichen für oder gegen Kreislauffähigkeit im Unternehmen gestellt durch das Design, im Einkauf, in der Produktionsweise und in den Geschäftsmodellen. Ob ein Produkt reparierbar ist, ob es recycelt werden kann oder ob Sekundärmaterial eingesetzt wird, liegt kaum in der Hand der Konsumenten.

Das heißt jedoch nicht, dass Verbraucher keinen Einfluss haben. Ihr Konsumverhalten sendet wichtige Signale, etwa durch Nachfrage nach langlebigen, reparierbaren oder ressourcenschonenden Produkten. Dieser Einfluss bleibt aber begrenzt, wenn nachhaltige Alternativen schwer verfügbar sind. Kreislaufwirtschaft funktioniert also nur dann, wenn Unternehmen strukturell vorgehen, indem sie nachhaltige Optionen zum Standard machen, statt zur Ausnahme. Erst dann können Konsumenten ihren Einfluss wirksam entfalten.

Sprecher

Wo liegen aus Ihrer Sicht die wirtschaftlichen Chancen von Kreislaufwirtschaft?

Sprecher

Die wirtschaftlichen Chancen der Kreislaufwirtschaft sind erheblich und sie werden noch immer unterschätzt. Das zeigt sehr deutlich auch eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group im Auftrag des BDI: Kreislaufwirtschaft: 880 Milliarden Euro Wertschöpfungspotenzial für die deutsche Industrie. Demnach kann die Kreislaufwirtschaft der deutschen Industrie bis 2045 ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von bis zu 880 Milliarden Euro erschließen.

Ein zentraler Hebel liegt in der effizienteren Nutzung von Materialien. Durch längere Produktlebenszyklen, Wiederverwendung, Remanufacturing und den verstärkten Einsatz von Sekundärrohstoffen kann die zirkuläre Bruttowertschöpfung von heute rund 60 Milliarden Euro auf bis zu 125 Milliarden Euro pro Jahr steigen. Das senkt nicht nur Kosten, sondern reduziert auch die Abhängigkeit von volatilen Rohstoffmärkten

Gerade für einen rohstoffarmen Industriestandort wie Deutschland ist das ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Laut der Studie könnten Recycling und Wiederverwendung bis zu 20–40 Prozent der strategischen Rohstoffimporte ersetzen etwa bei Metallen, Batteriematerialien oder Seltenen Erden. Das stärkt die Resilienz der Lieferketten und erhöht die Versorgungssicherheit in geopolitisch unsicheren Zeiten.

Darüber hinaus eröffnet Kreislaufwirtschaft neue Geschäftsmodelle und Märkte wie in den Bereichen Anlagenbau, Recycling und Sortiertechnologien, digitale Rückverfolgbarkeit oder zirkuläre Services. Kreislaufwirtschaft ist also kein reines Nachhaltigkeitsthema, sondern ein strategischer Wachstums und Wettbewerbsfaktor. Unternehmen, die jetzt investieren, sichern sich nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch langfristige wirtschaftliche Resilienz.

Sprecher

Was kann eine einzelne Person im Alltag wirklich tun, ohne sich komplett einzuschränken?

Sprecher

Viele Menschen glauben, nachhaltiges Handeln bedeute automatisch Verzicht. Genau das halte ich für eines der größten Missverständnisse. Nachhaltigkeit heißt nicht, alles perfekt zu machen oder den eigenen Alltag radikal umzustellen, sondern bewusster zu entscheiden, wo es wirklich einen Unterschied macht.

Eine einzelne Person kann im Alltag wirksame Hebel setzen, ohne sich einzuschränken, indem sie weniger, aber hochwertiger konsumiert, Dinge länger nutzt, reparieren lässt oder SecondHand kauft. Das spart oft Geld, reduziert Stress durch ständigen Neukauf und schafft eine ganz andere Wertschätzung für Produkte.

Aus meiner Sicht bedeutet Nachhaltigkeit vor allem Entlastung durch weniger Überfluss, weniger Wegwerfen, weniger Abhängigkeit von kurzfristigen Trends. Dafür mehr Qualität, mehr Nutzungsdauer und oft auch mehr Klarheit im Alltag. Aber die Verantwortung darf nicht allein beim Einzelnen liegen. Politik und Unternehmen müssen nachhaltige Optionen einfach, bezahlbar und selbstverständlich machen. Aber innerhalb dieses Rahmens kann jede Person Entscheidungen treffen, die nicht einschränken, sondern das eigene Leben sogar bereichern. Nachhaltigkeit ist am Ende kein moralischer Zeigefinger, sondern eine Einladung zu einem Lebensstil, der langfristig zufriedener, robuster und qualitativ hochwertiger ist.

Sprecher

Wenn Sie eine Sache nennen müssten, die heute den größten Unterschied machen würde, um Kreislaufwirtschaft voranzubringen. Welche wäre das?

Sprecher

Wenn ich eine Sache nennen müsste, die heute den größten Unterschied machen würde, dann ist es konsequentes kreislauffähiges Produktdesign als verbindlicher Standard, inklusive Umsetzung, Kontrolle und Durchsetzung.

Genau hier setzt auch die EUÖkodesignVerordnung für nachhaltige Produkte, offiziell die Verordnung (EU) 2024/1781 – Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR), an. Sie schreibt erstmals verbindlich vor, dass Produkte langlebig, reparierbar, wiederverwendbar und recyclingfähig gestaltet sein müssen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg. Damit wird Design vom freiwilligen Nachhaltigkeitsversprechen zu einer Voraussetzung für Marktzugang.

Verordnung (EU) 2024/1781 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 2024 zur Schaffung eines Rahmens für die Festlegung von Ökodesign-Anforderungen für nachhaltige Produkte, zur Änderung der Richtlinie (EU) 2020/1828 und der Verordnung (EU) 2023/1542 und zur Aufhebung der Richtlinie 2009/125/EGText von Bedeutung für den EWR.

Ergänzt wird dieser Ansatz durch das Recht auf Reparatur, rechtlich verankert in der Richtlinie (EU) 2024/1799 über gemeinsame Vorschriften zur Förderung der Reparatur von Waren. Diese verpflichtet Hersteller, bestimmte Produkte auch außerhalb der Gewährleistung zu reparieren, Ersatzteile bereitzustellen und Reparaturen nicht durch Design, Software oder Vertragsklauseln zu behindern.

Directive on repair of goods – European Commission

Jedoch reichen die Gesetze allein nicht aus. Ihre Wirkung entfalten sie nur, wenn sie konsequent eingehalten, überprüft und durchgesetzt werden. Solange kreislauffähiges Design zwar regulatorisch vorgesehen ist, in der Praxis aber nicht kontrolliert wird, bleibt Kreislaufwirtschaft ein gut gemeintes Ziel, aber keine skalierbare Realität.

Denn egal ob es um Recycling oder Wiederverwendung, alles steht und fällt mit der Gestaltung von Produkten am Anfang. Solange Produkte kurzlebig, materialkomplex und nicht reparier oder trennbar sind, werden Probleme lediglich in andere Stufen der Wertschöpfung verlagert.

Würden Unternehmen systematisch vom Ende her denken, vom zweiten, dritten oder vierten Leben eines Produkts, ließen sich viele Probleme automatisch reduzieren durch geringeren Ressourceneinsatz, bessere Recyclingfähigkeit, stabilere Materialströme und niedrigere Folgekosten.

Wenn Ökodesign Vorgaben und das Recht auf Reparatur verbindlich angewendet, kontrolliert und umgesetzt werden würden, entsteht Kreislaufwirtschaft nicht als Ausnahme, sondern als neue Normalität.

Sprecher

Christine Mengelée bringt etwas mit, das in der Kreislaufwirtschafts-Debatte selten ist: Jahrzehnte Praxiserfahrung im industriellen Einkauf, kombiniert mit einer wissenschaftlichen Perspektive auf ökologische Systeme. Ihr Blick ist weder idealistisch noch rein technokratisch, sondern an der Schnittstelle beider Logiken geschärft. Die zentrale Botschaft: Kreislaufwirtschaft scheitert, wenn sie erst beim Abfall ansetzt; die eigentlichen Weichen fallen beim Design, im Einkauf und in den Geschäftsmodellen. Für alle, die beruflich mit Beschaffung, Produktentwicklung oder Nachhaltigkeitsstrategie zu tun haben, liefert das Gespräch konkrete Orientierung jenseits von Recycling-Symbolpolitik.

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